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Bremsschlag vor Wasserwand

Jede Menge Praxis für mehr Fahrsicherheit

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Vor mir eine Wasserwand, da ist schnelle Reaktion angesagt

„Na dann los!“ schnarrt es laut und deutlich aus meinem Beifahrersitz. Ich trete aufs Gas. Erster, zweiter und dann dritter Gang. 60 Stundenkilometer zeigt der Tacho. Vor mir ein Rutschbereich. Ich steuere stur auf die kritische Fläche zu. Plötzlich schießt – wenige Meter vor mir – eine Wasserwand aus dem Boden. Rechter Fuß schafft mit größter Kraft und Schnelligkeit den Bremsschlag. Linker Fuß stemmt sich in die Kupplung. Mit kribbelndem Bremspedal (ABS) geht die Geschwindigkeit raus. Die graue Mauer rast dennoch auf mich zu.

Im letzten Moment und wenige Zentimeter vor dem Aufprall schaffe ich mit einer weichen Lenkbewegung den ausweichenden Schlenker – rechts am Hindernis vorbei. Das war knapp! Erst dahinter hält das Auto voll gebremst an. Tiefes Durchatmen. Herzschlag geht runter. Gerade mal gut gegangen. Und wieder gebe ich Gas.

In meinem Beifahrersitz meldet sich regelmäßig Stephan. Seine Stimme kommt über das Funksprechgerät, das ich im Sicherheitsgurt festgeklemmt habe. Trainer Stephan hatte uns das für dieses ADAC-Fahrsicherheitstraining empfohlen. Denn „bei einer Vollbremsung fliegt einem das Gerät eben nicht um die Ohren“. Wir, das sind sieben Männer und drei Frauen zwischen 60 und 82, die im „Training 60+“ ihre Fahrzeuge in Grenzsituationen bringen möchten. Wir wollen austesten, was wir uns zumuten können, wie schnell wir noch reagieren. Manche haben Unfälle hinter sich. Einige bekamen den Kurs von ihren Kindern geschenkt. Also etwas wie Fürsorge mit dem Zeigefinger!?

„Immer weit nach vorne schauen“

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Erste Anweisungen von Stephan

Als Eingewöhnung in das weitläufige Gelände drehen wir Slalom-Runden zwischen kleinen rot-weißen Hütchen. Schnell wird allen klar, dass hier nichts ohne die Anweisungen von Stephan geht. Er sagt an, wann gestartet werden kann. Sicherheit geht über alles.

Runde für Runde wird schneller und sicherer gefahren. „Nicht auf die Pylone, aber weit nach vorne schauen“, mahnt Stephan wiederholt über Funk. Plötzlich fliegt ein Hütchen durch die Luft. Stephan hört den Fahrer vor sich hin schimpfen. Der Trainer hatte uns vor dem Start in das Fahrabenteuer beruhigt: „Ich kenne alle Flüche!“

Stopp kommt jetzt als Aufforderung an alle über den Äther. Die Fahrer der einen Gruppe steigen zu den anderen ein. Hoch interessant, was die Beifahrer so alles beobachten. Da wird im Lenkrad über Kreuz gegriffen. Es gibt eine Ablenkung durch ein nicht abgeschaltetes Handy – na und schließlich die unterschiedlichen Haltungen am Steuer…

Die Karawane hält exakt am vorgegebenen Punkt. Nun heißt es leider wieder raus aus dem warmen Cockpit. Im Freiluft-Dialog lässt Stephan sich von den jeweils beobachteten Sitzgewohnheiten berichten. Er sieht so einiges an Korrekturbedarf. Nie aber vergisst er – wie den gesamten Tag über – angemessen und stets mit einer Prise Humor kräftig Lob zu verteilen. Mit seiner aufmunternden Stimme wächst unsere Seniorengruppe schnell zusammen, verlieren sich Ängste.

Horror durch falsche Sitzpositionen

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Stephan erklärt bestimmt die Sitzposition

Aus dem Stand heraus bittet Stephan mich erneut in den Fahrersitz. „Ganz locker“, beruhigt er. „Ist das so, wie Sie es immer machen?“ „Ja“ und ich strecke meine Arme noch etwas mehr durch. Eine Angewohnheit aus jungen Jahren: Vermeintlicher Rennfahrerstil und auf lässige Wirkung bedacht. Stephan korrigiert freundlich, aber bestimmt meine Sitzposition: Mit dem Sitz näher ans Lenkrad, Arme müssen angewinkelt sein, Beine ebenfalls. Hände bleiben fast immer auf „Viertel vor Drei“. Daumen nicht locker durch das Lenkrad stecken.

