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Jogging-Point

Balance finden

Zwischen Buddha und Veränderung

Wir, die wir nicht mehr so ganz jung sind, kennen es. Hier zwickt was, und dort schmerzt es. Die eine oder andere Operation liegt vielleicht auch schon hinter uns. Viele gehen nach dieser Vorerfahrung im Alter achtsamer mit dem eigenen Körper um – oft leider auch notgedrungen. Meine Frau und ich haben genau diese Lebensstufe erreicht.

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5-Sterne-Hotel Ayurveda Parkschlösschen in Traben-Trarbach

Unsere vielfältigen Versuche aber, das etwas angegraute Alltagsleben altersgerecht umzusteuern, versandeten zumeist in hoffnungsfrohen Ansätzen. Hier und da lassen wir in letzter Zeit auch mal was Süßes weg. Das aber reicht uns nicht. Wir suchen eine tiefer greifende Veränderung.

„Feuer für die Verdauung“ als Aperitif

Zufällig, nach einem früheren Besuch des Buddha-Museums  in Traben-Trabach, hatten wir vor den Toren der beschaulichen Moselstadt in einem herrlichen Park das Hotel Parkschlösschen entdeckt. Ein erster Blick damals hinein ins Haus und die Angebote überzeugten. Alles ist liebevoll nach baubiologischen Gesetzen des Vastu ausgerichtet. Hier wollten wir mal für ein Schnupper-Wochenende in die ayurvedische Welt des Ganzkörperverständnisses eintauchen. Wir versprachen uns neue und vor allen Dingen nachhaltige Impulse für ein noch deutlicheres Umsteuern störender Alltagsgewohnheiten. Über unsere buddha-aufgeladene Bereitschaft wollten wir uns möglichst bald und ohne Vorbehalte hineingleiten lassen in Anwendungen der über 5000 Jahre alten und damit ältesten Heilkunde der Welt.

An einem Freitag ist es soweit. Wir starten mit einem ayurvedischen Mittagessen. Der Aperitif als „Feuer für die Verdauung“ besteht aus einem warmen Mix von in Wasser aufgekochtem Kreuzkümmel und Ingwer. Dazu kann der Gast aus verschiedenen Tees auswählen oder einfach heißes Thermalwasser nehmen. Wir wollen auf keinen Fall Wasser, sondern mal einen Kardamon-Fenchel-Tee probieren und anschließend einen Koriander-Tee.

Unseren Einstieg in ein ayurvedisches Wochenende begleitet die PR-Managerin des Hotels, Martina Trautner. Die gebürtige Berlinerin arbeitet seit knapp 20 Jahren in diesem in Europa einmaligen ayurvedischen 5-Sterne Hotel. Ihre Begeisterung ist ansteckend. Zusammen mit ihrem Mann lebt sie in einem 200 Jahre alten Fachwerkhaus mitten in der Moselprovinz – und beide wollen hier nicht mehr weg.

Diese Tees zu trinken, will gelernt sein

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Achtsam Tee oder heißes Wasser trinken: Ein Weg zu Entschlackung und Wohlbefinden

Der erste Gang ist ein Dessert. Also war es das schon? Martina Trautner lächelt: „Nach unserem Verständnis muss dieser Teil des Menüs am Anfang gereicht werden, weil die Verstoffwechselung länger braucht.“ Wir genießen ein süßes Polentatürmchen mit Kumquatsauce. Danach eine köstliche Kichererbenssuppe. Beim folgenden Gang der vegetarischen und bei Bedarf auch veganen Gourmetküche trinken wir dann weiter und schön durcheinander unterschiedliche Tees. Erst später – über die geduldigen Erläuterungen unserer Begleiterin – verstehen wir die unterschiedlichen Wirkungen der unterschiedlichenTees. Übrigens: Im Hotel wird auf koffeinhaltige, teeinhaltige und alkoholische Getränke verzichtet.

Als Hauptgericht gibt es Minigemüsebündchen auf Kürbispüree, Zucchini-Hirsebratlinge und Paprika-Tomatensalsa – köstlich für Mund und Augen. Diskret nehmen wir vom sehr freundlichen Service ab jetzt lieber nur heißes Wasser. Das wird in Thermoskannen im gesamten Haus verteilt und ist damit immer greifbar. Mit Wasser können wir also nichts falsch machen.

