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Zurück auf die Bühne

Einzigartiges Kompetenzzentrum für Tanzmedizin in Gelsenkirchen.

Dr. Elisabeth Exner-Grave bei der Behandlung des Tänzers Bogdan Nicula
©Ursula Kaufmann

Endlich zurück auf die Bühne. Ins Rampenlicht. Das tun, was sich so gut anfühlt: sich zur Musik bewegen, mit der alten Leichtigkeit tanzen. Den Applaus hören und spüren. Danach sehnen sich alle Tänzerinnen und Tänzer, die bei Dr. Elisabeth Exner-Grave in Gelsenkirchen Hilfe suchen. Die 48-Jährige Orthopädin leitet das bundesweit einmalige Kompetenzzentrum Tanzmedizin am medicos.AufSchalke. Seit der Gründung vor gut vier Jahren hat sie gemeinsam mit einem Team aus Sportwissenschaftlern und Physiotherapeuten mehr als 270 Profitänzern wieder auf die Beine und damit auf die Bühne geholfen.
„Die Tänzer kommen nach Arbeitsunfällen oder mit chronischen Beschwerden aus ganz Deutschland zu uns“, sagt die Ärztin. In der Regel betreffen die Verletzungen die Beine. Vor allem das Sprunggelenk, aber auch Knie und Hüfte gehören zu den Risikobereichen. Bänderrisse, Reizungen von Sehnen, Zustände nach Operationen, Veränderungen an der Wirbelsäule – die Bandbreite der Erkrankungen ist groß und doch ganz typisch.

Therapeuten vor besonderen Herausforderungen

Dr. Elisabeth Exner-Grave bei der Vorbesprechung mit dem Tänzer Bogdan Nicula
©Ursula Kaufmann

„Im Alltag gehen Tänzer oft an ihre Grenzen oder sogar darüber hinaus“, sagt Alfred Achtelik, der als Diplom-Wissenschaftler im Kompetenzzentrum unter anderem für die Trainingspläne in der Rehabilitation zuständig ist. Dabei halten die Bühnenathleten extreme Belastungen auch ohne technische Hilfsmittel aus. Meistens tanzen sie barfuß. In anderen Sportarten dämpfen dagegen Hightech-Schuhe Stöße ab.
Hinzu kommt, dass die Ästhetik die Athletik überlagert. Muskelpakete, die bei anderen Athleten schwächere Körperstrukturen wie ein schützendes Korsett umgeben, sind oft nicht gewünscht. Außerdem müssen Tänzer nicht nur hoch springen. Sie müssen dies auch leise tun. Wer möchte in einer Ballettaufführung schon Schwäne über die Bühne poltern sehen?
All das stellt an die Behandlung und Rehabilitation für Tänzer nach Verletzungen besondere Herausforderungen. „Anders als beispielsweise im Fußball stehen wir noch ganz am Anfang“, sagt Achtelik. Zumal es je nach Disziplin unterschiedliche Anforderungen an die Tänzer gibt. Im Musical müssen sie teilweise mit Rollschuhen über die Bühne rasen. Im Ballett gibt es andere Bewegungsmuster als in einer modernen Aufführung. Hier müssen erst noch Erfahrungen gesammelt, Therapien ausprobiert werden. Deshalb initiiert das Kompetenzzentrum in Gelsenkirchen auch Forschungsprojekte.

Gyrotonic-Methode: Bewegungen wie auf der Bühne

Aktuell arbeiten die Therapeuten und Sportwissenschaftler unter anderem mit dem Ballett im Revier in Gelsenkirchen zusammen. Dabei geht es in erster Linie darum, Vergleichsdaten zu sammeln und den Einfluss eines gezielten Trainings auf den Körper der Tänzer zu protokollieren. Die Erkenntnisse sollen dann zur Prävention von Verletzungen dienen.
Im Grunde genommen gleichen die Anforderungen an Tänzer denen, die auch an Profisportler gestellt werden. Sechs bis acht Stunden täglich trainieren sie an den gut 90 Musik- und Tanztheatern in Deutschland. Damit kommen sie locker an das Pensum von Hochleistungssportlern heran. „Für das Publikum darf es aber nicht nach harter Arbeit aussehen“ sagt Jaŝ Otrin, Company-Manager des Ballett im Revier in Gelsenkirchen. Denn Tänzer sind auch Künstler und werden als solche vom Publikum wahrgenommen.
Otrin ist froh über die Zusammenarbeit mit dem medicos.AufSchalke und sieht viele positive Effekte. „Für den Tänzer ist der Körper das Instrument. Und das muss richtig gestimmt sein, damit er seine Kunst zeigen kann“, sagt er. Der ehemalige Tänzer hat eine Verkürzung der Ausfallzeiten nach Verletzungen festgestellt, seit seine Mitarbeiter sich im medicos.AufSchalke therapieren lassen. Dort stehen ihnen modernste Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu zählt auch das Training nach der Gyrotonic-Methode. An speziellen Geräten können die Tänzer dabei dreidimensionale Bewegungen ausführen, die denen auf der Bühne sehr nahe kommen. Je nach Schwere der Verletzung ist die Belastung dabei individuell einstellbar.

