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Mehr wissen – mehr fühlen

„Make Love“ – Ein Hit bei Google

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Ann-Marlene Henning bei den Dreharbeiten

Sie sagt:„Über Sex spricht man nicht – Ich schon!“ Sie redet locker über Tabus, die in der Welt „da unten“ und fest in der Mitte unserer Gesellschaft schlummern. Die Sexologin Ann-Marlene Henning im rantlos.de-Interview über Sex und Humor.

rantlos.de: Kommt Ihre Botschaft „Make Love“ bei den TV-Zuschauern an?

Henning: Das kommt unglaublich gut an! Im Quotenrennen beim MDR schlugen wir mit über eine Millionen Zuschauern „Tatort“ und die Bundesliga. Und gegenwärtig gehört „Make Love“ zu den meist gesuchten Begriffen bei Google. Die Ladezahlen gehen in die Millionen. Und noch eins fällt auf: So ab 50 Jahren aufwärts sehen sich die Zuschauer die „Make Love-Serie“ lieber im Fernsehen an. Die Jüngeren bevorzugen das Netz.

rantlos.de: Melden sich Zuschauer auch direkt bei Ihnen?

Henning: Hauptsächlich über E-Mail meldet sich bei mir ein Querschnitt aus der Bevölkerung. Es kommt häufig Lob über die Art und Weise, wie wir über Sexualität sprechen. Und viele Leute bedanken sich dafür, dass sie selbst endlich ganz normal über diese Themen reden können. Es antworten ganz viele aus der Fachwelt, also Ärzte, Hebammen, Sozialpädagogen und Sexualaufklärer. Einige wollen Hilfe und sogar Anschauungsmaterial wie die Mösette haben.

rantlos.de: Welche Rolle spielt Humor in Ihrer Praxis?

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Henning: „Ein humorvoller Spruch kann hilfreich sein“

Henning: Bei mir in der Praxis wird sehr viel gelacht. Das steckt auch die Klienten, wie ich meine Patienten nenne, an. Die sind ja nicht krank. Die wollen was dazu lernen. Oft sind die Leute einfach nur traurig. Wenn man darauf ganz entspannt reagiert und sie gleichzeitig ernst nimmt, dann kann es sehr hilfreich sein, an passender Stelle einen humorvollen Spruch zu machen. Oft kommt dann ein gelöstes Lachen auf. Und schon wird es leichter, über Probleme zu reden.

Zweite Pubertät ab 40 bis 45 Jahren

rantlos.de: Nach Ihrem Bestseller „Make Love“ planen Sie ein neues Buch. Um was geht es darin?

Henning: Das erste Buch war das kleine ABC der Erregung, also für Teenager aufwärts. Bei dem geplanten Titel „Make more Love“ ist es das große ABC der Erregung. Es soll eher für Leute ab etwa 40 bis 45 Jahre sein. In diesem Alter beginnt so eine Art zweite Pubertät. Da verändert sich wieder etwas im Gehirn. Hormone verändern sich. Wenn man verstehen möchte, welche Probleme Ältere haben oder bekommen könnten, wenn man verstehen möchte, warum die Erektionen beim Mann schwächer werden, warum die Frau trocken bleibt… Dafür braucht es Wissen. Das möchte ich in meinem zweiten Buch vermitteln. Es entsteht zusammen mit meiner persönlichen Assistentin Anika von Keiser, die in meiner Praxis arbeitet und sehr gut mit Sprache umgeht.

rantlos.de: Haben wir denn nicht genügend Wissen durch beispielsweise den Sexualkundeunterricht in der Schule?

Henning: Nein.

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„Ältere Frauen wollen wissen, was das Tolle am Sex ist“.

Und noch eins: Wir wollen ja nur das wieder haben, was uns genommen wurde. Vor knapp zwei Jahrtausenden wurde das Kamasutra geschrieben. Das ist eins der vielen Beispiele dafür, dass andere Kulturen einen ganz anderen Zugang zur Sexualität haben… oder hatten. Wir wurden in dieser speziellen Gefühlswelt von der Kirche überrollt. Sie versuchte an allen möglichen Stellen andere Kulturen zu überschreiben. Sexualität eignet sich hervorragend dazu Menschen zu kontrollieren.

rantlos.de: Mit welchen Themen und Problemen kommen Menschen ab 45 Jahren zu Ihnen?

Henning: Es kommen Frauen zu mir, die nicht kommen können. Die meinen, dass sei angeboren. Da könne man wohl nichts mehr tun. Das ist falsch. Es ist ein großes Problem. Ganze 80 Prozent, (ja die Zahl stimmt!) kommen nicht alleine durch den Geschlechtsverkehr, sondern brauchen zusätzliche Stimulation an der Klitoris. Und jede dritte Frau kann überhaupt nicht kommen. Aber Männer denken, dass sie es können müssten – und Frauen denken das auch. Dann gibt es die über 60 – 70-jährigen Frauen. Da sind die Kinder schon lange aus dem Haus, der Beruf ist erledigt, man hat mehr Zeit. Und die wollen mal wissen, was das Tolle an Sex ist, wovon alle reden.

Das muss doch von alleine klappen

rantlos.de: Und mit welchen Beschwerden kommen die Männer?

