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Das Kreuz mit dem Kreuz

Wenn Rückenschmerzen nicht unmittelbar vom Rücken kommen

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Wenn Rückenschmerzen nicht unmittelbar vom Rücken kommen; Foto: djd

Sie gelten als Volkskrankheit Nummer eins in der Bundesrepublik: Rückenschmerzen. Rund 25 Prozent der Fälle mit chronischen Rückenschmerzen könnten dabei auf eine unerkannte entzündliche oder degenerative Erkrankung des Kreuz-Darmbein-Gelenks zurückzuführen sein. Das sogenannte Iliosakral-Gelenk am Übergang vom Rücken zum Becken wirkt zunächst unscheinbar und ist von außen nicht sichtbar. Kommt es zu einer Blockade oder eine Störung, können jedoch starke Rückenschmerzen und Ausstrahlungen bis in die Leistenregion oder das Bein die Folge sein, was enorme Einschränkungen im Alltag mit sich bringen kann.

Als Übergangsgelenk von der Wirbelsäule zum Becken und den unteren Gliedmaßen ist das Iliosakral-Gelenk eines der meistbelastetsten Gelenke unseres Körpers. Bei jeder Drehung und jedem Schritt ist es enormen Zug- und Druckbelastungen ausgesetzt und dadurch auch besonders anfällig. Allerdings können auch Nackenschmerzen auf einen Defekt im Iliosakral-Gelenk zurückzuführen sein. Da die Wirbelsäule versucht, die Beschwerden auszugleichen, kommt es häufig zu Verspannungen am entgegengesetzten Rückenende. Bei älteren Personen und Leistungssportlern kann es darüber hinaus auch zu Ermüdungsbrüchen am Iliosakral-Gelenk kommen. Die Tennisspielerin Andrea Petkovic beispielsweise war von einem derartigen Ermüdungsbruch betroffen.

Welche Symptome können daher auf eine Blockade oder Störung im Iliosakral-Gelenk hindeuten? Warum ist die Diagnose von derart bedingten Beschwerden so schwierig? Und was kann passieren, wenn das Iliosakral-Gelenk nicht als Ursache der Rückenschmerzen erkannt wird und man als Patient fälschlicherweise auf eine vermeintlich andere Ursache hin behandelt wird?

Moderne und schonende Operationsverfahren

Da Beschwerden im Rücken und den Beinen häufig nicht sofort auf das Iliosakral-Gelenk zurückgeführt werden, verlängert sich bei vielen Betroffenen der Leidensweg mitunter unnötig. Wird hingegen gleich die korrekte Diagnose gestellt, bestehen gute Chancen auf Heilung. Bislang kamen bei Patienten insbesondere konservative Therapiemaßnahmen zum Einsatz. Wenn dies auf Dauer keine Besserung bringe, heißt es, sei „DIANA“ die Methode der Wahl. Entwickelt wurde diese OP-Technik von Dr. John G. Stark. Der amerikanische Arzt hatte zwanzig Jahre lang daran geforscht. 2006 führte er erstmals eine DIANA-Operation durch. Seither wurden weltweit mehr als zweitausend Patienten erfolgreich mit dem Verfahren behandelt. Bei dem sogenannten „DIANA“-Verfahren genügt ein kleiner, schonender Schnitt im unteren Lendenwirbelsäulenbereich, damit der Arzt an das Iliosakral-Gelenk des Patienten gelangt.

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Als Übergangsgelenk von der Wirbelsäule zum Becken und den unteren Gliedmaßen ist das Iliosakral-Gelenk eines der meistbelastetsten Gelenke unseres Körpers. Foto:djd

DIANA-Operation im Detail

DIANA steht für Distraktions-Interferenz-Arthrodese. Konkret funktioniert das Verfahren so: Vom Rücken her wird dem Patienten unter Vollnarkose über einen wenige Zentimeter langen Hautschnitt ein schraubenförmiges Implantat eingesetzt. Dieses spreizt das Iliosakralgelenk auseinander, dessen Gelenkflächen sich berühren, denn die ursprünglich zwischen ihnen liegenden schützende Knorpelschicht besteht wegen Verschleiß nicht mehr. Die auseinandergespreitzten Gelenkflächen können nach dem Eingriff nicht mehr aufeinander reiben und Schmerzen verursachen. Auch die das Gelenk stützenden Bänder werden durch das Aufspreizen wieder gestrafft und erhalten so ihre Stabilität zurück. Aus etwas Blut und Knochensubstanz des Patienten oder aus Knochenersatzmaterial wird eine Art Zement hergestellt, der oberhalb des Gelenks eingebracht wird und dort festwächst. Die so entstehenden Knochenstrukturen sorgen nach der sechswöchigen Heilphase für eine solide und dauerhafte Ruhigstellung des Gelenks.
Ein Titan-Implantat, das während der Operation eingesetzt wird, sorgt dann dafür, dass die schmerzenden Knochen des Darm- und Kreuzbeins bis zur Einheilung der angelagerten Knochenspäne auf Abstand gehalten werden. Dadurch verbleiben die Knochen auf Dauer in der „richtigen“ Lage und die Spannung des Beckengürtels gleicht sich wieder dem Status vor der Erkrankung an. Da der chirurgische Eingriff fernab des Wirbelkanals erfolgt, werden Nervenwurzeln, Gefäße und Muskulatur geschont.

Ausgiebige Untersuchungen

Um andere Beschwerdeursachen im Bereich der Lendenwirbelsäule oder der angrenzenden Hüftgelenke auszuschließen, ist im Vorfeld eines Angriffs am Iliosakral-Gelenk eine ausgiebige Untersuchung unabdingbar. Zudem wird zunächst versucht, die Beschwerden durch Injektionen, manuelle Therapien oder ggf. auch durch eine Verödung der schmerzleitenden Nervenfasern zu lindern. Erst wenn alle konservativen Therapien ausgereizt und fehlgeschlagen sind, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden.

Sepp Spiegl (Quelle: www.djd.de)





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