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Zwischen Bauch und Impotenz

Einfach durch die Tür gehen

ERnährung

Katharina von Gadow berät zu gesunder Ernährung.

Das Einladungs-Faltblatt zur Männergesundheit hatte mich aufgerufen herauszufinden, was mir gut tut. Ich wurde neugierig. Das Platzangebot in einem Vortragsraum im Bonner Marienhospital war gut genutzt. Tatsächlich überwiegend Männer. Dazu einige Frauen, die sicherlich für einen solchen Besuch wichtige Motivatorinnen waren.

Und in dieser Runde mussten die Männer zur Kenntnis nehmen, dass 80 Prozent ihrer Geschlechtsgenossen nicht zur Vorsorge gehen. Es hagelte weiter unangenehme Fakten: Männer sind doppelt so häufig von Diabetes betroffen wie Frauen, sie bekommen fünfmal häufiger einen Herzinfarkt und begehen dreimal mehr Selbstmord.

Im Alter verschärfen sich die Symptome teilweise nach dem Motto: Mehr Bauch, weniger Hormone. Und weil die Gründe für Erkrankungen in komplexen Zusammenhängen liegen, referierten außerdem ein Kardiologe (Dr. Oliver Schiffmann), ein Gastroenterologe (Dr. Stephan Nordhoff) und eine Ernährungsberaterin (Katharina von Gadow) über Gesundheitsprävention und Möglichkeiten zur Behandlung von Krankheiten.

Vernünftiger Lifestyle – Balance zwischen Ernährung und Bewegung

Immer wieder betonten die vier Fachleute, wie wichtig ein vernünftiger Lifestyle ist, der die Balance zwischen einer ausgewogenen Ernährung und angemessener Bewegung beherzigt.

Und eins wurde durch alle Fachrichtungen hindurch deutlich: Idealerweise fängt man mit dem bewussten Leben früh an. Spätestens ab dem 50. Lebensjahr kommen dann in unterschiedlicher Form die Quittungen. Irgendwie ist es wohl unser Fluch, dass wir in so einer Art Schlaraffenland leben. Denn inzwischen sind schon 75 Prozent der Männer übergewichtig; bei den Frauen sind es 50 Prozent. So setzte die Ernährungsberaterin Katharina von Gadow den Schlusspunkt mit dem passenden Spruch: „Gesundheit gibt es nicht im Handel, sondern im Lebenswandel.“

Meine Neugier verdichtete sich nach dieser eindrücklichen Veranstaltung auf die Erfahrungen von Frau Dr. Sigrid Tapken. Ja, ich gehe regelmäßig zum Kardiologen und Gastroenterologen. Einen Urologen hatte ich bisher in meinem Vorsorgekatalog ausgelassen. Ich treffe Dr. Tapken in ihrer Praxis im Bonner Süden. In ihrer Mittagspause nimmt sie sich erneut Zeit für Fragen eines Mannes.

Der Patient muss wissen, was er tut

rantlos: Männergesundheit findet in Medien wenig Resonanz. Ist das in Ihrer Praxis auch so?

Tapken: Wir behandeln hier Männer, Frauen und Kinder. Bis aber ein Mann beispielsweise eine Ernährungsberatung in Angriff nimmt, weil er Übergewicht oder überschüssiges Bauchfett hat, braucht er deutlich länger und ist erheblich zurückhaltender in der Umsetzung als eine Frau. Sie handelt in diesen Dingen viel schneller. Bei ihr herrscht das Selbstverständnis, dass man jedes Jahr mindestens zum Frauenarzt geht. Das kennen die Männer so nicht.

rantlos: Worunter leider Männer hauptsächlich?

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Urologin Dr. Sigrid Tapken:
“Männer sind anders in der Art und Weise, wie sie Stress verarbeiten.”

Tapken: Es geht vornehmlich um Stress, um Fetthaushalt, um Herzerkrankungen oder Früherkennung. Hierfür wollen wir sensibilisieren. Wir wollen gut informieren, damit der Patient weiß, wie er sicher durch sein Leben gehen kann. Der eine sagt dann: Ich gehe sofort zum Arzt. Der andere: Wozu denn? Er muss wissen, was er tut. Das ist wichtig.

rantlos: Das hat doch nichts mehr direkt mit Urologie zu tun – oder?

