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Besser gemeinsam

Sie als Patient, Ihr Arzt, und die Weiten des Internet

Viele Patienten suchen im Web nach den Ursachen ihrer Beschwerden.

Die Albträume von Herrn und Frau Dr. Allgemeinmediziner(in) gehen so: Patient kommt in die Sprechstunde, fällt mit seiner selbstgestellten Diagnose ins Haus, und will ein ganz bestimmtes Medikament verordnet haben; weil: Das hilft am besten. Denn: Steht alles im Internet. Der mitgebrachte Papierstapel nebst kommentierten Graphiken unterstützt das Begehren. Da kann der Doktor nur fassungslos mit den Augen rollen und nach dem Betablocker greifen.

Die bessere Alternative: Lassen Sie dem Arzt Ihres Vertrauens doch die Chance, sich behutsam auf die neue Zeit der Arzt-Patientenbeziehung einzustellen.

Zuerst: Nur die Symptome

Auch wenn Sie schon eine Diagnose zur Hand zu haben glauben, bleiben Sie erstmal bei der Schilderung der Symptome. Keine Deutungen, keine Interpretationen, keine Ausdrucke und Ausdrücke aus dem Internet. Vor allem keine medizinischen Fachbegriffe! Es sei denn, Sie sind selbst Mediziner. Das gilt auch dann, wenn Sie sich nach Eigendiagnose schon sehr gut im Web z.B. in das Thema benigne Prostatahyperplasie eingelesen haben. Eine humorvolle Ärztin wird ansonsten Sie mit einigen Sätzen Medizinerlatein auf den Pfad der Tugend bringen, ein Kollege ohne jeden Humor könnte Sie schlicht rauswerfen.

Dann die Diagnose

Was es auch sei, nehmen Sie es zunächst einmal hin. Nachschauen im Web können Sie später dann daheim. Mal angenommen, Sie sind wegen Rückenschmerzen, die ins Bein ausstrahlen, in die Praxis gekommen, und hören nun: „Lumboischialgie“. Volksmund: Hexenschuß. Das hatten Sie schon vermutet nach ein paar Blicken ins Web und aus praktischer Lebenserfahrung, aber das behalten sie zunächst mal für sich.

Und dann die Therapie

Vermutlich wird Ihnen ein passendes Schmerzmittel verordnet nebst dem Rat, Bewegung sei nötiger denn je. Ihre Vorstudien legen ein Mittel zur Muskelentspannung nahe. Und schon liegt Ihnen auf der Zunge: „Wie wäre es denn mit einem Muskel-Relaxans, Frau Doktor?“ Schlucken Sie’s besser wieder runter und fragen stattdessen: „Das fühlt sich alles so hart an im Rücken, können wir das irgendwie lockern…“? Schon haben Sie das mögliche Ärgernis entschärft und nebenbei Ihrem Arzt die Wahl (sprich: Therapiefreiheit) gelassen, die geeignete Maßnahme zu wählen. Clevere Mediziner binden übrigens den Patienten ein, indem sie ihm eine Auswahl lassen (Wärmepflaster oder Medikament zur Muskelentspannung?).

Und was können Sie dann – wieder daheim – tun?

Risiken und Nebenwirkungen des Beipackzettels

Dürfen Ärzte Patienten per Online-Sprechstunde behandeln, ohne sie gesehen zu haben? Das Gesundheitsministerium warnt jetzt vor Risiken bei DrEd.com.

Bei den möglichen Nebenwirkungen werden Ihnen eine Vielzahl von Nennungen begegnen. Schreck beiseite, dies hat rechtliche Gründe in Bezug auf die Haftung des Herstellers. In meinem beruflichen Vorleben arbeitete ich mal in der Recherchegruppe für wissenschaftliche Literatur eines Pharmaunternehmens. Ein damals zum Spaß erstellter „Waschzettel“ für Vollmilch-Nussschokolade als vermeintliches „Medikament“ hat mindestens diese ungewünschten Nebenwirkungen genannt: Gewichtszunahme bei Überdosierung, Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit durch Glücksgefühle, Bluthochdruck, allergischer Schock durch Spuren von Nüssen, beschleunigte Verdauung bei Lactose-Intoleranz, Appetitlosigkeit nach dem Verzehr…Sie verstehen?

Natürlich können Sie sich in Wikipedia und Patientenforen „schlau machen“, welche Erfahrungen andere mit Ihrem Präparat gemacht haben. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Patienten und Geschlechtern: Was der eine problemlos verträgt, bekommt der anderen nicht. Auch das Internet ändert daran nichts.

Der Arztbrief und seine Dechiffrierung

Sie waren beim Facharzt oder in der Klinik für eine Untersuchung und nun haben Sie den Arztbrief (an Ihre Hausärztin z.B.) in der Hand. Den dürfen Sie natürlich lesen, denn Sie sind der Eigentümer. Im Brief steht eine Menge Medizinerlatein und die Diagnosen nach der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten ICD-10. Bei der Entschlüsselung helfen Ihnen

http://befunddolmetscher.de/

https://washabich.de 

http://www.icd-code.de/icd/code/ICD-10-GM-2013.html .

Selbst ist die Hilfe

Falls es sich um etwas Chronisches handelt, ist man bei Leidensgenossen zwecks Erfahrungsaustausch gut aufgehoben. Wem diverse Foren im Web nicht genügen, sucht sich die passende Selbsthilfegruppe in der Nähe. Bei Google bietet sich z.B. diese Suchformulierung an: Selbsthilfegruppe Diabetes Bonn .

Beziehungspflege

Sie sind im Vorteil – denn Sie kümmern sich um Ihr Krankheitsbild allein, Ihr Arzt hingegen muss sich um viele kümmern und die Kenntnisse laufend aktualisieren. Erleichtern Sie ihnen beiden die Aufgabe. Was Sie sagen, muss stimmen – aber Sie müssen nicht alles sagen, was Sie aus dem Netz gezogen haben!

Thomas Dore




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