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Spannung bis zum Ende

Lange mussten die Fans von Frank Schätzing warten, doch jetzt ist er da, sein neuer Erfolgsroman „ Breaking News“.

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Frank Schätzing

Um vorweg zu greifen, die 976 Seiten versprechen Spannung bis zum Schluß. Der Roman bietet nicht nur eine Thrillerhandlung, sondern auch die Geschichte des Staates Israel. Es sind zwei große Handlungsstränge, die sich abwechseln. Zum einen erzählt “Breaking News” die Geschichte des Kriegsreporters Tom Hagen, der seinen Geschäften zunächst in Afghanistan, später in Libyen und schließlich im Nahen Osten nachgeht.

Tom Hagen ist im Auftrag eines Hamburger Magazins unterwegs, um drei europäische Taliban-Geiseln zu interviewen. Als die Geiseln ein paar Tage später von der Bundeswehr befreit werden sollen, kommt es zu einem Desaster, an dem Hagen nicht ganz unschuldig ist, die Geiseln sterben und mit ihnen Inga, Hagens Volontärin. Danach will kein Magazin mehr mit Hagen zusammenarbeiten und der Reporter hängt im Nahen Osten rum. Seine zweite Chance erkennt er, als ihm ein Hacker zwei CDs mit brisanten Daten über die gezielte Tötung von Palästinensern durch das israelische Militär anbietet. Da aber das Hamburger Magazin die Story für veraltet hält, erfindet Hagen eine Geschichte; der im Koma liegende Ariel Sharon ist nicht Opfer eines Schlaganfalls, sondern eines Attentats geworden. Nicht wissend, wie nah er der Wahrheit kommt, sieht er sich plötzlich als Gejagter von Geheimdiensten.

Parallel dazu erzählt der Autor die Geschichte zweier jüdischer Familien, die Ende der 1920er Jahre nach Palästina einwandern: die eine kommt aus Deutschland, die andere aus Weißrussland. In mehreren großen Zeitsprüngen verfolgt der Autor das Schicksal dieser Familien, der Zwillinge Benjamin und Jehuda sowie Ariks, der sich später als der 2006 ins Hirnkoma gefallene und im Januar 2014 verstorbene ehemalige Premierminister Ariel Sharon entpuppt: geboren 1928 als Ariel Scheinermann.

Dieser zweite Handlungsstrang ergibt einen veritablen Familienroman über vier Generationen. Zwischen den beiden Teilen wechselt Schätzing konsequent ab, und in beiden erzählt er strengTitel chronologisch: von Hagens Rehabilitationsversuchen nach dem desaströsen afghanischen Sommer 2008 und von den Bemühungen jener drei jüdischen Freunde um ihre Heimat, die seit 1948 der Staat Israel ist. Von der Staatsgründung über Sechs-Tage-und Jom-Kippur–Krieg, erster Intifada, dem Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila bis hin zu Ariel Scharons Abkehr von der aggressiven Siedlungspolitik Israels, seinem Plan, sich ohne Gegenleistung aus dem Gaza-Streifen und dem Westjordanland zurückzuziehen.
Im November 2011 treffen diese beiden Handlungsstränge dann zusammen.

Schätzing hat akribisch recherchiert, spinnt aus Fakt und Fiktion einen Verschwörungsthriller, der den Leser auch über lange Strecken fesselt und ihn für sein Durchhaltevermögen belohnt.

Der neue Roman kommt mit einer Auflage von 500.000 auf den Markt. Aber Schätzing ist ja auch nicht irgendwer. Seine beiden Romane “Der Schwarm” und “Limit” verkauften sich bestens, ersterer wurde in 27 Sprachen übersetzt. Schätzing ist in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt zu sowas wie einer “Marke” geworden. Auch, weil er sich selbst gern als Unterhaltungsautor ins Spiel bringt, der nichts am Hut hat mit der Unterscheidung zwischen E und U, zwischen der sogenannten ernsten und der unterhaltenden Literatur.

Sepp Spiegl

Frank Schätzing: Breaking News. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014. 976 Seiten, 26,99 Euro. E-Book 21,99 Euro.

 




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