Tapken: Doch, sehr! Wir fördern den Ansatz, dass Krankheitssymptome des Patienten in ihrer Komplexität immer auch mit Ärzten anderer Fachrichtungen besprochen und behandelt werden. Wir praktizieren dies in der Praxis so schon zehn Jahre, also solange ich hier niedergelassen bin. Und die Männer, die sehr lange bei uns sind, wollen immer gut informiert sein. Sie kommen auch nur mal fragen, ob etwas für sie relevant ist. Es geht auch häufig darum, was momentan der Stand der Wissenschaft ist. Wir beobachten, dass sich die Patienten vermehrt und teilweise sehr intensiv über das Internet informieren. Die Beratung durch den Arzt ist gute Grundlage für eine solide Entscheidung des Patienten über seine Gesundheit. Die Beratung ist das A und O einer guten Patientenversorgung.

Früherkennung von angeborenen Fehlbildungen wichtig

rantlos: Kommen Männer eher zögerlich zu Ihnen?

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“Die Männer wollen immer gut informiert sein.”

Tapken: Das ist sicherlich ein Stück so. Deshalb ist die Jugendsprechstunde mit Grund-Untersuchungen so wichtig. Das schafft die Möglichkeit der Früherkennung beispielsweise von angeborenen Fehlbildungen wie Hoden- oder Penis-Auffälligkeiten. Die muss man möglichst frühzeitig besprechen, wenn sie Relevanz haben. Hierbei bietet sich die Chance darauf hinzuweisen, worauf ein Jugendlicher achten sollte. Dazu gehört natürlich auch das Thema Partnerschaft. Bei Gynäkologen wird diese partnerschaftliche Sprechstunde regelmäßig  angeboten. In der Urologie nimmt das auch in erfreulicher Weise zu. Ideal ist auch hier wieder ein Netzwerk aus Sexualpädagogen und Fachärzten, die wir den jungen Erwachsenen zur Verfügung stellen.

rantlos: Mehrbelastung für Männer. Wird das mehrheitlich in der öffentlichen Diskussion unterschlagen?

Tapken: Genau! Der Mann – und das ist ja durchaus ein Fortschritt – darf ein paar Wochen oder sogar Monate das Kind versorgen. Oft hält sich das ja bekanntlich in Grenzen. Karriere und Arbeitsplatzsicherheit sind nur zwei Argumente für eher kurze Erziehungszeiten. Er soll, wie so oft, funktionieren: auf der Arbeit, in der Partnerschaft, als Vater und Hausmann, da ist eine gute Arbeitsteilung mit Blick auf die finanzielle Lage unentbehrlich.

Männer kommunizieren anders

rantlos: Ist das der einzige Grund?

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“Burn out: Der Mann muss erst einmal akzeptieren, dass er da einen Schwachpunkt hat.”

Tapken: Nein! Diese Doppelbelastung kennen ja auch die Frauen. Dazu kommt: Männer sind einfach anders in der Art und Weise, wie sie Stress umsetzen oder diesen verarbeiten. Sie unterscheiden sich von Frauen auch deutlich dadurch, wie sie kommunizieren oder eben nicht kommunizieren. Dadurch erwachsen ungewollt unterschiedliche zusätzliche Stressbelastungen.

rantlos: Können Sie das konkreter beschreiben?

Tapken: Nehmen wir zum Beispiel das Burn out. Ich nenne das lieber Überbelastung. Die haben eben auch Männer. Aber der Mann muss erst einmal akzeptieren, dass er da einen Schwachpunkt hat. Das aber reicht nicht. Er muss es auch ändern. Denn noch einmal: Der Fettstoffwechsel, die Herzkrankheit, das Hormonsystem, das hat alles miteinander zu tun. Und da sind wir auch schnell bei der erektilen Dysfunktion, bei Funktionsstörungen im Sexualleben. Ein sehr komplexes System. Das gehört in seiner gesamten Wirkungsbreite offen angesprochen.