Innerhalb einer Minute bleibt nichts mehr von meinem Jahrzehnte gepflegten Sitzstil übrig.
Stephan berichtet sehr eindringlich Erfahrungen von Rettungssanitätern. Bei ausgestreckten Beinen und Armen bohrt sich schon mal der Knochen durch die Hüfte in das Sitzpolster oder die Armknochen der Schulter stecken in der Armlehne. Angewinkelte Beine haben bei Notbremsungen mehr Kraftreserven. Ich zwänge mich aus dem für mich nun eng gewordenen Cockpit heraus und bin, wie man so schön sagt – noch kleiner mit Hut.

Wie ein Hammer auf die Bremse

Und wenig später heißt es wieder: „Herr Buchholtz, bitte an die Haltelinie vorfahren…und los geht`s!“ Auf Kommando rase ich erneut aufs „Glatteis“. Diesmal schießt die Wassermauer an einer anderen Stelle hoch – und die Lücke bietet sich links an. Im richtigen Autofahrerleben könnte dies ein Wildwechsel sein. Bei einem ungebremsten Aufprall kann ein größeres Tier schon mal gegen oder sogar durch die Windschutzscheibe fliegen. Die Folgen für Fahrer und Beifahrer sind dann schwer.

Stephan hatte uns eingetrichtert: „Wie ein Hammer mit dem Fuß auf die Bremse schlagen – nicht drücken!“ Bei solchen Situationen geht es immer um Geld, Verletzungen oder sogar das Leben. Stephan wird nicht müde, uns immer wieder auf solche Konsequenzen hinzuweisen.

Ich gehe in die Eisen. Diesmal vergesse ich auch das Drücken der Kupplung nicht. „Gut gebremst“, lobt Stephan über Funk. „Aber denken Sie dran: Härter bremsen geht immer.“ Und ich stelle mich wieder hinter der jetzt startenden Teilnehmerin an. „Weiter geht´s und nächster kommt!“ tönt es über Funk. Meine Vorderfrau lässt den Motor aufheulen und zischt ab auf die Rutschfläche.

Selbstkritik zu verzögerten Reaktionszeiten

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„Wie ein Hammer mit dem Fuß auf die Bremse schlagen – nicht drücken!“

Jeder hat die Gelegenheit, mehrmals über diesen Parcour zu fahren. Wir Senioren werden immer mutiger, uns mit unseren teuer erworbenen Fahrzeugen auf die nasse Rutschbahn zu wagen. Spaß und Stolz wachsen. Manch einem kann es gar nicht schnell genug gehen, um wieder auf die „Rennstrecke“ zu kommen. Dann ruft Stephan uns alle an die Haltebox. Kurzer Austausch der Erfahrungen. Wir sind ein Stück in unsereren fahrerischen Leistungen gewachsen. Auch Selbstkritisches über verzögerte Reaktionszeiten kommt aus der Runde.

Der Mittagshunger treibt uns in den Pavillon am Rand der Übungsflächen. In aller Ruhe stärken wir uns bei einem der drei am Morgen vorbestellten Gerichte. Fachsimpeln, Erlebnisberichte aus jahrzehntelanger Fahrpraxis, Austauschen von Adressen gehören dazu. Und schon geht es wieder raus auf die Teststrecken. Wir trainieren das Bremsen auf unterschiedlichen Untergründen – und simulieren damit das Fahren im Winter, auf Laub oder einer Ölspur. Dabei tendiert der Wagen bekanntlich immer zu einer Seite. Es gilt: Die Hände stets fest am Lenkrad und Spur halten.

Und wir gehen anschließend alle mal in die Hocke, um zu erleben, wie es ein Kind erlebt, wenn ein Auto mit 70 Stundenkilometern heranrast. Alle Kursteilnehmer sind beeindruckt und nehmen sich vor, in Zukunft noch vorsichtiger zu fahren.

Im Labor die Grenzen erfahren

Wir sind jetzt fünf Stunden in Action. Die vielfältigen Anspannungen kosten Kraft. Aber bei der Aussicht, auf rutschiger Fahrbahn und im Kreisverkehr den eigenen Wagen an seine Grenzen zu powern, sind alle wieder hellwach. Stephan ermuntert uns nach einigen Testrunden „an und über die Grenzen zu gehen.“ In der Wirklichkeit könnten wir beispielweise mit erhöhter Geschwindigkeit in eine Autobahnabfahrt fahren.

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“Sie haben nur ein Auto und nur einen Versuch!“

Stephan macht uns unmissverständlich für diesen Fall der Fälle klar. “Sie haben nur ein Auto und nur einen Versuch!“ Glücklicherweise bleibt es hier unter den Laborbedingungen relativ gefahrlos. Stephan erinnert uns nochmals an die Stellschrauben, um die Ausbrechgefahr zu bannen: Gas weg, Kupplung treten, bremsen, lenken.

Dass die Konzentration trotz ausgeprägter Drehfreude langsam nachlässt, ist nicht zu übersehen: Einige fahren mehrfach an der falschen Ausfahrt aus dem Kreisel. Geduldig spricht Stephan sie wieder auf die richtige Bahn zurück. Und es kommen ganz plötzlich Wasserwände an unterschiedlichsten Stellen aus dem Boden. Gelingt das Ausweichen nicht, ist wieder der Hammerschlag angesagt.

