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Wegdenken der Welt

Selbst im Restaurant gibt es die eine Welt nicht

Gabriel

Markus Gabriel

Er war 2009 mit damals 29 Jahren Deutschlands jüngster Philosophie-Professor. Seither lehrt er an der Universität Bonn. Bekannt wurde Markus Gabriel mit Buch-Veröffentlichungen über Wahnsinn und Gelächter im Deutschen Idealismus (2009), über den Skeptizismus und Idealismus in der Antike (2009) und 2012 über die Erkenntnis der Welt. Diese Weltsicht hat ihn offensichtlich gepackt, denn sein gerade erschienenes Buch erklärt, „warum es die Welt nicht gibt“. Das fordert den Leser schon mächtig heraus: das in Zweifel zu ziehen, was man objektiv sieht – oder zu sehen glaubt.

So denkt der in Remagen Geborene aktuell mal wieder über die Welt nach. Und immer, während er darüber nachdenkt, stellt er ziemlich schnell fest, dass es die Welt, über die er nachdenkt, gar nicht gibt. Für sein Gedankengebäude ist diese Erkenntnis durchgehend schlüssig. Denn die Welt selbst kommt ja in der Welt gar nicht vor. Ein Beispiel aus der Alltagserfahrung mag das verdeutlichen. Bei einem Restaurantbesuch findet Gabriel keinen Bereich, der alle Bereiche umfasst. Es gibt unterschiedliche Gruppen von Bereichen mit ihrer je eigenen Dynamik. Da ist die Welt des Servicepersonals, die Welt des Restaurantbesitzers, der Köche, aber auch der Spinne an der Decke. Die eine Welt gibt es eben auch hier nicht.

Intellektuelles Schmunzeln mit alltäglichen Beispielen

Es wird sehr viel Gedankenstoff geboten. Zuweilen lässt sich auch ein intellektuelles Schmunzeln nicht unterdrücken. Der Stoff, aus dem hier Philosophie Gabriel-01herauswächst, ist alltäglich, aber kann nicht mit alltäglichem Geist bewältigt werden. Sich in diese Gedankenwelt hineinzulesen, hineinzudenken, das ist reizvoll, aber auch ebenso anstrengend. Dennoch versucht Gabriel seinem Credo zu folgen, verständlich zu erklären.

Immerhin scheint er auch sein Publikum zu haben – bei über 20.000 verkauften Büchern. Und auch die angesagten Feuilletons – wie z.B. die ZEIT – begeistern sich für ihn als einen „Denker der Stunde, ein rheinisches Gute-Laune-Wunder wider den Nihilismus.“ Er sei besessen vom Traum, die deutsche Philosophie erneut zum „Weltmarktführer“ zu machen und vom Ruf der „Depressionswissenschaft“ zu erlösen.

Mit dem Stoff schaffte Gabriel immerhin den Sprung in die Bestsellerliste. Eine ganz praktische Erfolgserkenntnis für den Bonner Erkenntnistheoretiker…

Markus Gabriel, „Warum es die Welt nicht gibt“, Ullstein Hardcover, 2013, 272 Seiten; ISBN 978-3550080104. 18,00 €.

Anne Buchholtz




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