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Geschichte(n)

Wissenswertes und Amüsantes über das Bonner Palais Schaumburg

v.l.n.r.: HdG-Präsident Prof.Dr. Hans Walter Hütter, Autorin Dr. Judith Koppetsch und Kulturstaatsminister Bernd Neumann

Es ist nicht nur ein hübsches Büchlein, das von der Bonner Stiftung Haus der Geschichte (HdG) soeben herausgebracht wurde. Es vermittelt eine Menge Wissenswertes und ist – nicht unwichtig vor dem musealen  Hintergrund – locker geschrieben und daher auch vergnüglich zu lesen. „Von der Villa zum Kanzlersitz – Palais Schaumburg“, heißt der jüngste Titel aus der Publikationsreihe „Zeitgeschichte(n)“. Dr. Judith Koppetsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim HdG, lässt darin die wechselvolle Historie jenes herrschaftlichen Gebäudes am Rhein Revue passieren, das rund ein halbes Jahrhundert lang entweder vollständig (von 1949 bis 1976) oder, nach der Fertigstellung eines Neubaus (Helmut Schmidt: „Charme einer rheinischen Sparkasse“), als repräsentativer Annex die politische Schaltstelle zunächst des westdeutschen Teilstaats und dann auch des wieder vereinigten Deutschlands war.

Judith Koppetsch (Jahrgang 1963) ist tief in die Archive eingestiegen, hat viel gelesen, aber auch zahlreiche Zeitzeugen interviewt. Herausgekommen ist eine Art zweigeteiltes Ergebnis. Nämlich die wechselvolle Geschichte und deren Ereignisse vom Bau der ursprünglichen Fabrikantenvilla über die glanzvollen Jahre im Besitz von Kaiser Wilhelms II Schwester Viktoria und ihres ersten Mannes, Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe, bis zur Besetzung durch die Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg. Und danach das Geschehen mit und unter den Bundeskanzlern Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und (wenn auch nur noch für ein Jahr) Gerhard Schröder. Tatsächlich ist Angela Merkel die erste Regierungschefin in Nachkriegsdeutschland, die nicht unmittelbar mit dem Palais Schaumburg verwoben ist.

Zeitreise durch die Nachkriegspolitik

Besonders in den „politischen“ Abschnitten des Büchleins nimmt die Autorin die Leser mit auf eine Zeitreise durch die westdeutsche Nachkriegsgeschichte und ihre führenden Gestalter. Aber herausgehoben werden dabei nicht deren mehr oder weniger großen Taten oder Pleiten. Untermalt durch zahlreiche Fotos, wird der Scheinwerfer vielmehr gelenkt auf  die doch sehr unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Bundeskanzler, die sich gleichermaßen bemerkbar machten im Umgang mit ihrer Umwelt als auch hinsichtlich von Mobiliar und Einrichtungsgegenständen. Mit Vergnügen liest man, beispielsweise, den Kleinkrieg zwischen Adenauer und dem Ende der vierziger Jahre mit der Renovierung des Palais und dessen Ausstattung beauftragten Architekten Hans Schwippert um den Schreibtisch des Kanzlers; natürlich obsiegte am Ende der „Alte“. Was findet sonst nicht noch alles Erwähnung? Ludwig Erhards Zigarren und seine Leidenschaft für Fußball. Kiesingers umfassende literarische Bildung, aber auch die von ihm angeordnete Kabinettsitzung im Bonner Hochsommer unter der Platane im Park. Es wäre schade, zu viel zu verraten; der Bücherfreund soll nicht um das Vergnügen gebracht werden, sich Bedeutendes und Schnurriges selbst zu er-lesen. Empfohlen wird es hiermit jedenfalls.

Die Lektüre bietet sich, nicht zuletzt, auch wegen der bevorstehenden Erneuerungsarbeiten an. Nach den Worten des für das Palais Schaumburg zuständigen Kulturbeauftragten der Bundesregierung, Bernd Neumann, wird der Komplex nämlich von August dieses Jahres an für geschätzt 6,5 Millionen Euro gründlich saniert. Dauer: Vermutlich zwei bis drei Jahre.

Ku

Autorin:

Dr. Judith Koppetsch

Herausgeber:

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn

Preis:

9,90 Euro

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