- Anzeige -

Slow Food Genussführer 2015

Eine Kinnerkarte gift dat hier nich. Oock die Lütten haben Anspruch auf bestes frisch gekochtes Eeten“.  Das gibt es in entsprechend angepassten Portionen für die kleinen Gäste.  So sehen das die Inhaber von “De Strunluuker” in Norddorf auf Amrum.

Solche und ähnliche Sätze findet man im neuen SlowFood Genussführer 2015. Im vergangenen Jahr erschien dieser Restaurantführer zum ersten Mal. Mit über 25.000 verkauften Exemplaren war es ein voller Erfolg. Jetzt, mit über 400 Empfehlungen von den Alpen bis zur Waterkant, geht es in die zweite Runde. Ergänzt durch bayrische Braustüberl und märkische Fischlokale, die eigentlich gar keine Speisekarte aufweisen, wächst dieser Führer der Genüsse mit dem Label:”Gut, sauber und fair“.

Hier sucht man die Sterneküche vergebens. Sterne gibt es in diesem Genussführer nicht. Die Lokale sind eher da angesiedelt, was man landläufig “gut bürgerlich” nennt. Vom Traditionsgasthaus bis zur skurilen Kneipe ist hier eine bunte Vielfalt zu entdecken. Obwohl… Michelin-Sterne-Häuser sind auch hier zu finden, wenn sie ins Konzept passen.

Slow FoodDie Kriterien von SlowFood:

  • wo die angebotenen Speisen sinnlichen Genuss bereiten und sich vom Massengeschmack deutlich abheben,
  • in denen frische und saisonale Grundprodukte aus der Region auf handwerkliche Art und Weise verarbeitet werden,
  • in denen der Koch bewusst auf den Einsatz von Aromastoffen, Zusätzen und Geschmacksverstärkern verzichtet,
  • in denen die Gerichte in der jeweiligen Region beheimatet sind und manchmal dadurch vor dem Vergessen bewahrt werden.
  • Ach ja: Bezahlbar sollte das Ganze für den durchschnittlichen Gast auch noch sein.

Über 60 ehrenamtliche regionale  Testgruppen mit mehr als 400 Mitgliedern besuchen diese Häuser in der Regel drei Mal. Auch sind fast 10% der Häuser aus dem letzten Jahr rausgeflogen. Die Gründe sind vielfältig, von der Schließung, über konzeptionelle Veränderungen bis zu massiver Kritik der Besucher. Auf der anderen Seite sind 120 neue Adressen dazu gekommen.

Bunte Bilder gibt es nicht im Genussführer

Die Beschreibung der einzelnen Genussstätten zeigt die Lage, die Geschichte, die Inhaber und natürlich das Ambiente auf. Hier spürt man, das mit viel Herzblut gearbeitet wird. Ob es Säfte aus einem benachbarten Obstbetrieb gibt, oder das Bier vom Brauhaus im Nachbarort, erfährt man hier genauso wie die Adresse eines Biohofes, der Besonderheiten anbietet. Die eigene Schlachterei ist genauso aufgeführt wie die Bienenstöcke des Inhabers. Besondere Vorlieben der Gastgeber finden hier auch einen Platz, wie gelegentlich sogar die Bezugsquellen für die verarbeiteten Rohstoffe der Speisen.  Beim Stöbern kommt es einem eher vor, in einem Reiseführer zu schmökern als in einem “Restaurantführer”.  Das es eine hessische Schneckenzucht in Beerfelden gibt, habe ich auch erst hier erfahren, genauso wie vom “Philosophen-Stammtisch” im Ochsen zu Diefenbach.

Die Beschreibungen sind so bunt und lebendig, dass mir jedenfalls die Bilder, die gar nicht vorhanden sind, nicht fehlen. Es gibt Karten der Regionen, in denen mit roten Punkten die beschriebenen Genussstätten gekennzeichnet sind. Neben der Adresse und den Kontaktdaten wird immer darauf hingewiesen, welche Öffnungszeiten gelten. Ob Kreditkarten akzeptiert werden, oder auch ein Bett für die Nacht angeboten wird ist ebenso verzeichnet wie die Platzanzahl des Hauses.

Mit fast zwanzig Euro ist dieser Führer teurer als die meisten seiner begutachteten Speisen und Getränke, die mit Preisspannen aufgeführt werden. Auch gibt es noch weiße Flecken auf der Landkarte. Der Norden kann noch etwas Zuwachs gebrauchen. Ich finde, es lohnt sich trotzdem. Mich verleitet dieser Genussführer vielleicht doch zu einer Genussreise – mit dem Rad oder meiner Vespa.

Paul Pawlowski/pp

448 Seiten, oekom verlag München, 2014
ISBN-13: 9783865816634
Preis: 19.95 €
auch als eBook erhältlich




--- ANZEIGE ---

Diesen Artkel versenden Diesen Artkel versenden