Martina Trautner erläutert, dass täglich Wasser aus eigener Thermalquelle in der Anrichte gekocht wird – 20 Minuten lang. Danach wirkt das Wasser optimal ausleitend für Schlacken und Gifte. Ungläubig lauschen wir den begeisterten Worten von Trautner. Schon am Folgetag spüren wir aber genau diese reinigende Kraft. Mit Genuss löffeln wir jetzt die wirklich herrlich schmeckende Kürbiscremessuppe – und bestellen sie noch einmal nach. Das bieten die Köche den Gästen für alle Gerichte an. Man kann und soll sich im besten Sinne satt essen, auch wenn dabei laut Ayurveda ein Drittel des Magens frei bleiben sollte. Nie aber wird man sich mit dieser Kost übersättigt fühlen.

Biologische und regionale Küche

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Über den gewohnten Tellerrand: Vegetarische Köstlichkeiten vereint mit kulinarischer Ästhetik

Das Parkschlösschen-Team legt für seine Sterne-Küche großen Wert darauf, dass die Zutaten weitestgehend frisch aus der Region kommen und überwiegend aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Sämtliche Gemüse und Früchte werden von Hand geschnitten. Die verwendeten Gewürze schmeicheln nicht nur den Geschmacksnerven, sie sollen auch die Verdauungsprozesse sinnvoll begleiten. Hier sind Kenntnisse der Wirkungsweisen gefragt. Bei keinem der gereichten Gänge haben wir den Drang, irgendwie nachwürzen zu müssen. Das eingebildete Gefühl nach dem Vier-Gänge-Menü: Man ist schon ein Stück gesünder. Aber die Ayurvedaner verlassen sich bei ihren Behandlungsangeboten nicht auf Gefühle.

Vor einem Schnupperwochenende, wie wir es machen, oder eben vor der großen klassischen Entgiftungstherapie Panchakarma steht eine ärztliche Untersuchung. Wochen vorher hatten meine Frau und ich schon die vom hoteleigenen Arztsekretariat übersandten jeweils fünf Doshabögen (Medizinische Fragebögen) ausgefüllt. Für das Gespräch mit den Ayurveda-Medizinern eine wertvolle Grundlage. Dosha bedeutet `das, was Probleme verursachen kann´. Wir fühlen: Jetzt geht es ans Eingemachte. Wir sind gespannt, was die Ayurveda-Mediziner bei uns entdecken, wovon wir noch keine Ahnung haben.

Mischtyp zwischen Pitta und Kapha

Meine Frau stellt sich der indischen Ayurveda-Medizinerin Vanita Kansal vor. Ich werde von Dr. med. Gerd-Steffen Bigus untersucht. Nach seiner Pulsdiagnose (augenblicklicher Gesundheitszustand), der Blutdruckmessung im Liegen, einem Blick auf die Zunge stellt er fest, dass ich ein Mischtyp aus den Doshas Pitta und Kapha bin.

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Pulsdiagnose vor allen Anwendungen: Ayurveda-Medizinerin Vanita Kansal

Ich frage nach, was denn einen Pitta-Typ ausmacht. Und finde mich in knapp 20 Merkmalen fast 1:1 gespiegelt. Insbesondere kann ich nicht abstreiten, dass ich keine Mahlzeit auslassen kann. Einen Teil des Kapha-Typs finde ich auch bei mir wieder. Denn dessen Leitmotiv ist „entspannt“. Und demzufolge bin ich eine ruhige, ausgeglichene Persönlichkeit, die sich selten aufregt und lange sowie tief schlafen kann. Gefällt mir sehr, weniger aber die Neigung zur Fettleibigkeit. Bigus interessiert, was von Geburt an vorhanden und was als gestört zu bewerten ist. Daraus zieht er seine Schlüsse und legt die Behandlungen für die nächsten zwei Tage fest.