Erst Gespräch, dann urologische Untersuchung

rantlos: Wie läuft eine Untersuchung bei Ihnen ab, wenn ein Mann so im Alter um die 50 Jahre zu Ihnen kommt?

Tapken: In der Urologie ist der Patient mit 50 für uns noch jung. Erst bei 70 fängt aus unserer Sicht das Alter so langsam an. Dazu kommt der Patient ja immer auch mit einer Geschichte. In den meisten Fällen, wenn ein Patient erstmals zur Vorsorge kommt, gibt es zunächst ein erstes Gespräch. Das dauert ungefähr eine halbe Stunde. Manchmal sind es aber auch Themen, die einfach länger dauern. Wenn wir das einplanen können, machen wir direkt weiter oder vereinbaren einen zweiten Termin. Danach wird mit dem nun informierten Patienten besprochen, was wir tun und was wir nicht tun. Erst dann folgt die ganz normale urologische Untersuchung.

rantlos: Beziehen sie andere Fachärzte mit ein?

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Eine Ultraschall-Aufnahme der Niere gehört zur urologischen Vorsorge-Untersuchung.

Tapken: Bei unseren Untersuchungen und Gesprächen arbeiten wir immer eng mit dem Hausarzt zusammen. Es wird auch die Frage erörtert, ob der Patient einen Facharzt braucht, um bestimmte Dinge abzuklären. Da gibt es den Kardiologen, den Gastroenterologen, den Psychoonkologen oder auch den Radiologen und Nuklearmediziner. Es ist immer wichtig, dem Patienten in der Praxis ein Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Er muss wissen: Warum mache ich was und wo gehe ich damit hin?

Schamgrenzen können überwunden werden

rantlos: Vermutlich gibt es bei Männern eine höhere Schamgrenze für urologische Untersuchungen. Wie überwinden Sie diese Barriere?

Tapken: Die Untersuchung läuft einfach im Gespräch ab. Da gibt es meistens keine Probleme. Der entscheidende erste Schritt ist, einfach durch die Tür zu gehen. Manche Patienten suchen sich bewusst eine Urologin aus. Zum Beispiel haben sich Hodenkrebs-Patienten deshalb eine Urologin gewählt, weil sie eher das Gefühl haben, eine verständnisvolle Gesprächspartnerin zu haben. Also die Chemie muss stimmen – ein Vertrauensverhältnis eben. Dann lässt man auch problemlos die Untersuchungen machen. Stück für Stück kommen dann mit der Zeit auch teilweise schwierige Themen zur Sprache. Also Sexual-Themen oder auch Hinweise, dass der Patient Urin verliert oder Probleme hat, den Stuhlgang zu halten. Wir sprechen solche Dinge auch von uns aus bewusst an. Das machen wir aber auf eine Art und Weise so, dass der Patient nicht Schlag auf Schlag antworten muss.

rantlos: Sind Sie als Urologin eine Minderheit im Fach?

Tapken: Ich war zu meiner Zeit, also vor 25 Jahren, eine der ersten Urologinnen. Urologie ist ein operatives Fachgebiet und dies waren vornehmlich mit Männern besetzt. Mein erster Chefarzt war sehr irritiert: „Na, Frau Dr. Tapken, das hatten wir aber noch nicht, eine Frau in der Urologie. Wollen Sie sich das nicht noch einmal überlegen?“ Schon beim Praktischen Jahr merkte ich es dann ganz deutlich: Keine Frauen um mich herum, nur Männer. Dennoch blieb ich bei meiner Entscheidung und heute sage ich: Es war die richtige Entscheidung.

Keine Angst vor ungewollter Erektion

Durch die Kindererziehung musste ich jedoch trotz gutem sozialen Netzwerk die operativen Aktivitäten schweren Herzens einstellen und habe dann leider ohne Kassenzulassung das Fach Urologie in der Niederlassung gestaltet. Ich unterrichte als Gastdozentin in der Uni Bonn. 70 bis 80 Prozent der Studenten sind dort Frauen. Somit wird es bestimmt bald auch mehr Frauen in der Urologie geben. Das ist ähnlich wie bei den Gynäkologen: Es waren auch in diesem Fachgebiet erst nur Männer und dann zunehmend Frauen. Das Ideale ist – so denke ich – die ausgewogene Mischung.

