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Gesunde Herzen am Amazonas

14 Prozent der Energie wird in Form von Eiweiß konsumiert – vor allem aus Fisch

Das Leben im Regenwald ist hart: Der Alltag der Indianer vom Volk der Tsimane, die weitab der Zivilisation am Amazonas leben, ist ein fortwährender Kampf. Das Getreide, das sie auf den kargen Böden anpflanzen, wächst nur schlecht und der Anbau kostet große Mühen. Fisch ist rar, und auf der Jagd nach frischem Fleisch müssen große Strecken zurückgelegt werden. Doch die Entbehrungen haben auch eine positive Seite – die Tsimane haben die gesündesten Herzen der Welt.

Dies haben US-Forscher festgestellt, die sich für das Wechselspiel zwischen Lebensumständen und Herz-Kreislauf-System interessierten. Für ihre Studien reisten sie auch in den bolivianischen Teil des Amazonas-Becken und untersuchten fast alle Tsimane, die älter als 40 Jahre waren – insgesamt nicht mehr als 705 Indianer.

Bluthochdruck und Arteriosklerose fast unbekannt

Im Fachmagazin Lancet (http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)30752-3) veröffentlichten die Forscher das erstaunliche Ergebnis: Das Herz eines 80-jährigen Tsimane gleicht dem eines 50-jährigen US-Amerikaners. An Bluthochdruck und Arteriosklerose litten die wenigsten, Übergewicht war fast unbekannt. Bei keiner anderen Volksgruppe der Welt sind Forscher je auf bessere Werte gestoßen.

Hoher Blutdruck – Arteriosklerose – Herzinfarkt @freepik

Auch wenn die genauen Gründe noch unklar sind, hegen die Forscher eine Vermutung: Der vorindustrielle Lebensstil der Tsimane – geprägt durch Jagen, Sammeln, Fischen und etwas Ackerbau – bewahrt ihren Kreislauf vor den negativen Auswirkungen der Zivilisation. Eine wichtige Rolle spielt dabei ihre Ernährung, die arm an Fett und rotem Fleisch, dafür reich an Getreide und pflanzlichen Produkten mit einem hohem Anteil an Ballaststoffen ist. Und so sind auch die Blutwerte für Zucker und Fett durchgängig niedrig.

 

Gesundes Essen, viel Aktivität und kein Nikotin

Positiv wirkt sich wohl auch das hohe Maß an physischer Aktivität aus. Während Menschen in den westlichen Länder fast die Hälfte des Tages im Sitzen verbringen, sind die Tsimane fast durchgängig auf den Beinen. Und nicht zuletzt ist vermutlich auch der weitgehende Verzicht auf Zigaretten ein wichtiger Faktor: Nur ein kleiner Teil der Tsimane raucht, und selbst dieser konsumiert kaum mehr als zehn Zigaretten im Monat.

Viel Bewegung, fettarmes und ballaststoffreiches Essen, keine Zigaretten, wenig Alkohol – das deckt sich mit Ratschlägen von Experten, wie man mit einfachen Maßnahmen zu hohen Blutdruck senken und Folgeerkrankungen wie Arteriosklerose vermeiden kann. Auch wenn niemand den harten Alltag der Amazonas-Indianern teilen möchte: Wer sich ihr Beispiel ein kleines Stück weit zu Herzen nimmt, wird seinem Kreislauf einen großen Gefallen tun.

Volker Henn                                       Titelfoto: Bluthochdruck – Risikofaktoren ©freepik
www.wissensschau.de

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