Keine Krankheit fällt vom Himmel

Nach einer Stunde Untersuchung und einem ausführlichen Gespräch nehme ich die Botschaft von Dr. Bigus mit, dass keine Krankheit vom Himmel fällt. Sie ist immer die Summe der kleinen und größeren Sünden. Das ist einsichtig, zieht mich aber auch etwas runter, denn das Kaladeiskop meiner Genuss-Sünden ist bunt. Trost bereitet mir, dass auch Dr. Bigus nach eigenen Aussagen „zehn Jahre gebraucht hat, um die Doshas Vata (Bewegung), Pitta (Stoffwechsel) und Kapha (Struktur) umfänglich zu verstehen.“ Und er plädiert mit Blick auf schulmedizinische Ansätze dafür, doch „mehr die geburtlichen Dinge zu berücksichtigen, denn diese strukturieren ein Leben lang.“

Schon ist die Zeit etwas knapp geworden. Meine Frau und ich verspannen uns beim schnellen Umziehen hinein in die Sportsachen, Wasser trinken und schnell einen Happen vom 24 Stunden angebotenen Büffet zu essen. Der Tagesplan bietet uns vor dem Abendessen Entspannung beim Yoga an. Im geräumigen und lichten Raum strahlt der englischsprechende Yogi eine ansteckende Ruhe aus. Wir gucken uns die Routinen von anderen Teilnehmern ab. Matte, Decke, Nackenrolle holen. Ich bin der Quotenmann unter zwölf Frauen. Unter der die Yogastunde abschließenden Decke durchzieht mich wohlige Wärme. Ganz kurz nicke ich ein. Herrliches Gefühl.

Schnelleres Altern durch das Sündenkarussell

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Reiches Angebot für die Balance von Köper und Geist: Yoga

Nach dem weiterhin vegetarischen Abendessen mit mehreren, leichten Gängen wird der Vortrag „Vitales Altern“ angeboten. Referentin Kansal, uns von der nachmittäglichen medizinischen Untersuchung bekannt, startet mit gigantischen Zahlen: Danach ist ein Baby mit 200 Milliarden Neuronen ausgestattet, der Erwachsene bringt es dann nur noch auf 100 Milliarden. Und es wirken 100 Millionen unterschiedliche Stoffe auf den Körper. Ständiger Stress also für unseren Body.

Stress lässt uns schneller altern. Zusammen mit Bewegungsarmut und ungesunder Ernährung haben wir dann die Haupttäter für Krankheiten, die, so haben wir ja gelernt, nicht einfach vom Himmel fallen. Fazit von Frau Kansal: „Sie sind, was Sie verdauen.“ Sie betont immer wieder dem Grundbedürfnis von mentaler Ausgeglichenheit und ausreichendem Schlaf nachzukommen. „Denn der Organismus ist im Schlaf aktiver als im Wachzustand.“ Die ayurvedische Botschaft heißt schlicht: 22 Uhr ist Kapha-Zeit, also ab ins Bett.

TV passt eigentlich nicht ins Konzept

Irgendwie sind wir noch ein wenig aufgekratzt. Ab unter die kuschelige Bettdecke, dann rauf auf die erholsame Gesundheitsmatratze – und TV an. Wir hatten von den Ayurveda-Medizinern den Tipp bekommen, auf diese elektronische Zerstreuung zu verzichten. „Es ist schlecht, dauernd `Tatort´zu gucken, besser auch mal Rosamunde Pilcher. Das nährt ein bestimmtes morphogenetisches Feld.“ Mit schlechtem Gewissen sind wir schwach geworden. Nur eben mal Nachrichten sehen. Dann aber ausschalten, abschalten und ab in Morpheus Arme. Das gelingt dann auch erstaunlich schnell, obwohl die medial gesammelten Aufregungen der Welt für das frühe und damit erholsame Wegschlummern nicht gerade förderlich sind. Beruhigend auch zu wissen, dass alle Zimmer frei von störendem Elektrosmog, W-Lan und Wasseradern sind.