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“Man spricht die Dinge am besten immer offen an.”

rantlos: Männer machen sich vielleicht mehr als Frauen darüber Gedanken, was ihnen alles bei der Untersuchung unangenehm sein könnte. Zum Beispiel eine ungewollte Erektion.

Tapken: Auch das kommt vor und wird je nach Bedarf mit dem Patienten erörtert. Es könnte sein, dass der Patient da Schwierigkeiten hat. Dann spricht man das am besten offen an. Das mit der Erektion ist eine Reaktion, die durch die Untersuchung ausgelöst werden kann.

rantlos: Patienten fühlen sich manchmal schlecht informiert und lösen das über das Internet. Erleichtert das die Gespräche mit Patienten?

Tapken: Meist führen die Internetquellen eher zu Verwirrungen. Wir sprechen eine unangenehme oder sogar bösartige Erkrankung sehr offen an und versuchen über klare Informationen und Broschüren die Betroffenen aufzuklären. Immer gehäufter führen wir Zweitmeinungsgespräche mit Patienten, die alle Befunde mitbringen und dann für Ihre persönliche Entscheidung eine weitere Meinung bei uns einholen. Danach können weitere offene Fragen geklärt werden. Auf jeden Fall schenken wir immer klaren Wein ein.

Chancen der Früherkennung von Tumoren

rantlos: Ein Beispiel?

Tapken: Ich muss nach einer Untersuchung einem jungen Mann sagen, dass er einen Nieren-Tumor hat. Er ist natürlich völlig unvorbereitet. Man muss ihm aber auch sofort vermitteln, dass dieser Tumor gut zu behandeln ist. Weiterhin darf er eigentlich froh sein, dass wir das erkannt haben und damit Schlimmeres vermeiden möchten. Und wir müssen jetzt in Kontakt bleiben.

So ist es zum Beispiel auch beim Hoden-Tumor. Das ist heutzutage eine Erkrankung, die man im frühen Stadium gut behandeln und heilen kann. Deshalb sollte der Mann ab 30 einmal im Jahr eine Früherkennungsuntersuchung machen lassen. Das gilt ganz besonders, wenn Vorerkrankungen, wie Hodenhochstand im Kindesalter bestanden und damit ein erhöhtes Risiko vorliegt.

Erkrankung auf einen guten Weg bringen

rantlos: Können Sie die Erfolge durch Vorsorge genauer beziffern?

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“Viele Krankheiten haben immer etwas mit dem Stoffwechsel zu tun.”

Tapken: Ich möchte keine statistischen Daten nennen, die den Einzelfall und die einzelne Erkrankung im jeweiligen Stadium nicht sichern kann. Im Fall der Früherkennung kann und muss man dem Patienten mit auf den Weg geben: Du hattest etwas Unangenehmes. Aber wir hatten einen Weg, das gut zu behandeln. Oder aber auch zu sagen: Hier ist ein weit fortgeschrittener Zustand. Kann sein, dass wir uns nach dem ersten Schritt öfter sehen müssen. Das hängt davon ab, wie die Histologie und die Nachuntersuchungen ausgehen. Dann müssen wir sehen, wie wir zusammen mit dem Patienten die Erkrankung auf einen guten Weg bringen.

rantlos: Unter Vorsorge versteht der Patient wohl immer ärztliche Untersuchung. Kann man auch selbst etwas tun?

Tapken: Richtig, man kann! Gesunde Ernährung zum Beispiel ist dabei ganz wichtig. Deshalb haben wir hier in der Praxis auch eine Ernährungsberaterin. Denn viele Krankheiten haben immer etwas mit dem Stoffwechsel zu tun. Diesen sollte man nicht ständig überbelasten. Fettstoffwechsel – Hormonsystem – Stress – Immunsystem agieren miteinander und stehen im engen Zusammenhang.

