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Die Geschichte des Schlumpf-Museums

 1957 – 1965 : HKD, eine Textilfabrik

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Die Textilfabrik HKD

Im Jahr 1957 übernehmen die Brüder Schlumpf aus Basel die Textilfabrik HKD (Heilmann, Koechlin & Desaulles), eine traditionsreiche Wollspinnerei im elsässischen Mühlhausen (Mulhouse). Zwischen 1961 und 1963 kauft Fritz Schlumpf heimlich eine große Anzahl klassischer Automobile. Um diese Käufe unbemerkt tätigen zu können, setzt er zahlreiche „Strohmänner“ in Frankreich, in der Schweiz, in England, in Italien, in Deutschland und in den Vereinigten Staaten ein. Einige dieser Kontakte erweisen sich als besonders ergiebig: 13 von ihnen verschaffen ihm die Hälfte seiner Sammlung, d. h. mehr als 200 Autos. Unter ihnen auch M. Rafaelli, Renault-Vertragshändler und Eigentümer von mehreren Bugattis, den Fritz Schlumpf zu seinem Kaufberater macht. Diese Zusammenarbeit währt mehrere Jahre lang. Der reiche Industrielle kauft ohne Unterlass europäische Autos der Glanzzeit; amerikanische Modelle lehnt er jedoch ab.
Im Mai 1965 erscheint in der Zeitschrift „L’Alsace“ der erste Artikel, der den Umfang der bis dahin geheimen Sammlung enthüllt. Fritz Schlumpf gewährt nämlich nur wenigen Auserwählten den Zutritt zu den Lagerhallen der Fabrik, in denen die Oldtimer untergebracht sind.

1966 – 1976 : das „Musée Schlumpf“

Hans-Fritz Schlumpf

Hans und Fritz Schlumpf

Im Jahr 1966, beginnen die Arbeiten zur Präsentation der Sammlung. Das Ziel von Fritz Schlumpf lautet nunmehr dem Publikum die einzigartige Kollektion zugänglich zu machen, die er binnen weniger Jahre zusammengetragen hat. Er lässt einen Teil der Lagerhallen der Textilfabrik zum „Musée Schlumpf“ umbauen. Diese umfangreichen Arbeiten nehmen mehrere Jahre in Anspruch. Alle Zwischenwände, die die unterschiedlichen Produktionsbereiche in der großen Sheddachhalle voneinander getrennt haben, werden eingerissen. Diese neue Ausstellungshalle von 17 000 m² in Form eines einzigen Raums wird in 23 „Viertel“ eingeteilt, in denen jeweils 10 bis 20 Autos präsentiert werden. Die Viertel werden von breiten gekachelten Alleen umrandet und tragen Namen wie „Avenue Carl Schlumpf“, „Avenue Jeanne Schlumpf“, „Rue Royale“ … An den Außenseiten werden verschiedene Werkstattbereiche eingerichtet.

Gleichzeitig schreiten die Restaurierungsarbeiten an den Oldtimern zügig voran. Hierbei ist die Unterstützung von 7 Mechanikergehilfen, 2 Sattlern, 2 Spenglern, 1 Spenglergehilfen und 5 Lackierern gefragt. Auf diese Weise hat Fritz Schlumpf innerhalb von 10 Jahren etwa 12 Millionen Francs für den Kauf und die Präsentation seiner Sammlung ausgegeben.

Am 28. Juni 1976 befindet die Textilindustrie sich in der Krise und die Arbeiter streiken. Die Gewerkschaften prangern den „Mangel an Verständigung“ und die „Gesetzesumgehung“ der zwei Industriellen an. Die Brüder Schlumpf versuchen, ihre Fabriken für einen symbolischen Franc zu verkaufen. Als jedoch keine Angebote eingehen, treten sie von ihren Firmenposten zurück und fliehen nach Basel. Sie kehren nie wieder nach Frankreich zurück.

Ende des Jahres 1976 werden die 20 noch in der HKC-Fabrik verbliebenen Arbeiter entlassen und die Türen der Fabrik versiegelt. Danach beginnt ein langer Rechtsstreit zwischen den Brüdern Schlumpf und ihren Gläubigern.

1977 – 1979 : das „Museum der Arbeiter“

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Das Museum wird umbenannt

Am 7. März 1977 werden die Lager von den Gewerkschaften besetzt. Das „Musée Schlumpf“ wird in „Museum der Arbeiter“ umbenannt. Unter der Aufsicht der Gewerkschaft CFDT ist der Eintritt ins Museum kostenlos. Am Ausgang des Museums werden Spenden gesammelt, mit denen die Kosten für die weitere Öffnung des Museums und die Fortsetzung der Aktion beglichen werden. « „Ich habe 1400 Franc pro Monat verdient. Sehen Sie, wohin der Rest geflossen ist!“, so heißt es auf einer der zahlreichen Infotafeln, die auf dem Kühlergrill eines Rennwagens platziert sind. Das ist der Anfang der sogenannten Schlumpf-Affäre …
1978 wird die Sammlung auf Anregung von Jean Panhard vom französischen Staatsrat als „Monument Historique“ eingestuft, was bedeutet, dass keines der Sammlerstücke den französischen Boden verlassen darf.

1979 bestätigt das Berufungsgericht Colmar die Ausweitung der Liquidation auf die persönlichen Vermögensgegenstände der Brüder Schlumpf, einschließlich der auf Werkskosten restaurierten Automobilsammlung. Einige Stunden nach diesem Urteil gibt die Gewerkschaft CFDT die Werksschlüssel wieder heraus.

1980 – 1981 : das „Musée national de l’Automobile“ (Nationales Automobilmuseum)

Im Oktober 1980 gestattet das Kassationsgericht den Verkauf der Sammlung; im darauffolgenden Jahr kauft die Association Propriétaire de Musée National de l’Automobile (Eigentümervereinigung des nationalen Automobilmuseums) sie zurück. Diese Vereinigung besteht zu jenem Zeitpunkt aus der Stadt Mülhausen, dem Département Haut-Rhin, der Region Elsass, der Industrie- und Handelskammer Mülhausen, dem Automobile Club de France, der Société Panhard sowie dem Comité du Salon de l’Automobile. Unter dem Vorsitz des Präsidenten des Generalrats des Départements Haut- Rhin gelingt es der Vereinigung die 44 Millionen Francs für den Kauf der Sammlung zusammenzutragen. Dieser Pauschalwert wird von den Brüdern Schlumpf angefechtet und 20 Jahre später erhalten sie Recht – und zusätzliche 25 Millionen Francs.

Am 10. Juli 1982 wird das Musée national de l’Automobile eröffnet.

Die Fotostrecke zum Schlumpf-Museum finden Sie hier




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