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Indische Vorbilder: Helles Ambiente mit ausgesuchten Farben der Ruhe

Nach einer tief durchschlafenen Nacht haben sich beim Frühstück unsere ausgeruhten Sinne deutlich mehr als am Anreisetag geöffnet. Wir nehmen erst jetzt bewusst wahr, dass im 1993 eröffneten und inhabergeführten Haus, bei Bedarf auch auf dem Zimmer, immer eine beruhigende leise Musik den ayurvedischen Prozess begleitet. Hierzu stimmungskonzertant wirken dann auch die beigen und erdigen Wand-Farben in diesem ganzheitlichen Ayurveda-Kurhotel. Hier scheint überall eine harmonie-wärmende und nie grelle Sonne. Räume, ebenso wie Essen und Getränke sind stets wohl temperiert. Mäßig temperiert kommt somit auch der schwach gesüßte Hirsebrei mit Früchten daher. Es gibt reichlich Croissants, herzhafte und fruchtige Aufstriche, unterschiedliche Honigsorten. An Tees verlocken wieder die Sorten Kardamon-Fenchel, Koriander oder Vata-Pitta- und Kaphatee. Unser frisch gewachsenes Teebewusstsein lässt nun auch vorsichtig eine passende Auswahl zu.

Aus Genussmitteln wurden Lebensmittel

Im anschließenden Einführungsvortrag zur ayurvedischen Therapie werden wir in angenehm-informativer Weise von der Diplom-Yogalehrerin Iris Vieler-Rödder in die Wissenschaft vom Leben eingeführt, die vor 3000 Jahren im Sanskrit niedergeschrieben worden ist. Auch sie weist darauf hin, wie wichtig natürliche Materialien und Erdfarben im Haus sind. Es kommen sehr einprägsam plakative Botschaften rüber: Mit der Musik von Bach und Mozart lebt es sich leicht. Und zur Kopfarbeit: Materie folgt dem Geist. Zur ayurvedischen Heilmethode: Sie ist durch intensives Beobachten entstanden. Deshalb teilen die Ayurveda-Anhänger den Tag ein in die Kapha-Zeit von 6 bis 10 morgens wie abends, die Pitta-Zeit von 10 bis 2 – tags wie nachts – und die Vata-Zeit von 2 bis 6 Uhr. Hierauf sollten dann auch die Essenszeiten abgestimmt sein.

Zum Thema weißer Zucker und anderen Nahrungsmitteln: „Die Gesellschaft hat aus Genussmitteln Lebensmittel gemacht.“ Dazu kommt, dass eben Stress und saures Essen krank machen. Folglich gilt es das Richtige zur richtigen Zeit zu essen. Die ayurvedische Fachfrau preist aber auch immer wieder die einfache Lösung: „Heißes und lang abgekochtes Wasser ist der Diamant der Getränke.“ Über diesen Weg beginnt der Körper von Innen nach Außen zu entschlacken. Und schlussendlich noch eins. Der Darm ist ein empfindliches Tierchen. Einige dieser plakativen Weisheiten wollen wir uns zu Hause in der Küche aufhängen. Ganz oben: Die Dosis macht das Gift. Vielleicht wirkt es!?

Tradition verpflichtet: Männer getrennt von Frauen

Jetzt sind wir reichlich, aber immer noch gut verdaulich theoretisch vorbereitet und eingestimmt auf die Krönung unseres Schnupper-Wochenendes im

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Synchronmassage: Ein Höhepunkt für Haut und Haare. Frauen massieren Frauen

Ayurveda Parkschlösschen. In der Dosha-Sprechstunde am Freitag hatte der Arzt mir eine synchrone Ganzkörper- und eine Peelingmassage (Abhyanga u. Udvartana) sowie ein Kräuterdampfbad (Svedana) verschrieben. Meine Frau freut sich neben der Synchron- auf eine Tiefenmuskelmassage (Vishesh) mit einer anschließenden lokalen Wärmebehandlung im Teigring (Nabi-Basti).