Ohne Hast drei Mahlzeiten – ideal

rantlos: Was ist ihr Rat?

Tapken: Wir haben hier kein Interesse daran, einseitige Ernährung anzubieten. Oder mit Pulver zu versuchen, die Patienten leichter in eine Richtung hinein zu manövrieren. Besser sind auch in diesem Zusammenhang gute Informationen. Und auch zur Ernährung gehört Zeit. Man sollte eben nicht in Hast schnell etwas essen, sondern sich Zeit nehmen. Dabei ist es nicht ganz so relevant, ob man nun abends warm isst oder mittags. Inzwischen wissen wir auch, dass es nicht ganz so optimal ist, nur viele kleine Portionen zu sich zu nehmen. Angesagt sind durchaus wieder drei Mahlzeiten am Tag.

rantlos: …und zwischendurch ins Fitness-Center?

Tapken: Ganz wichtig ist Bewegung, das stimmt! Das fängt mit dem Spazieren an, also draußen an frischer Luft. Man muss sich also nicht unbedingt im Fitness-Center auspowern. Das Wechselspiel zwischen Kälte und Wärme hilft mächtig bei der Gesunderhaltung mit – willkommen in der chinesischen Medizin, die wir hier in der Praxis praktizieren. Wir fassen so etwas heute unter Lifestyle Beratung zusammen. Es geht darum, etwas zu finden, was mit Spaß umgesetzt werden kann. Dies wird dann nach allgemeiner Erfahrung auch lange praktiziert. Weniger nachhaltig sind beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel. Hierbei weiß der Patient häufig auch nicht, was er damit eventuell Schlechtes tut.

Auch der Spaziergang ums Haus kann reichen

rantlos: Also gibt es keine Empfehlungen für bestimmte Sportarten?

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“Wichtig ist Bewegung. Aber der Patient muss sich in seiner Haut wohl fühlen.”

Tapken: Nein. Beim Sport muss jeder für sich entscheiden, was für ihn das Richtige ist. Der eine geht nur spazieren, der nächste geht joggen und der andere will lieber Nordic Walking machen. Oder er parkt sein Auto weiter weg und läuft zu Fuß irgendwohin. Oder man fährt einfach häufiger mit dem Fahrrad. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Entscheidend ist: Der Patient muss sich in seiner Haut wohl fühlen. Wenn nicht, muss man einfach darüber sprechen.

Mir ist es ganz wichtig nochmals zu betonen, dass man sich für all diese Dinge Zeit nehmen muss. Das gilt auch für Berufstätige. Wenn man abends nach Hause kommt, dann reicht vielleicht auch einfach der Spaziergang um das Haus herum. Man muss den Schritt nur machen. Das ist immer schwer. Das weiß ich.

Urologische Erkrankungen lauern oft im Verborgenen

rantlos: Was raten Sie abschließend insbesondere Männern?

Tapken: Trauen Sie sich. Lassen Sie eine urologische Früherkennungsuntersuchung machen. Das ist auch deshalb besonders sinnvoll, weil ein Großteil der urologischen Erkrankungen nicht unbedingt mit Schmerzen einhergehen. Sie lauern sozusagen im Verborgenen. Wenn sie aber früh erkannt werden, lassen sie sich gut behandeln.

Eine Arzthelferin erinnert Dr. Tapken daran, dass es gleich wieder weiter geht. Lockere Verabschiedung („Das war mal ganz was anderes“) durch die Urologin und scherzhafter Hinweis an der Praxis-Rezeption, ob ich nicht auch mal als Patient kommen wolle. Ich lasse ein „werd´ich mir überlegen“ fallen und laufe schon mal die Treppe runter, anstatt den Aufzug zu benutzen. Man muss ja einfach mal anfangen, habe ich im Gespräch gelernt. Tage später lasse ich mir einen Untersuchungstermin geben.

