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Außer Kontrolle

Sascha Adamek

Risiken für politische Erpressung

Sascha Adamek, renommierter Politikbuch- und Fernsehautor (Monitor) publiziert seine brisante These: Der deutschen Bundeskanzlerin gehe jedweder Respekt vor dem höchsten deutschen Staatsamt ab. Die Besetzung des Amtes nutze sie ausschließlich als Vehikel für den politischen Zweck ihrer eigenen Machtbehauptung. Dergestalt von Frau Merkel drangsaliert,  sei Horst Köhler so überraschend – für den außenstehenden Bürger – zurückgetreten. Und ein anderer wurde es erst gar nicht: Wolfgang Schäuble. Kein Politiker von mehr als durchschnittlicher Bedeutung scheint mehr vor Intrigen gefeit. Seehofers Liebschaft, Özdemirs Geldnöte, Scharpings Peinlichkeiten,  Guttenbergs Plagiatsaffäre, Steinbrücks Honorare, die jahrelang schwelenden Rotlicht-Gerüchte um Bettina Wulff zeigen auf: Ein privater Fehltritt, eine lancierte Unterstellung und schon steigt das Risiko politischer und medialer Erpressung.

Macchiavelli lässt grüßen

In seinem Buch beschränkt sich Adamek aber nicht nur auf das Deklinieren des Geflechts von Intrigen, die den menschlichen Makel bis in das Intimste ausforschen, geheime Dossiers sammeln und das Gefundene brutalst möglich nutzen, um Politiker zum geeigneten Zeitpunkt zu brechen. Der Autor geht in seiner Analyse weit darüber hinaus. Adamek selber: „Dieses Buch über die Machtmaschine will hinter die verschwommene Matrix von verdecktem Lobbyismus und Regierungspolitik vordringen. Denn wir leben in einer Zeit, in der unter dem Vorwand der Rettung von Staaten Großbanken mit Steuergeldern finanziert werden, und in der unter dem Vorwand der Rettung Europas die größte und jahrhundertealte Errungenschaft dieses Kontinents aufs Spiel gesetzt wird: Die Demokratie“. In einem erschreckend verdichteten Maße, insbesondere, seit Errichtung der Berliner Republik, ist die Politik  in ein undurchschaubares Gewebe von wechselseitigen Abhängigkeiten mit ihren Gönnern aus Wirtschaft und Finanzindustrie verstrickt.

Außer Kontrolle

Die Mächtigen in Politik und Wirtschaft sind außer Kontrolle geraten, so das – nicht nur auf Deutschland beschränkte – Fazit des Autors. Politik, Wirtschaft und Finanzindustrie schotten sich von den Bürgern ab. Ein neuer Feudalismus scheint im Entstehen, so Adamek und die Republik in Gefahr.

Der Causa Wulff ist in dem Buch etwas zu breiter Raum gegeben, wenngleich der Fall als einer der Belege über den brutalen Umgang von und innerhalb der Machtmaschine durchaus exemplarisch ist. Das wäre auch kürzer gegangen. Aber auch hier gilt wohl: Sex sells.  Davon ab ist das Buch höchst lesenswert und der Autor vermag mit intensiver Recherche und seiner intimen Kenntnis der Strukturen selbst den politisch gut informierten Leser noch in Erstaunen zu versetzen.

Dietrich Kantel

 Info

Sascha Adamek, „Die Machtmaschine“ Heyne Verlag 2013 – ISBN 978-3-453-20018-0.




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