Im flauschigen weißen Bademantel tauchen wir im Basement des Hotels ein in den Vorraum für die Behandlungsbereiche. Warmes Licht, Buddha-Figuren, Kerzen und gedämpfte Stimmen. Hier kommen Gäste auch ins Gespräch. Die Frauen werden nach und nach in den linken Teil abgerufen, die Männer parallel in den rechten Teil. Das ist heute schon fast ein Alleinstellungsmerkmal. Denn die meisten ayurvedischen Einrichtungen setzen sich über diese traditionelle Vorgabe hinweg – sogar in Indien. Vasco, einer meiner Masseure: „Es gibt viele, die gerade wegen dieser Trennung kommen.“ Gut, denke ich mir, keine Störung der Behandlungswirkung durch abgelenkte Energien. Ist schlicht nachvollziehbar. Aber bei weiterem Nachfragen wird auch klar, dass dies die gesamten Serviceleistungen durchaus verteuert. Denn der Anteil von Männern als Gäste (40 %) ist immer deutlich geringer gegenüber den Frauen (60 %). Eine Auslastung des Behandlungspersonals lässt sich dann schwer kalkulieren.

Balance durch synchrone Massage

Während Vasco mir den Ablauf der Massage sehr ruhig und in angenehm fließender Körpersprache erläutert, will ich mich mit einem Satz auf den Behandlungstisch schwingen. Mit sanften Bewegungen und einem feinen Lächeln hält er mich davon ab und bedeutet mir, dass ich langsam und achtsam über zwei Stufen auf die andere Ebene klettern soll. Alles, was jetzt an und mit meinem Körper geschieht, gleitet über die Membrane Haut mit warmem Olivenöl hinweg. Zugesetzter Sesam wirkt zusammen mit den drückenden und streichenden Bewegungen in die Tiefe.

Im Sitzen sind zunächst Kopf, Nacken und Hals dran. Dann bedeutet er mir, dass ich mich auf den Rücken legen soll. Ganz ruhig und unauffällig hat sich Lulzim an die rechte Seite des Massagetisches gestellt. Und fast wie ferngesteuert gleiten nun ihre vier Hände wie von einem mehrhändigen Buddha über meinen Körper. Es folgen Rücken- und Seitenlagen. Durch die Kür der wie eins wirkenden Hände wird eine gefühlte und damit auch tatsächliche Körperbalance hergestellt.

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Vier Hände im Gleichtakt: Männer massieren Männer

Angenehm eingedeckt in die öldurchtränkten Tücher lassen mich die beiden Herren auf dem Tisch für zehn Minuten liegen. Nicht ohne sich vorher nocheinmal nach meinem Befinden zu erkundigen. Danach kann ich mich in einem anderen Raum duschen und in einem Bett solange ausruhen wie ich möchte – und heißes Wasser trinken soviel ich will.

Das ganze Haus ist Therapie

Die ausgeprägte Fürsorge zeigt sich auch bei den Behandlungen am folgenden Sonntag durch den aus der Bretagne gebürtigen Philippe und den Kosovaren Blerim. Als sie mich in das Kräuterdampfbad bringen, muss ich angesichts der verschließbaren schräg stehenden Bottiche anmelden, dass ich eventuell dort Platzangst bekommen könnte. Ausgesprochen fürsorglich bleibt immer einer der Masseure neben mir sitzen und spricht mit mir. Ich kann nach einer halben Stunde unbeschadet aus dem wohltuenden Kräuterdampf aussteigen. Mein Lebensgefühl: Wohlig erschöpft und mega entspannt.

Und noch etwas finde ich bemerkenswert. Im Ayurveda Parkschlösschen betreuen etwa 100 Angestellte die Gäste von 58 Zimmern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammen aus 20 Ländern. Und sie bleiben offensichtlich gerne in diesem Team. Philippe beispielsweise ist schon 13 und Blerim 21 Jahre dabei. Das erkennbar gute Betriebsklima und die anderswo nicht selbstverständliche saisonal unabhängige Arbeitsplatzssicherheit kommen den Gästen durch eine natürliche und nie aufgesetzte Freundlichkeit des Personals zugute. Das ganze Haus ist Therapie.

Büffet als stilles Feuerwerk kulinarischer Kunst

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Begeisterung pur: Chefkoch Eckhard Fischer und sein Team präsentieren das sonntägliche Büffet

Krönender Abschluss unseres Abtauchens in das Parkschlösschen ist das sonntägliche Mittagsbüffet. Hier können es sich die Gäste nach Lust und Laune so richtig kulinarisch gut gehen lassen. Es reiht sich eine optische und geschmackliche Überraschung an die andere. Ein stilles Feuerwerk dieser hervorragenden ayurvedischen Küche.

