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Der Tod fährt Audi

Ein aus der Bahn geworfener Werbetexter und ein von tödlichen Krankheiten gezeichneter Rollstuhlfahrer unternehmen eine gemeinsame Reise.

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Kristian Bang Foss

Asger (was soviel bedeutet, wie „Gottheit mit Speer“), einer der besten Werbetexter in Kopenhagen, hat sich ein dickes Problem eingebrockt. Um genauer zu sein: Er wollte mal schnell seinen Arbeitstag etwas verkürzen. Und so hat er sich kurz entschlossen aus dem Internet ein paar Bilder gezogen, zusammengebastelt und voilá, die Kampagne für den Kulturfuzzi war fertig.
Pech ist leider, dass es sich bei dem Mann auf dem Foto nicht um einen x-beliebigen Mann handelte, sondern um einen italienischen Faschisten. Von seinem Boss vor die Tür gesetzt und von seiner Freundin verlassen, fühlt sich Asger von der Welt betrogen. Mit Alkohol, Fastfood und amerikanische Fernsehserien betäubt er sich.

Als er einen Pflegejob bei einem todkranken Mann im Rollstuhl annehmen soll, der seit seiner Geburt von unendlich vielen, unerklärlichen Krankheiten geplagt wird und (sehr zur Verblüffung der Ärzte) immer noch unter den Lebenden weilt, will er sich am liebsten vor der Aufgabe drücken. Aber dann freunden sich Asger und der pflegebedürftige Waldemar an. Mit gnadenlosem Zynismus und viel schwarzem Humor betrachten sie ihr tristes Dasein. Bis Waldemar Asger zu einer verrückten Reise von Dänemark bis nach Marokko überredet, wo es einen Wunderheiler geben soll.

„Torbie el Mekki“ heißt der Wunderheiler. Der könnte helfen, behauptet Waldemar und setzt alles daran, den Heiler aufzusuchen. Mit Asger und einem altersschwachen VW-Transporter geht die Reise zwar nicht ganz ins Blaue. Aber sie führt über viele Umwege und einen Aufenthalt in einer alternativen Hofgemeinschaft in Frankreich, die sich als fast noch schlimmer entpuppt, als der gesammelte soziale Brennpunkt in der Heimat.

der-tod-faehrt-audiDoch die Zwei verfolgen hartnäckig ihr Ziel und lassen sich von nichts und niemandem abbringen – auch nicht von einem mysteriösen Audi-Fahrer, der sie mit grellen Scheinwerfern verfolgt.

Bei all dem ahnt der Leser düster, dass Waldemar nicht dumm ist und ebenso wenig leichtgläubig. Und dass die Reise vielleicht doch auch ein ganz anderes Motiv hat, als die Hoffnung auf eine Wunderheilung. “Der Tod lauerte bei ihm ständig im Hintergrund” (S. 115), weiß Asger.

Bang Foss erzählt eine Männerfreundschaft. Zwei Typen, die – oberflächlich betrachtet – unterschiedlicher kaum sein könnten, die sich auf einer Reise kennenlernen, ein Schicksal teilen und ein anderes nicht. Und die Kilometer für Kilometer mehr lernen, sich mit den Bedingungen zu arrangieren. Kristian Bang Foss lässt uns auf eine Weise an den Gedanken und Beobachtungen seines Hauptdarstellers teilhaben, dass man mitfühlt, leidet, schmunzelt, lacht.
Und was hat es mit dem mysteriösen Audi auf sich, der an den unterschiedlichsten Orten der Reise immer wieder auftaucht? Allein der Titel verrät hier, was der Audi und sein Fahrer an dieser Stelle darstellen sollten.

“Der Tod fährt Audi” ist ein herrlich unterhaltsamer, tragikkomischer Roman über eine einzigartige Freundschaft und die Abenteuer, die das Leben bis zuletzt bereithält.

Sepp Spiegl

 

Kristian Bang Foss
Der Tod fährt Audi  (Mit dem EU-Literaturpreis 2013 ausgezeichnet)
Roman

Originaltitel: Døden kører Audi
Originalverlag: Gyldendal, Kopenhagen 2012
Aus dem Dänischen von Nina Hoyer

Deutsche Erstausgabe bei carl’s books
Paperback, Klappenbroschur, 224 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-58529-0
Eur 15,50




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