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Gehirnerschütterung: Heilung dauert viele Monate

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Auf Stöße oder Schläge reagiert das Gehirn sehr empfindlich

Experten kritisieren, dass Sportler zu früh wieder eingesetzt werden

Die durch eine Gehirnerschütterung entstehende Schädigung kann noch Monate nach der Verletzung nachgewiesen werden. „Fast die Hälfte aller von uns für die Studie untersuchten Patienten wiesen sechs Jahre, nachdem sie eine Gehirnerschütterung erlitten hatten, spürbare Beeinträchtigungen des Gehirns auf“, berichtet der Marburger Psychiater Dr. Carsten Konrad. Bisher war die Schulmedizin davon ausgegangen, dass eine Gehirnerschütterung (leichtes Schädel-Hirn-Trauma) nach einer kurzen Bewusstlosigkeit und einer höchstens 24stündigen Gedächtnislücke keine bleibenden gesundheitlichen Schäden mit sich bringt. Unstrittig ist hingegen, dass eine Gehirnprellung (mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma) oder eine Gehirnquetschung (schweres Schädel-Hirn-Trauma) zu lang andauernden Bewusstseinsstörungen und noch schwereren Komplikationen führen kann. Gehirnerschütterungen sind heute vor allem im Sport ein Thema. Immer wieder wurden Bedenken geäußert, dass Spieler damit die Gesundheit ihres Gehirns aufs Spiel setzen. Die Forscher kritisieren auf Basis der neuen Erkenntnisse, dass die Sportler zu früh wieder eingesetzt werden.

Mit Verbrennung vergleichbar

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Neue Regeln sollen beim Rugby Verletzungen verhindern

Die Diskussion über Gehirnerschütterungen und Kopfverletzungen hat zum Verzicht auf neue Regeln beim Rugby geführt. Auch Kontroversen beim Fußball waren die Folge. Ein Spieler wurde auf dem Feld belassen, auch nachdem er bewusstlos gewesen war. Dieses Thema wurde auch beim American Football immer wieder diskutiert. Für die in dem Journal Neurology veröffentlichte Studie verglichen die Experten die Gehirne von 50 Personen, die eine leichte Gehirnerschütterung erlitten hatten, mit denen von 50 gesunden Menschen. Am Anfang kam es zu Problemen mit dem Gedächtnis, Kopfschmerzen und Schwindel traten vermehrt auf. Diese Symptome verschwanden jedoch nach einigen Wochen. Vier Monate später konnten die Forscher jedoch immer noch Unterschiede in der Art und Weise feststellen, wie sich Flüssigkeit durch das Gehirn bewegte. Damit lag nahe, dass die Heilung noch immer nicht abgeschlossen war. Der leitende Wissenschaftler Andrew Mayer verglich die Auswirkungen einer Gehirnerschütterung daher mit jenen einer Verbrennung.

Zu frühe Aktivitäten schädlich

Klitschko

Boxkampf Vitali Klitschko (r.) gegen Shannon Briggs

Laut Mayer ist es entscheidend, dass auch wenn die Betroffenen sich besser fühlen, das Gehirn noch nicht ausgeheilt sein kann. „In den USA pausieren Sportler eine Woche oder zehn Tage, bis es ihnen wieder besser geht. Das dürfte jedoch nicht ausreichen, da damit nicht sichergestellt ist, dass auch das betroffene Gewebe geheilt ist.“ Es gebe auch Hinweise darauf, dass viele kleine Verletzungen innerhalb eines kurzen Zeitraumes, viel schlimmere Folgen haben, als eine einzelne schwere Verletzung. John Hardy vom University College London überraschen die aktuellen Forschungsergebnisse hingegen nicht. Der Experte warnt vor zu frühen Aktivitäten. „Nach einer Knieverletzung gibt es drei Monate Pause, nach einer Kopfverletzung sind die Spieler wieder auf dem Feld, sobald sie wieder von zehn rückwärts zählen können.“ Der Wissenschaftler forderte bereits vor einiger Zeit ein Verbot des Boxens, da die wiederholten Schläge gegen den Kopf mit späteren Demenzerkrankungen in Zusammenhang gebracht worden waren. Dieser Zusammenhang wurde mittlerweile auch bei anderen Sportarten hergestellt, bei denen es immer wieder zu Kopfverletzungen kommt.

 

Sepp Spiegl




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