Henning: Auf der Seite der Männer sind die Themen das verfrühte Kommen und die nachlassende Erektion ab Mitte 40 – 50. Bei älteren Herren ist das Testosteron (das Lust- und Erregungshormon) nicht mehr so hoch vorhanden, wie früher, und auf einmal reicht die Erregung dann nicht aus, um eine dauerhafte Erektion zu halten. Die Versteifung wird instabiler, quasi unzuverlässiger. Das behandelt zum Beispiel Folge 4 in meiner TV-Serie „Make Love“. Irgendwie geht es zwar manchmal, aber es geht eben nicht immer. Dann beginnen Unsicherheit und damit ein Kreislauf, der es noch schlechter macht. Es wächst oft beidseitig das Signal: Wir haben keine Lust.

rantlos.de: Also ist diese wachsende Vermeidungsstrategie ein schleichender Lusttöter?

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„Ich freue mich wahnsinnig über den Erfolg von `MakeLove´!“

Henning: Ja, genau. Es gibt hierbei noch ein Vorurteil vieler Männer und Frauen: Das muss doch von alleine klappen. Wieso eigentlich? Die Leute kommen nicht darauf, dass sie eigentlich nie gut darin waren, ihre Erregung überhaupt zu spüren. Und einfach schön damit zu spielen. Am Anfang musste man das ja nicht. In der Verliebtseinsphase nicht und im jungen Alter oft auch nicht, als die tollen Hormone noch präsenter waren.

rantlos.de: Und wie fühlen Sie sich mitten in all der medialen Aufmerksamkeit?

Henning: Das ist eine ganz tolle Frage. Das hat noch keiner gefragt. Ich freue mich wirklich wahnsinnig, dass „Make Love“ so gut angekommen ist. Und ebenso so froh bin ich über die großen Komplimente vieler Fachleute. Sie sagen: Danke, dass du das für unsere Branche machst. Und dass eine weitere Öffnung für dieses Thema möglich ist. Ganz offensichtlich kommt auch rüber, dass es Spaß machen kann. Das aber ist nur die eine Seite!

Jetzt will ich es wissen

rantlos.de: Und die andere Seite?

Henning: Der Stress wächst. Denn mein Job als Therapeutin läuft ja weiter. Gleichzeitig habe ich über ein halbes Jahr jedes Wochenende gedreht. Dazu kommen weiterhin die notwendigen Fortbildungen. Und natürlich eine Vielzahl von Pressekontakten. Es ist fast nicht möglich Nein zu sagen. Mein zweites Buch „Make more Love“ hatte ich fast zu Zweidrittel fertig. Das musste ich aber auf Eis legen. Wir machen das Buch nun im kommenden Jahr. Zur Zeit arbeite ich so viel wie noch nie zuvor. Ich versuche dabei immer authentisch zu bleiben. Das erleichtert mir Vieles und vielleicht auch meinen Gesprächspartnern. Mehr kann ich nicht tun.

rantlos.de: Also sind Sie jetzt glücklich erschöpft?

Henning: Ja. Es ist einfach anstrengend. Aber ich freue mich auch ehrlich über den Erfolg.

rantlos.de: Ist der Erfolg auch ein wenig dem Oswalt Kolle der 70er-Jahre zu verdanken?

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„Bei den Älteren ist die Not teilweise schon richtig groß.“

Henning: Ja, darüber bin ich heilfroh. Es wäre nicht möglich gewesen, wenn es die Zeiten und ihre Aufklärer vor mir nicht gegeben hätte. Man hat heute das Gefühl, dass da noch etwas Neues aufbricht, was mehr Erfüllung und mehr Offenheit bringen kann. Ich merke, dass die jungen Leute trotz Sexualkundeunterricht so wissenslos wie die Älteren sind. Die Jüngeren können aber besser reden. Die kommen auch früher zur Beratung. Die warten nicht, bis sie 60 Jahre sind und sagen: Jetzt will ich es wissen. Und bei den Älteren ist die Not teilweise schon richtig groß. Aber immer mehr von ihnen können diesen Weg gehen. Das hätten sie früher nicht gemacht.

rantlos.de: Das klingt doch schon wieder etwas entspannter.

Henning: Es ist eines der großen Vorteile des Alters (lacht). Man wird ein bisschen lässiger. Ich zähle mich schon selbst ein wenig dazu. Und jetzt freue ich mich auf das Wochenende. Da kann ich einfach mal machen, was ich gerne will.

Tschüss.

Die Fragen stellte Dieter Buchholtz

Zitiert und avisiert

Bessere Aufklärung

An anderer Stelle hat Ann-Marlene Henning (49) gesagt: „Die Aufklärung muss in jeder Hinsicht besser werden und es muss mehr davon geben. Es geht um die Freude und den Genuss beim Sex. Es geht nicht ums Performen, sondern ums Fühlen. Man lernt nie aus, auch nicht beim Sex!“

Schmuddelfrei

Und Süddeutsche.de schrieb am 04.11.13: „Make Love spricht Probleme an, die allzu viele Menschen mit sich herumtragen… Dass sich für das Format mit Ann-Marlene Henning eine Moderatorin gefunden hat, die dem Ganzen zwar den Ernst nimmt, das Thema Sexualität dabei aber nicht ins Lächerliche zieht, ist ein Glücksfall für MDR und SWR.“ Überschrieben war dieser Beitrag mit „Völlig schmuddelfrei“. Es ist einfach erfrischend, mit der Hamburger Sexologin über so tiefsitzende Tabus in unserer Gesellschaft zu sprechen. Wir sind gespannt auf ihr Buch „Make more Love“, das wir zum Erscheinen zu Ende 2014 in rantlos.de vorstellen werden.

Mehr über die Serie „Make Love“ hier

Und Sie können Ann-Marlene Henning in ihrem Blog „Doch noch tv“ erleben:

Wenn Man(n) zu früh kommt: Erektile Dysfunktion


Eine haarige Sache

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