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Wir sind die Neuen

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Michael Wittenborn, Gisela Schneeberger und Heiner Lauterbach, die Alten-WG

Die etwa 60 Jahre alte Schnee-Eulen-Expertin Anne (Gisela Schneeberger) findet ihr Leben nicht mehr so aufregend wie mit 20. Sie hat in ihrem Leben keine Karriere, geschweige denn, das große Geld gemacht. Aus der viel zu teuren Wohnung in München muss sie raus und überlegt, wie es weitergehen soll. Da kommt sie auf die Idee, die WG von einst aus alten Studententagen, wieder zu beleben. Sie sucht ihre einstigen Mitbewohner auf und tatsächlich, Johannes (Michael Wittenborn und Eddi (Heiner Lauterbach) finden die Idee klasse und geben ihr Singleleben auf. Im angesagten Berliner Kiez, finden sie in einem Mietshaus eine passende Wohnung. Im Haus über ihrer Wohnung lebt ein jüngeres WG-Trio, Katharina (Claudia Eisinger), Thorsten (Patrick Güldenberg) und Barbara (Karoline Schuch) konfrontierten sie mit einer komplett anderen Lebensauffassung. Sie verstehen keinen Spass, denn sie büffeln für Klausuren und Examen und können alles gebrauchen, bloß keine lustigen und lauten Nachbarn. Von politischen Überzeugungen, freier Liebe und anderen 68er-Idealen könnten die karrierefixierten Spielverderber kaum weiter entfernt sein, sie sind die selbstbewusste Generation Laptop von heute und verkünden genervt den Alten: Wir haben unsere Zukunft noch vor uns und so entspinnt sich ein Generationenkrieg mit umgedrehten Vorzeichen: Die Jungen beschweren sich, weil die Alten zu lange feiern oder zu laute Musik hören.

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Karoline Schuch, Claudia Eisinger und Patrick Güldenberg, die Jungen-WG

Aus diesem Aufeinandertreffen der Generationen hat Regisseur Ralf Westhoff eine höchst intelligente Komödie über Lebensträume, Lebenswege und Lebenswirklichkeiten gemacht. Seine scharfzüngigen Dialoge haben Witz und Pfeffer. Herrlich frech und zuweilen böse läßt er die Generationen aufeinander treffen – und die jeweiligen Vorstellungen und Gewohnheiten gehörig durcheinanderwirbeln. Die „Alten“ werden mit jugendlichen Attributen versehen, sie tanzen, trinken oder spielen Frisbee, während die „Jungen“ sich für „traditionelle Werte“ einsetzen, ewig nicht mehr auf einer Demo waren und unter Rückenproblemen leiden. Ganz wie in einer Sitcom hat man ein fest umrissenes Ensemble, die üblichen WG-Konflikte („Wer hat meinen Joghurt gegessen?“) und ein schnell vertraut wirkendes Vokabular, das auf die besonderen Merkmale abgestimmt ist („Hört endlich auf mit diesem Pflegefall-Gesülze!“).

Flott und flüssig von lockerer Hand erzählt, weiß Regisseur und Drehbuchautor Ralf Westhoff seine Pointen über das Jungsein und das Älterwerden genau zu setzen. Und wie nebenbei streut er unzählige herrliche Gags ein, von Fotos auf Schuhkartons etwa, die in der Garderobe für Ordnung sorgen, von Handy-Kameras, mit denen man nie wieder vergisst, ob der Herd auch wirklich aus ist, und vielesTitel dergleichen mehr.
Grandios sind seine wie auch in den bisherigen Filmen perfekt zusammengestellten Figuren – die von Gisela Schneeberger, Michael Wittenborn und Heiner Lauterbach als Alt-WGler und von Claudia Eisinger, Karoline Schuch und Patrick Güldenberg als Jung-Studenten mit großer Spielfreude zu Leben erfüllt werden. Sie repräsentieren unterschiedliche Typen und sind doch lebensechte Menschen mit Herz und Charakter. Am Ende haben sie tatsächlich zueinander gefunden und alle ein bißchen auch zu sich selbst. Oder wie Gisela Schneeberger es am Ende sagt: Manchmal gibt es Tage, da ist man dem Sinn des Lebens weit entfernt, aber manchmal gibt es Tage, da kann man ihm ein klein wenig näher rücken.

Fazit: Ein wunderbarer, warmherziger-witziger Film für Jungstudenten und alle schon etwas älteren Semester

Sepp Spiegl

 

Deutschland 2014
Regie und Buch: Ralf Westhoff
Darsteller: Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach, Michael Wittenborn, Claudia Eisinger, Karoline Schuch, Patrick Güldenberg
Verleih: X Verleih, Vertrieb: Warner
Kinostart: 17.7.2014




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