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Im Blütenreich Ammerland

Erkenntnisse nach einer unerwarteten Begegnung

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Im Landschaftspark von Schloss Lütetsburg ©walterschmitz

Meistens trifft man Menschen, ohne ihnen wirklich zu begegnen. Unterwegs auf Reisen, allerdings, „begegnet“ man häufig Personen, die einem fremd sind, denen man sich jedoch im Gespräch annähert und deren Geschichte nachhaltig beeindruckt.

Lust auf Parklandschaft

Im Frühling besuchten wir das  Ammerland – jenes wunderbare Gebiet im Nordwesten von Niedersachsen mit dem Zwischenahner Meer im Zentrum. Wir hatten Lust auf Parklandschaft, Gartenbau und vor allem auf die Rhododendron-Blüte. Trotz Dauerregens war der Farbenrausch der Azaleen und Rhododendren überwältigend. Im uralten Kiefernwald des berühmten Züchters Bruns in Gristede am Zwischenahner Meer versanken wir geradezu im farbigen Blütenmeer der teilweise über zehn Meter hohen Sträucher: Rot, Gelb, Violett, Orange, Weiß ergoss sich über das sattgrün glänzende Blätterkleid.

Nach diesem Genuss einer opulenten, über Jahrzehnte professionell geschaffenen Gartenkultur wollten wir aber bewusst wieder auf den Boden der Normalität  zurück – und wanderten am Ufer des Zwischenahner Meeres entlang. Und entdeckten unvermutet …

…ein verborgenes Paradies

Ein ausladendes, phantasievoll geschwungenes Reetdach, dessen Umriss durch das Laub der hohen Bäume schimmerte, weckte unsere Aufmerksamkeit. Zwei Männer werkelten im Unterholz, in das der Zaun um das Anwesen eingewachsen war; ein kleiner Hund mit erkennbar bunter Ahnenreihe sprang uns kläffend an. Der ältere der beiden Gärtner freute sich über unser Interesse und lud uns ein, seinen Garten zu besuchen. Durch eine verborgene Tür betraten wir mit ihm das Areal und standen nach nur wenigen Schritten auf einer großen Lichtung mitten im Wald. Im Zentrum ruhte das geräumige Haus in einer großzügigen Gartenlandschaft. Haus, Stauden Büsche, Sträucher und Bäume, ein mäandrierender Bach mit Teich – alles in schwungvoller Harmonie in den umgebenden Laubwald eingebettet. Kurz, wir waren in ein verborgenes Paradies gelangt; Natur und Gartenkultur gingen zwanglos fließend ineinander über.

Vom Sinn des Lebens

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Rhododendren in Gristede (b. Bad Zwischenahn/Ammerland) ©walterschmitz

Mit leichter Hand und viel Sachverstand dirigiert der Schöpfer des Ganzen – unser vermeintlicher Gärtner – seit nun schon beinahe zwei Jahrzehnten seine Mitarbeiter in den Anlagen und legt selbst kräftig Hand an. Der über 80-Jährige ist in Wirklichkeit nie Gärtner gewesen; er war ein erfolgreicher Unternehmer. Da er und seine Frau kinderlos geblieben sind, verkaufte er den Betrieb, der sein Lebenswerk war. Mit seinem Vermögen errichtete er eine Stiftung mit dem Ziel, Kindern aus finanziell beengten Verhältnissen eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

Für sich und seine Frau wählte er dieses Grundstück, das durch die Kultivierung natürlich gewaltig an Wert gewann, zum Wohnsitz; auch dieser Besitz wird später an die Stftung fallen. Täglich arbeitet er in seiner Gartenoase. Das hat ihm und der Landschaft gut getan; der Mann ist gesund, elastisch, hellwach, im Einklang mit der Natur und freut sich, dass seine Stiftung schon jetzt im Sinne ihrer Zweckbindung Früchte trägt.

Ein Schlüsselerlebnis

Für uns war diese unverhoffte Begegnung ein Schlüsselerlebnis. Nach einem erfüllten Berufsleben  kann die Pflege der Natur in einem Garten zusätzlich zu einer sinnvollen Lebensgestaltung beitragen. Diese Tätigkeit stärkt die Kreativität, fördert die Bescheidenheit beim unumgänglichen „Lesen“ der Naturgesetze und steigert die Achtung vor der Schöpfung. Seit dieser Zeit sehe ich meine paar hundert Quadratmeter Garten mit anderen Augen und handle danach.

Walter Schmitz, Bonn




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