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Olga

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Bernhard Schlink: Olga

Bernhard Schlink ©Alberto-Venzago-Diogenes-Verlag

Der Klappentext kündigt vage die Geschichte einer Frau an, die kämpft und sich findet, und eines Mannes, der träumt und sich verliert. Herbert und Olga kennen sich von klein auf und verlieben sich als Teenager.

Die Beziehung steht unter einem schlechten Stern. Herbert, Sohn des Gutsbesitzers, fällt ohne Anstrengung alles in den Schoß, aber Gut und Zuckerfabrik erben will er nicht, zumal die Eltern eine Bedingung daran knüpfen: eine Schwiegertochter nach ihrem Geschmack. Die arme Waise Olga, die sich die Aufnahme ins Lehrerinnenseminar Posen erkämpft, ist das nicht. Seine Familie hintertreibt die Beziehung.

Während Olga ihren beruflichen Weg geht und auserwählten armen Kindern höhere Bildung ermöglicht, läuft Herbert lebenslang vor allem davon. Seine Liebe bleibt reduziert auf heimliche Stippvisiten bei seiner Freundin. Als Freiwilliger geht er zur Schutztruppe in Deutsch-Südwest und macht sich an der Vernichtung der Herero schuldig. Seltsam unbeeindruckt und ohne konkretes Ziel kommt er zurück. Stattdessen identifiziert er sich mit dem Größenwahn Deutschlands. Den letzten weißen Flecken auf dem Globus, die Arktis, will der Dilettant schließlich erforschen und startet eine schlecht ausgerüstete Expedition.

Den Ich-Erzähler hat Olga mit ihrer Lebensgeschichte unterhalten, als dieser ein Kind war. Lange nach ihrem Tod bekommt er Besuch von einer Journalistin. Ihr verstorbener Vater sei der Nachbarsjunge gewesen, um den sich Olga lange Jahre wie eine Tante gekümmert habe. Was verband die beiden und warum riss der Kontakt irgendwann ab? Die Antwort liefern Olgas Briefe an Herbert, die ein Antiquar zum Kauf anbietet. Im letzten Teil des Romans werden durch diese Dokumente Olgas Gefühle und Entwicklung unmittelbarer nachvollziehbar.

Schlink beschreibt Olgas Geschichte vom Hörensagen, indem er die wichtige Regel kreativen Schreibens „Show, don`t tell“ weitgehend außer Acht lässt. Folgerichtig ist der Roman minimal aufgelockert durch kurze Dialoge. Die schnörkellose Sprache erinnert an autobiografische Berichte. Die historischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts bilden die marginal angedeutete Kulisse, vor der sich ein weitgehend leidenschaftskarges Leben entfaltet.

Diogenes Verlag AG
eBook
320 Seiten (Printausgabe)
erscheint am 12. Januar 2018

978-3-257-60876-2
€ (D) 20.99 / sFr 27.00* / € (A) 20.99




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