- Anzeige -
Jogging-Point

St. Vincent

Vincent-05

Vincent (Bill Murray)

Der 12-jährige Oliver (Jaeden Lieberher) zieht mit seiner alleinerziehenden Mutter Maggie (Melissa McCarthy) in ein neues Haus nach Brooklyn. Weil Maggie beruflich sehr eingespannt ist und Überstunden machen muss, bittet sie ihren Nachbarn Vincent (Bill Murray), in ihrer Abwesenheit ein Auge auf ihren Sohn zu haben. Der griesgrämige Rentner entpuppt sich als nicht der geeignetste Babysitter, hat ein Faible für Alkohol und Glücksspiel. Vincent macht den Jungen mit Personen wie der schwangeren Stripperin Daka (Naomi Watts) bekannt und schleppt ihn von einer Erwachsenenveranstaltung zur nächsten, ob Nachtclub, Rennbahn oder Bar. Langsam entsteht zwischen Vincent und Oliver eine Art Vater-Sohn-Beziehung. Der junge Mann lernt mehr vom ehrlichen und direkten Alten, als dieser überhaupt beabsichtigt.

Dass „St. Vincent“ in dieser Tradition bestens bestehen kann, verdankt sich nicht zuletzt der generationsübergreifenden Chemie zwischen Murray und Newcomer Jaeden Lieberher. Denn der von Lieberher gespielte Oliver ist zum Glück keiner dieser zuckersüßen Fratzen, die es so wohl eh nur im Kino gibt. Sondern ein empathischer, ernster Junge, der mit der Scheidung seiner Eltern und einer veränderten Lebensumgebung hadert.

ST. VINCENT

Bill Murray und Jaeden Lieberher

Als melancholischer Misanthrop mit mehr als einem Familiengeheimnis zeigt sich Bill Murray so spielfreudig und vielseitig wie selten. Fast vierzig Jahre sind seit seinem Durchbruch als Ensemblemitglied der legendären Fernsehshow „Saturday Night Live“ vergangen, und hier lässt er lustvoll verschiedene Facetten seiner Karriere durchscheinen. So blitzt im rauchenden, trinkenden und fluchenden Vincent die anarchische, tänzelnde Verve des jungenhaften Starkomödianten aus „Stripes“ (1981) oder „Ghostbusters“ (1984) ebenso auf wie der Charme von Murrays widerwilligem Romantiker in „Groundhog Day“ (1993) und der perfekte Minimalismus jener stoischen Helden, denen er in Filmen von Jim Jarmusch, Sofia Coppola und natürlich Wes Anderson denkwürdig Gestalt verlieh. Insbesondere Andersons frühes Meisterstück „Rushmore“ (1998), in dem Murray als einsamer Industriekapitän Herman Blume eine späte Herzensbildung durch die Freundschaft zu dem linkischen Teenager Max Fischer (Jason Schwartzman) erfährt, darf als Inspiration für Melfis Film gelten.

Auch wenn „St. Vincent“ ungleich konventioneller erzählt ist und einige dramatische Wendungen arg voraussehbar sind: Es bleibt dennoch ein reines Vincent-06Vergnügen zu sehen, wie Bill Murray mit unnachahmlicher Nonchalance Dosensardinen als Sushi serviert, und wie aus einer Handvoll verlorener Menschen eine liebenswert defizitäre Ersatzfamilie entsteht. Wenn diese sich am Esstisch versammelt, ist klar: Nichts ist heilig, alles wird gut.

Sepp Spiegl

 

St. Vincent

USA 2014
Buch und Regie: Theodore Melfi
Darsteller: Bill Murray, Melissa McCarthy, Naomi Watts, Jaeden Lieberher
Produktion: Chernin Entertainment, Crescendo Productions, The Weinstein Company
Verleih: Sony
Länge: 103 Minuten
Start: 8. Januar 2015

Der Trailer:


Diesen Artkel versenden Diesen Artkel versenden