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Ferienschmöker: Victoria-Report

Mara Podolski ist Journalistin. Den zumeist weisungsgebundenen Job bei einer Dresdner PR-Agentur hat sie, obwohl knapp bei Kasse, hingeschmissen. Sie möchte ihren Traum vom unabhängigen und unbestechlichen Journalismus leben. Bei ihren Recherchen stößt sie im ostafrikanischen Tansania am Victoriasee auf die kriminellen Machenschaften eines internationalen Großkonzerns der Lebensmittelindustrie.

Mara Podolski

Der Plot
Nach einer Verhaftung kommt sie aus einem tansanischen Gefängnisloch frei und kehrt nach drei  Monaten nach Dresden zurück, wo sie ihren Lebenspartner und den gemeinsamen minderjährigen Sohn weit länger als geplant zurückgelassen hatte. Im Gepäck aber hat sie ihren investigativen Bericht, den „Victoria-Report“. Darin deckt sie die Verquickung des Nahrungsmittelmulties „Royal Diners“ – real existierende Großkonzerne anderen Namens lassen grüßen – mit korrupten Politikern, Kindesmißbrauch zu „Forschungszwecken“ und Waffengeschäften auf. Bei dem Versuch, den Report zu veröffentlichen, läuft Mara freilich an den maßgeblichen Medienstandorten in Deutschland vor die Wand. Nachdem sie sich auch mit Geld nicht aufhalten läßt,  muß sie bald erkennen, daß interessierte Kreise aus Wirtschaft und Politik mit härtesten Bandagen und dem Einsatz dumpf-rabiater Muskelmänner sie von ihrem Vorhaben abzubringen versuchen, das ERgebnis ihrer Arbeit öffentlich zu machen. Doch nicht nur sie, auch ihr Lebenspartner, der Vater ihres Sohnes, ihre mutige „Oma Mecklenburg“, Freunde und Bekannte werden existentiell bedrängt. Selbt früherer Chef, Paradebeispiel eines Opportunisten, dem sie sich vertrauensvoll um Rat fragend offenbarte, läßt sich von „Royal Diners“ kaufen und spielt – verdeckt – ebenfalls gegen Mara. Als sie schließlich im Rahmen eines Lohnauftrages, den sie für den PR-Mann nochmals aus Geldmangel übernommen hat, erkennt, daß die Dunkelmänner auch vor Mord und Kindesentführung nicht zurückschrecken – ihr eigener Sohn ist widerrechtlich in einer Royal Diners „Klinik“ festgesetzt und medikamentös mißbraucht worden – wird die Journalistin zur Furie und der Showdown beginnt.

Die Protagonistin
Die Mitdreißigerin und freie Journalistin Mara Podolski ist couragiert, aber auch eine harsche Person. Spröde im persönlichen Auftritt, unbestechlich und unbeugsam, kämpft sie gegen alles, was sich vor ihr an Hindernissen aufbaut und gegen jeden, der sich ihr entgegenstellt. Sie fühlt sich ihrer Mission verpflichtet: die Kollaboration von Wirtschaftsbossen, Mainstream-Medien und Politik in der Verfälschung („Anreicherung“) von Lebensmitteln aufzudecken, die die Menschen krank machen. Sie ist so gefangen in ihrem Kampf, daß sie sich nach ihrer unvorhergesehen langen Abwesenheit in Afrika anfangs allenfalls halbherzig um das Verschwinden ihres kleinen Sohnes kümmert, bis sie erkennt, daß auch er in dem dunklen Spiel Opfer ist. Dann aber wird sie kämpfende Mutter, die alles riskiert, um ihr Kind zu retten.

Die Wertung
Titel
Der in Zürich lebende Autor C.B.Stoll, der in seinem Leben schon die unterschiedlichsten Berufe ausübte, hat mit „Victoria-Report“ einen Thriller vorgelegt, mit dem er für die erzählte Geschichte saubere Recherche beweist. Die Akteure aus Wirtschaft, Politik und Medien können, wenn auch nicht konkret („ach, der…“), so doch dem Muster nach durchaus in der Wirklichkeit wiedererkannt werden. Und auch die angesprochene Grundproblematik ist – trotz gewisser, wohl spannungsgeschuldeter Überzeichnungen –  alles andere als an den Haaren herbeigezogen: Die „Verbesserung“ von Nahrungsmitteln ist zwar in der von C.B.Stoll spannend konstruierten Form („Brain Food“) – noch nicht Realität. Tendenzen dahin stehen jedoch zu besorgen, und der Mißbrauch von Menschen in Entwicklungsländern zu Forschungszwecken ist jedenfalls aus der Pharmabranche bekannte und erschreckend bestätigte Wirklichkeit. Der Erzählstil des Autors ist gut – will meinen, ist so, wie es ein Thriller braucht. Die Sprache ist alles andere als sanft,– und auch das ist gut so. Schwächelt der Spannungsaufbau anfangs, so fesselt die Geschichte in ihrem Fortgang zunehmend und läßt den Leser letztlich nicht mehr los. Den Vergleich mit allseits bekannten Thriller-Autoren der Bestsellerlisten braucht C.B.Stoll nicht zu scheuen. Ja, das Buch ist spannend zu lesen und deswegen unbedingt eine Leseempfehlung – nicht nur – als Urlaubsschmöker.

Dietrich Kantel

C.B.Stoll, „Victoria-Report – Ein Mara Podolski-Roman“ (638 Seiten), Verlag weissbooks,   ISBN 978-3-86337-026-8

 

Mara Podolski lebt
Der Autor läßt Mara Podolski leben. Im Internet lebt Mara auf Facebook. Dort recherchiert sie, präsentiert Fragestellungen abseits des Mainstreams und lädt zur Diskussion ein. Wer mehr über Mara Podolski erfahren möchte, besucht sie am besten dort… Der nächste Mara Podolski-Roman erscheint in Kürze. Der Autor hat angekündigt, daß Mara im Folgeroman das „umkämpfte Paradies Afrika“ und die humanitäre Hilfsindustrie aufs Korn nimmt, die er als eine Industrie des Mitleids enttarnen will. Wir kommen in rantlos auf den Autor, auf sein neues Buch und auf Mara Podolski bald zurück.





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