Für drei sehr intensive Tage konnten wir einfach loslassen und haben ein kleines Stück unserer neu ausbalancierten Mitte gefunden. Und wir haben in aller Ruhe darauf verzichtet, den auf 2000 Quadratmetern gestalteten Wellness-Bereich mit Thermalbad,  zwei Saunen, Fitness-Studio, Kosmetik-Studio und Gymnastik-Bereich zu nutzen.

Wir werden von der Geschäftsführerin Carina Preuß und der PR-Managerin Martina Trautner aufs Herzlichste verabschiedet. Besonders nach dieser Freundlichkeitsfülle tauchen wir – notgedrungen und deshalb mit ausgeprägtem Unwillen – wieder ein in den lauten Verkehr außerhalb des 4,5 Hektar großen Parks von diesem Ausnahmehotel. In den vergangenen wenigen Tagen hat sich bei uns und in uns einiges verändert. Vor allen Dingen ist es das Bewusstsein, dass wir deutlich achtsamer mit Seele, Geist und Körper umgehen sollten.

 

Ayurveda und älter werden

Das Durchschnittsalter der Gäste im Parkschlösschen liegt bei 45 Jahren und die Gäste bleiben im Mittelwert etwa neun Tage. Wir fragten die PR-Managerin des Hotels, Martina Trautner, welche Aspekte in der Angebotsphilosophie des Hauses insbesondere für ältere Gäste eine Rolle spielen.

rantlos: Wie hilft Ayurveda gesund älter zu werden?

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Martina Trautner: „Zu Hause soll die Regeneration weiter gehen“

Trautner: Ich denke, die meisten Menschen möchten nicht einfach nur möglichst alt werden, sondern gerne fit alt werden – sowohl körperlich als auch geistig. Der Ayurveda hält da eine breite Palette an Möglichkeiten parat, um diesen Prozess des Älterwerdens positiv zu beeinflussen.

rantlos: Und die sind konkret?

Trautner: Es sind natürlich in erster Linie die Säulen Ernährung, Bewegung, Entgiftung, Yoga, Meditation, ayurvedische Behandlungen. Aber nicht nur das. Es ist auch die Art und Weise, wie wir damit umgehen, wie achtsam wir mit uns und unserem Umfeld sind. Und überhaupt – welche Einstellung wir zum Älterwerden haben.

rantlos: Was kommt insbesondere älteren Gästen zugute?

Trautner: Die genannten Grundpfeiler setzen wir mit viel Wissen und Herz, Leidenschaft und Fürsorge um. Welche Abläufe im Körper und auch emotional während des Älterwerdens vorgehen, erklären unsere Ayurveda-Experten in Vorträgen und Workshops.

Aber auch im Einzelgespräch und beim Pulslesen erhält jeder Gast seinen „Fahrplan“ für zuhause. Denn nicht nur der Aufenthalt hier soll Regeneration sein, sondern auch zuhause soll es weitergehen. Nur eine alltagstaugliche Umsetzung kann etwas bewirken. Was kann ich tun, um die wertvolle Zeit, die noch vor mir liegt, zu meinem Wohlbefinden auszurichten? Das erfahren die Gäste in unserem Hotel Ayurveda Parkschlösschen.

rantlos: Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere bei den Gästen im Alter 45+?

Trautner: Besonders Menschen um die 50 haben schon viel geleistet. Stichworte sind Familie, Karriere. Es tauchen die ersten gesundheitlichen Probleme auf. Als Folge haben diese Menschen wieder eine höhere Sensibilität für sich. Damit öffnen sie sich meist auch gegenüber Möglichkeiten, die die Schulmedizin vielleicht nicht bieten kann.

rantlos: Und in dieser Gesundheits- und Wellnessnische haben Sie welche Markenzeichen?

