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Jogging-Point

Rekord und Tod

Vor 76 Jahren verunglückte der Rennfahrer Bernd Rosemeyer tödlich

Rennfahrer Bernd Rosemeyer

Bernd Rosemeyer

Selten lagen Triumph und Tragödie im Rennsport näher beieinander als an diesem 28. Januar 1938. Denn noch am selben Tag erschüttert eine Katastrophe den deutschen Automobil-Rennsport: Bernd Rosemeyer, nicht nur für die Jungen Star und Idol der Motorszene, sondern auch Vorzeigeheld des NS-Regimes, stirbt mit 29 Jahren beim Versuch, für die Auto Union den Geschwindigkeitsrekord von 432,7 Km/h zu brechen, den kurz zuvor mit einem Mercedes-Benz-W125-Wagen (736 PS) sein Kollege und Konkurrent Rudolf Caracciola aufgestellt hat. Als sicher gilt, dass Caracciola den acht Jahre jüngeren Rosemeyer vor dieser Fahrt noch gewarnt hatte. Er würde – so Caracciola – heute nicht mehr fahren, weil er auf der gesperrten Autobahnstrecke Frankfurt – Darmstadt an einer Waldschneise bei Waldorf-Mörfelden gefährliche Seitenwinde gespürt habe.

Von der NSU zur Auto-Union

Der am 14. Oktober 1909 in Lingen (Emsland) geborene Rosemeyer war ab 1930 Motorrad-Rennen auf NSU und DKW gefahren. 1935 kam er zur Auto-Union-Rennabteilung und gab sein Debüt am 26. Mai beim AVUS-Rennen in Berlin. Schon im ersten Jahr gewann er nach mehreren Podestplätzen den Großen Preis der Tschechoslowakei in Brünn. 1936 sollte dann das Jahr des Bernd Rosemeyer in der legendären Silberpfeil-Ära werden.

Rosemeyer und die Silberpfeile

Rosemeyer 1937 in Donington Park

Rosemeyer bei seinem siegreichen Rennen 1937 in Donington Park

Auf dem Auto-Union Typ C 16-Zylinder Rennwagen gewann er alle nur möglichen Titel: Europameister, Deutscher Straßenmeister und Deutscher Bergmeister. Im gleichen Jahr heiratete er die damals schon berühmte Fliegerin Elly Beinhorn (1907-2007). Sein Sieg beim Vanderbilt Cup in New York im Juli 1937 und beim ersten englischen Grand Prix in Donington im Oktober des gleichen Jahres machten ihn schließlich weltberühmt.

Weltrekorde mit Auto-Union

Im Oktober 1937 erzielte Bernd Rosemeyer bei Rekordfahrten auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt mehrere Weltrekorde. Er überschritt damals als erster Mensch die 400 Stundenkilometer-Grenze auf einer öffentlichen Straße. Für die Rekordfahrten im Januar 1938 brachte die Auto-Union einen überarbeiteten Stromlinien-Rekordwagen mit 16-Zylinder-Motor (6,5 Liter, 545 PS) an den Start. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit lag bei 456 km/h.

Das tragische Ende eines glanzvollen Tages

Bei einem ersten Versuch fuhr Rosemeyer 429 km/h schnell. Anschließend wollte Auto-Union die Aktion abbrechen, aber Rosemeyer setzte gegen den Willen der Verantwortlichen einen weiteren Versuch durch. Bei Kilometer 9,2 auf der heutigen A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt, in Höhe des Nauheimer Oberwalds, wurde Rosemeyers Auto um 11:47 Uhr bei einer Geschwindigkeit von knapp 440 km/h von einer Windböe erfasst. Der Wagen geriet von der Fahrbahn und überschlug sich mehrfach. Die Auto-Union, die in Audi aufging, beteiligte sich danach nie wieder an Rekordfahrten. Der von Rudolf Caracciola am Morgen des Unglückstages aufgestellte Geschwindigkeitesrekord hat übrigens bis heute Bestand.

Gisbert Kuhn


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