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Tasten oder screenen

Schwierige Suche nach Früherkennung

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Prof. Dr. med. Juergen Windeler

Tastuntersuchungen sind fragwürdig. Das meint Jürgen Windeler. Der Mediziner ist Leiter des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aus seiner Sicht sind Untersuchungen nach Prostatakrebs, der regelmäßige allgemeine Check-up und das Hautkrebs-Screening nach wissenschaftlichen Kriterien wohl nicht immer angemessen. Der Arzt und Professor für Medizinische Biometrie und Klinische Epidemiologie weist darauf hin, dass diese Vorgehensweise auch immer mit handfesten ökonomischen Interessen der Ärzte verbunden seien. Darüber hinaus komme es – so Windeler und andere Kritiker – bei den Tests auch zu Fehldiagnosen oder unnötigen Operationen..

Dagegen bedauert die Pressesprecherin des DGU (Gesellschaft für Urologie e.V.), Prof. Dr. Sabine Kliesch, dass die Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen immer wieder pauschal infrage gestellt werden. Jedoch ist man sich seitens der Urologen einig mit Windeler, dass die Tastuntersuchung der Prostata aus wissenschaftlicher Sicht keine ausreichende Früherkennung darstellt. Mehr Aussagekraft im Sinne einer Prostatakresbgefahr hat dagegen wohl der PSA-Test (PSA = Prostataspezifisches Antigen). In den USA hat diese Methode zu einer Abnahme der Prostatakarzinom-Sterblichkeit um 35 und in Deutschland um 20 Prozent geführt.

Vermeiden aggressiver Nachtherapien

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Dr. med. Christian Albring

Seit 2005 wird in Deutschland jeder Frau über 50 Jahren angeboten, an der Röntgen-Reihenuntersuchung der Brust in einer radiologischen Praxis vor Ort teilzunehmen. Jede Zweite dieser Eingeladenen nimmt das Angebot an. Hierzu hat die internationale Cochran Review festgestellt, dass innerhalb von zehn Jahren nur eine von 2000 gescreenten Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren durch die Maßnahme einen Brustkrebs überlebt hat.

Dennoch empfiehlt Christian Albring, Gynäkologe und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), das Screening: „Ich erlebe in der Praxis, dass durch Früherkennung schonender behandelt sowie aggressive Nachtherapien und ungünstige Entwicklungen vermieden werden können.“ Eine Langzeitstudie der Universität Uppsala in Schweden, an der 133 000 Frauen teilnahmen, bestätigt den Nutzen dieser Reihenuntersuchungen. Die Brustkrebssterberate wurde um 30 Prozent gesenkt. Eine Senkungsrate von sogar 65 Prozent konnte eine Studie aus Holland nachweisen.

 Unter- und Überschätzung der Untersuchungen

Zum mammografischen Screening stellt der DÄB (Deutsche Ärztinnenbund) fest, „dass die internationale Diskussion um das dadurch erreichbare Ausmaß der Sterblichkeitsminderung keineswegs abgeschlossen ist, sondern dass vielmehr der Wert des mammografischen Screenings bisher möglicherweise überschätzt und der von Tastuntersuchungen, insbesondere der gründlichen professionellen Abtastung, möglicherweise unterschätzt worden ist.“

Press Pictures: Copyright

Eine 3D-Brustuntersuchung mit dem Siemens Ultraschall ACUSON S2000 ABVS
©Siemens

Universitäts-Professor Dr. Horst Noack, emeritierter Vorstand des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität Graz: „Das alles sollten die Frauen wissen, bevor sie an einem Mammografie-Screening teilnehmen. Es ist derzeit unverantwortlich, einer Patientin die Mammografie auszureden oder gar vorzuenthalten. Aber es ist ebenso unverantwortlich, eine an sich gesunde Patientin dazu zu drängen.“

Aus Sicht der Koalition von CDU/CSU und SPD sollen Vorsorgeuntersuchungen bei Erwachsenen vermehrt unterstützt werden. So ist es im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Schlussendlich müssen sich offensichtlich Patientinnen und Patienten selber ein Bild davon machen, wie die Fachwelt aktuell zu Screening und Tastuntersuchungen „tickt“ (z. B. über das Internet), um eigenverantwortlich und aktiv an einem Weg mitzuwirken, über den nach Möglichkeit ein Krebsrisiko frühestmöglich und natürlich immer mit ärztlicher Begleitung entdeckt werden kann.

bu

 

mehr zu dem Thema:

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    Unter dem Titel „Die neue Waffe gegen Prostatakrebs“ berichtet das Wochenmagazin „Focus“ in der Print-Ausgabe 5/2015 über eine neue Methode zur Behandlung des Prostatakrebses. Der Verband der Urologen (DGU) warnt vor der Außenseitertherapie "IRE". Die Urologen kritisieren, dass dadurch Hoffnungen geweckt werden, "die durch keinerlei Daten und Fakten gestützt werden".
    Tags: prostatakrebs, für, methode, diese, dgu, urologie, dr, prof, med, patienten


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