Das Gespräch führte Dieter Buchholtz

 

Das erwartet Sie bei der urologischen Untersuchung:

Gespräch mit Arzt (30 bis 45 Minuten)

Freigabe einer Checkliste durch Arzt für das Personal 

  • Basisparameter-Aufnahme, ggf. Blutdruck, Puls, Körpergewicht
  • Urin und Blutuntersuchung, optional Sperma
  • Körperliche Untersuchung mit Harntrakt und äußere Geschlechtsteile von Mann oder Frau (erfolgt durch den Arzt)
  • Sonographie des Harntraktes und der Beckenorgane (Prostata, Blase, Beckenboden)
    • Optional: Blasenspiegelung (flexibel oder starr), Prostatabiopsie (erfolgt durch den Arzt)

Besprechung zum Verlauf der Beschwerdebilder mit begleitenden Fragebögen.

 

Info

Kliesch

Prof. Dr. Sabine Kliesch

Rund ein Viertel aller Krebserkrankungen sind urologische Tumore. Mit der allgemein steigenden Lebenserwartung „wächst auch die Zahl altersbedingter Erkrankungen, denen wir aber heute in vielen Fällen vorbauen können. Unser Lebensstil hat auch Folgen für Blase, Niere und Prostata, für die Fruchtbarkeit und die Potenz“ (Prof. Dr. Sabine Kliesch, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.).

Die folgenden Informationen zu unterschiedlichen urologischen Erkrankungen sind ausschnittsweise der Broschüre “Bleiben Sie gesund – Ratgeber zur Prävention urologischer Erkrankungen“ (Initiative Deutscher Urologen) entnommen.

Harnblase

Mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Blasenschwäche (Harninkontinenz). Heute können 80 Prozent der Patienten von diesem Leiden befreit werden.

Mit 28.000 Neuerkrankungen ist der Blasenkrebs der zweithäufigste urologische Tumor. Mehrheitlich erkranken Männer an dieser Krebsart. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt deutlich über 70 Jahre.

Niere

Mit zunehmendem Alter leiden mehr Männer als Frauen unter Nierenerkrankungen, weil u.a. beim Mann die vergrößerte Prostata den Harnfluss behindert.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 9.000 Männer und 5.500 Frauen an Nierenkrebs. Die Gefahr zur Erkrankung steigt ab dem 50. Lebensjahr.

Prostata

Etwa die Hälfte aller Männer ist im Laufe ihres Lebens einmal von einer Prostataentzündung betroffen. Etwa ab dem 40. Lebensjahr führen altersbedingte Veränderungen im männlichen Hormonhaushalt zu einem langsamen Wachstum der Prostata. Ab dem 50. Lebensjahr ist jeder zweite Mann in Folge von Problemen wie verzögertes Wasserlassen usw. betroffen

Mit rund 63.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das Prostatakarzinom in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Früh erkannt, ist dieser Tumor in bis zu 90 Prozent der Fälle heilbar.

Hoden

Mit jährlich rund 4.000 Neuerkrankungen ist Hodenkrebs der häufigste bösartige Tumor jüngerer Männer zwischen 25 und 45 Jahren.

Penis

Die Phimose (Vorhautverengung) ist die häufigste Erkrankung des Penis. Das Peniskarzinom ist mit rund 6.000 Neuerkrankungen pro Jahr eine eher seltene Erkrankung in Deutschland.

Harnsteinleiden

Die Zahl der Harnsteinerkrankungen hat sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre verdreifacht. Etwa 1,2 Millionen Patienten werden jährlich wegen Harnsteinen behandelt. Männer erkranken deutlich häufiger als Frauen.

Erektile Dysfunktion

Wenn das männliche Glied während einem halbem Jahr in Zweidritteln der Fälle nicht versteift, spricht man von einer erektilen Dysfunktion. Davon sind in Deutschland etwa fünf Millionen Männer betroffen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. In 70 Prozent der Fälle sind es organische Ursachen.

 

Links

Zu rantlos-Beitrag „Tabu sucht Worte“

Zu rantlos-Beitrag „Frühwarner Penis“

Zur Homepage von Dr. Tapken

www.urologenportal.de

www.kontinenz-gesellschaft.de

www.stiftung-maennergesundheit.de

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    Tags: tapken, für, rantlos, patienten, haben, wichtig, immer, dann, mann, ganz




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