Trautner: Der Stellenwert des Parkschlösschens in der Ayurveda-Welt ist sehr hoch. Wir machen seit 23 Jahren nichts anderes. Hohe Kompetenz, großer Erfahrungsschatz, unser sehr gut ausgebildetes Team, die sehr schöne und liebevoll gepflegte Örtlichkeit – alles auf 5-Sterne-Niveau. Und ein eingespieltes herzliches Team. Das zeichnet das Parkschlösschen aus.

rantlos: Verbunden mit der Lage in Deutschland?

Trautner: Ja. Unsere Lage hier in Deutschland ist ein großes Plus. Die Verständigung ist kein Problem, was gerade bei persönlichen Gesundheitsthemen sehr wichtig ist. Kein Jetlag, keine hygienischen Veränderungen, kein Klimawechsel. Grundsätzlich kein Reisestress.

rantlos: Kommen Gäste erneut zu Ihnen?

Trautner: Der aktuelle Wiederkehrer-Prozentsatz liegt bei 60 Prozent.

 

Dem Parkschlösschen-Team ist wichtig
Ayurveda verbietet gar nichts. Aber die Dosis im Auge behalten.

Das Parkschlösschen möchte aus seinen Gästen

keine ayurvedischen Heilige machen.

 

Dieter Buchholtz

 

Info

Auszeichnungen für das Ayurveda Parkschlösschen
Bei den Wellness Travel Awards 2015 wurde das Parkschlösschen in den Kategorien „Best for Medical Service“, „Best for Weight Loss“ und „Best for Yoga“ ausgezeichnet. 2014 gewann das Hotel den World Luxury Spa Awards in der Kategorie „Best Luxury Ayurveda Spa“.

Stress und Parkschlösschen-Studie
Gesundheitswissenschaftler gehen davon aus, dass mindestes zwei Drittel aller Krankheiten direkt oder indirekt auf Stress zurückzuführen sind. Denn Stress löst eine fein abgestimmte Hormonkaskade aus. Anhaltend extremer Stress kann den gesamten Organismus aus dem Gleichgewicht bringen.

Bei der Parkschlösschen-Studie in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Uni Trier wurden 1999 mögliche Veränderungen der Cortisol-Werte im Speichel von 84 Testpersonen einer zehntätigen Panchakarma-Therapie untersucht. Neben dem Cortisol-Spiegel wurden durch Fragebögen vier andere Parameter erfasst: Arbeitsüberlastung, Sorgen, emotionale Erschöpfung und soziale Belastung.

Als Ergebnis ergaben sich eine Normal-Gruppe (40), die Stress-Gruppe (15) und die Burnout-Gruppe (29). Bei der Analyse der Ergebnisse wurden die Daten vor und nach der Therapie miteinander verglichen. Daraus erkennbar bewegten sich Stress- und Burnout-Gruppe auf die Normal-Werte zu. Es lässt sich also ein klarer Normalisierungseffekt durch ayurvedische Therapien auf den Cortisonspiegel bei chronisch gestressten bzw. erschöpften Patienten nachweisen.

Kostenübernahme

Kosten für therapeutische Maßnahmen im Ayurveda-Parkschlösschen können in seltenen Fällen auch von der privaten Krankenkasse übernommen wurden. Hier gilt: In jedem Fall vor dem Antritt einer Kur bei der Krankenkasse die Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung abklären.

 

Nachtrag des Autors
Meine Frau und ich versuchen aus den Eindrücken und Anregungen, aus den mitgegebenen „Goldenen Regeln einer gesunden Ernährung“ und den „Hinweisen zur Tagesroutine“ wenigstens etwas zu Hause zu installieren. Einigermaßen gut schaffen wir das auf Anhieb mit dem gekochten Wasser in einer Thermoskanne. Und dieses in Traben-Trarbach erworbene Bewusstsein über Zusammenhänge lässt sich im Hinterkopf nicht mehr ausradieren.

Unterstützung
Der Beitrag entstand mit Unterstützung des Hotels Ayurveda Parkschlösschen.

Copyright Fotos

Copyright aller Fotos im Artikel: Ayurveda Parkschlösschen.

Copyright Foto im Interview: Dieter Buchholtz.

 





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