Alle wollen künftig langsamer fahren

Schlag 18 Uhr endet auch das intensive Lernpensum auf dem sehr gepflegten und weitläufigen Freigelände. Im Seminarraum sind sich alle wie im Chor einig: Sie wollen zukünftig langsamer fahren. Uns ist im „Training 60+“ sehr anschaulich klar geworden, dass fünf Stundenkilometer zu schnell schon ein Leben kosten kann.

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Abschlussgespräch nach einem intensiven Lernprogramm

Wir können jetzt unsere Grenzen besser einschätzen. Es hat allen sehr viel gegeben und richtig Freude gemacht. Dieser praktische Tag zwischen Gischt und Nebel, diese lehrreichen Stunden mit stets gut verdaulicher Theorie brachten eine Fülle von Aha-Erkenntnissen. Sie waren ohne Einschränkung das Geld wert.

Der eine oder andere Teilnehmer schließt die Tür hinter sich mit dem festen Vorsatz, den Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen und vielleicht hier auch an einem weiterführenden Lehrgang teilzunehmen.
Dieter Buchholtz

 

Tipps von Stephan

Luftdruck Reifen
Häufiger den Luftdruck prüfen! Bei weniger Druck verkleinert sich die Auflagefläche und der Bremsweg wird länger. Den Druck nach zwei bis drei Tankfüllungen prüfen. Optimaler Druck spart auch Benzin.

Alter der Reifen
Winterreifen sollten nicht länger als vier Jahre und Sommerreifen nicht länger als sechs Jahre gefahren werden. Herstellungsdatum ist entscheidend. Man findet es an den Reifenseiten (DOT xxxKW/Jahr). Und es gilt: Zur richtigen Zeit die richtigen Reifen fahren.

Profil der Reifen
Mindestens 1,6 mm Profiltiefe ist gesetzlich vorgeschrieben (Die Noppen in der Mitte zeigen, wann die Mindesprofiltiefe erreicht ist).

„Wir lassen nicht locker“

Tueck

ADAC-Fahrsicherheitszentrums-Betreiber Michael Tück

Interview
mit Geschäftsführer Michael Tück

rantlos: Was bieten Sie Ihren Kunden?
Tück: Bei uns wird der Kunde optimal gefordert und gefördert. Wir lassen nicht locker, bis das bestmögliche Ziel erreicht ist.
rantlos: Was bietet das Fahrsicherheitszentrum?
Tück: Wir bieten mit sechs Trainingsmodulen auf sechs Hektar Fläche höchste Qualitätsstandards. Dazu gehört ein außerordentliches Leistungsspektrum für Privat- und Großkunden.
rantlos: Was konkret bringt das Fahrsicherheitstraining?
Tück: Bei uns machen die Teilnehmer Erfahrungen, die sie sonst meiden. Hier fliegen sie aus der Kurve oder kommen auf glatter Straße ins Rutschen. Die Erkenntnisse aus diesen Erfahrungen setzen wir in Vertrauen in sich selbst um. Sogar nach traumatischen Erlebnissen im Straßenverkehr schaffen es die Teilnehmer, neues Vertrauen zu gewinnen und neu zu starten.
rantlos: Wer hier rausgeht, kann alles…?
Tück: Nein. Ein Fahrsicherheitstrainung heißt nicht, dass man im Anschluss alles kann. Aber auch das Wissen darüber, was nicht möglich ist, macht viele Teilnehmer zu besseren Autofahrern.

rantlos: Was bieten Sie, dass sich der Teilnehmer im Fahrsicherheitstraining wohl fühlen kann?
Tück: Unser Team besteht aus qualifizierten Fachkräften. Alle haben eine extrem aufwändige, hoch qualitative Ausbildung durchlaufen. Die Trainer bekommen auch eine pädagogische Ausbildung mit u.a. dem Ziel, den Teilnehmern Ängste zu nehmen, Vertrauen auszubauen und das individuelle Höchstziel auszuloten.

rantlos: Spielt das Arbeitsklima eine Rolle?
Tück: Unser länstgjähriger Mitarbeiter ist seit 1995 im Team. Ich selbst habe meine Laufbahn in diesem Unternehmen über die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining begonnen. Die gesamte Unternehmenstruktur ist geprägt durch klar definierte Zuständigkeitbereiche, Transparenz, ein verständnisvolles Miteinander, Innovation und Tradition. Die hochwertige Qualität der Anlage ergänzt das kundenoriente Angebot.

Weitere Informationen unter folgenden Links:

ADAC – Fahrsicherheitszentrum Weilerswist

ADAC

Video des ADAC-Fahrsicherheitszentrum Lüneburg

Der Film des Fahrsicherheitszentrum Brunner:




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