Netzwerk Tanzmedizin soll ausgeweitet werden

Die Wiedereingliederung der Tänzer hängt schließlich auch von ihrem Gesundheits- und Fitnesszustand ab
©Ursula Kaufmann

Neben den modernen Therapieformen und der optimalen Ausstattung mit Bewegungsbad und Leistungsdiagnostik schätzt Otrin vor allem den direkten Draht zwischen behandelndem Arzt, Therapeut und Tänzer. Aber auch der enge Kontakt der Mediziner mit der Company ist wichtig. „Die Tänzer wünschen sich, dass wir Rücksprache mit den Company-Managern und Theater-Direktoren über ihren Leistungsstand halten“, sagt Exner-Grave. Vor allem in der Phase der Wiedereingliederung in die Company ist das wichtig. Welche Rolle die Manager einem Tänzer wieder zuschreiben können, hängt schließlich auch von ihrem Gesundheits- und Fitnesszustand ab.
Die Orthopädin will weitere Verbesserungen in der medizinischen Versorgung von Tänzern anschieben. Vor allem eine Verkürzung der Zeit zwischen Eintritt des Traumas und erster Behandlung ist für sie entscheidend. „Noch dauert es meistens zu lange, bis geklärt ist, ob tatsächlich ein Arbeitsunfall vorliegt“, sagt sie. Manchmal vergehen mehr als vier Wochen, bis die Sachlage und damit auch die Finanzierung der Behandlung klar sind. Ein Zeitraum, der den Tänzer einen Großteil seiner Fitness kostet. Mal ganz abgesehen von der nervlichen Belastung. Schließlich sind Gesundheit und Fitness wesentliche Voraussetzungen für ein Engagement in einer Company.
Über das Netzwerk Tanzmedizin (tamed), dessen Gründungsmitglied Exner-Grave ebenfalls ist, will sie weitere Aufklärungsarbeit leisten. Zugleich will das Netzwerk Tänzer und Company-Manager über den Bereich Gesundheit und Prävention im Tanz informieren und eine Datenbank mit auf Tanz spezialisierten Medizinern anlegen. Daneben steht Exner-Grave mit den Kompetenzzentren in den USA in Verbindung, besucht Kongresse und Fortbildungen und ist an Ballettschulen bei Aufnahmeprüfungen als beratende Medizinerin dabei.

Exner-Grave freut sich über Behandlungserfolge

Die eigene Körpermitte und -linie erspüren und ausrichten – wichtige Aspekte für einen Tänzer wie Bogdan Nicula
©Ursula Kaufmann

Dass sich die 48-Jährige so sehr für die Tanzmedizin interessiert und einsetzt, ist kein Zufall. Wer sich in ihrem Büro umsieht, entdeckt schnell, dass sie „Ballettomane“ ist, wie sie selbst sagt. An den Wänden hängen viele Bilder von Aufführungen und Tanz-Companys. Dazwischen immer wieder Dankeskarten von Tänzern, denen sie bereits geholfen hat. In einem Regal liegen rosafarbene Ballettschuhe. „Ich habe selbst lange getanzt“, erklärt sie. Als Jugendliche besuchte Exner-Grave das Tanzgymnasium in Essen-Werden und war an der Folkwang-Schule für Tanz. Dass sie sich dennoch für ein Studium der Medizin entschieden hat, habe sie ihrer Biologie-Lehrerin zu verdanken, erzählt sie. Dennoch hat sie die Begeisterung für den Tanz nie los gelassen. Auch die Enttäuschung in den Gesichtern der Tänzer-Kollegen, die durch eine Verletzung auf eine Premiere verzichten mussten, hat sie nie vergessen. Um so mehr freut sie sich heute über Behandlungserfolge. Etwa der Tänzerin, die von einem Auto angefahren und einen offen Bruch des Unterschenkels erlitten hatte. Zweieinhalb Jahre quälte sie sich durch die Behandlung, weil es kaum eine Komplikation im Heilungsverlauf gab, die sie nicht heimsuchte. „Im Januar haben wir die Reha abgeschlossen. Jetzt kann sie wieder in Tanzprojekten arbeiten und auch selbst Unterricht geben“, sagt Exner-Grave. Ein gutes Gefühl.

 

Jürgen Bröker

 

www.broeker-text.de

 




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