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Milliarden für die Altenpflege

277 Mio. Menschen werden Hilfe benötigen – 447 Mrd. Euro an Kosten

Deutschland

2,5 Millionen Menschen in Deutschland galten im Dezember 2011 als pflegebedürftig

Der Mensch als Pflegefall. Viele schieben diese Vorstellung weit von sich. Dabei kann es jeden treffen, in jedem Alter, durch Krankheit, einen Unfall oder weil mit den Lebensjahren die Kräfte schwinden. Dennoch sind es natürlich überwiegend die alten Menschen, die Sorgen machen. Seit Jahren schon ist eine Überalterung der deutschen Bevölkerung zu beobachten. Und klar – je mehr alte Menschen es gibt, desto größer wird der Bedarf an Hilfe.

Pflegebedürftig nach dem Gesetz

Jeder, der “wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens” Hilfe braucht, ist pflegebedürftig. So jedenfalls sagt es in umständlichem Behördendeutsch Paragraph 14 des Pflegeversicherungsgesetzes. Einfach ausgedrückt: Wer pflegebedürftig ist, hat Anspruch auf Hilfe. Zu diesem zitierten “Ablauf des täglichen Lebens” gehören so (für Gesunde) scheinbare Selbstverständlichkeiten wie sich waschen, zur Toilette gehen, sich an- und ausziehen, einkaufen gehen oder die Wohnung sauber halten. Das kann für Familien zu einer großen Belastung werden. Die pflegenden Angehörigen müsse nicht selten sogar den Beruf aufgeben.

Die Anzahl pflegebedürftiger älterer Menschen wird sich bis 2050 weltweit fast verdreifachen, wie Alzheimer’s Disease International, ermittelt hat. Derzeit brauchen 101 Millionen Menschen Pflege. Diese Zahl soll jedoch auf 277 Millionen ansteigen. Viele der Betroffenen leiden an Demenz. Die Wissenschaftler warnen davor, dass es sogar zu einer weltweiten Alzheimer-Epidemie kommen könnte. Nach Schätzungen werden besonders betroffen Länder wie Indien und China sein. Aus diesem Grund müssten bereits Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Alzheimer-Epidemie droht

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Risiko-Pflegefall

Alzheimer gilt als die häufigste Ursache für eine Demenz. Zu den Symptomen gehören ein Verlust des Gedächtnisses sowie Schwierigkeiten in der Kommunikation, Argumentation und körperliche Koordination. Mehr als 35 Millionen Menschen leiden laut Weltgesundheits-Organisation (WHO) derzeit weltweit an einer Demenz. Über die Hälfte der Betroffenen lebt in einkommensschwachen Ländern oder solchen mit allenfalls mittleren Einkommen.

 

Viele Milliarden Kosten

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Pflege durch die Familie

Die Behandlung und Pflege von Menschen mit Demenz kostet derzeit weltweit jährlich mehr als 376 Milliarden britische Pfund (447 Milliarden Euro). Einberechnet sind dabei die Ausgabeen für die medizinische Versorgung, Pflege und die Einkommenseinbußen. Laut Martin Prince vom King’s College London’s Institute of Psychiatry, sollten vor allem Länder wie Indien und China dringend mit der Planung für den Umgang mit dieser Krankheit beginnen. Die sozialen und ökonomischen Veränderungen in diesen Staaten würden unweigerlich dazu führen, dass die Familie noch weniger als ohnehin zur Pflege älterer Menschen beitragen könne. Der Rückgang der Geburtenraten bedeute zudem, dass auch dort die Menschen weniger Kinder bekämen. Und, vergleichbar der Entwicklung in den Industriestaaten würden auch dort immer mehr besser ausgebildete Frauen einer Arbeit nachgehen und in einem geringeren Ausmaß für die Pflege zur Verfügung stehen. Die schon jetzt erfolgende Land/Stadt-Flucht junger Menschen werde dabrüer hinaus die Konsequenz haben, dass immer mehr alte Menschen zurück blieben.

Nur Politik kann Problem lösen

Die Studie gibt eine Reihe von Empfehlungen. Dazu gehört, bezahlten und unbezahlten Pflegekräften eine entsprechende finanzielle Entschädigung zu geben sowie die Qualität der Pflege in Einrichtungen und der Gemeinschaft zu überwachen. Ein Sprecher der Alzheimer’s Society, http://alzheimers.org.uk, erklärt, dass Demenz heute die weltweit größte Gesundheitskrise darstelle. “Diese Studie”, heißt es weiter, “ist ein Signal für die Regierungen aufzuwachen und schleunigst entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.” In Großbritannien findet in diesem Jahr ein G8-Gipfel (also der acht wirtschaftsstärksten Länder) zum Thema Demenz statt. Nach Darstellung von Experten ist das eine entscheidende Chance, gemeinsame Strategien zu entwickeln.

 

Sepp Spiegl




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