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Blasmusik-Pop

Hinter dem einerseits irritierenden und altmodisch anmutenden Doppeltitel der österreichischen Autorin Vea Kaiser verbirgt sich ein großer Roman über ein kleines Dorf:

“ Blasmusik-Pop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam „

Johannes A. Irrwein, Enkel des Bandwurmforschers Johannes Gerlitzen, hat seit frühester Kindheit eine starke Abneigung gegen die Engstirnigkeit und den unreflektierten Traditionssinn der Bewohner seines alpenländischen Heimatdorfes St. Peter am Anger. Bildungshungrig und aufgeweckt wie er ist, sehnt er sich nach jener aufgeklärten Welt, die er hinter den Alpenmassiven vermutet. Doch sein Leben verändert sich, als er, der Musterschüler, unerwartet durch die Matura fällt. Sein Lieblingsautor Herodot, der Vater der Geschichtsschreibung, bringt ihn auf die Idee, die Chroniken seines Dorfes zu verfassen. Ungewollt verursacht er damit das größte Ereignis in der Geschichte St. Peters, das das Bergdorf auf immer verändern wird.

Ein 14,8 Meter langer Fischbandwurm, eine Seifenkiste mit Kurs auf den Mond, ein ungeahnt attraktiver Mönch im Jaguar, eine Verschwörung der Dorfältesten sowie jede Menge poppige Blasmusik gehören zum ungewöhnlichen Mikrokosmos dieses Romans.

Richtig zusammenhängend kann man nicht wiedergeben, was an skurrilen Begebenheiten in diesem Roman passiert. Trotzdem fügt sich beim Lesen alles mühelos zusammen.

Das uralte Thema Heimatroman neu aufgelegt

Vea Kaiser, die erst 23jährige österreichische Autorin, hat ein starkes literarisches Debüt hingelegt. Sie erzählt auf immerhin 496 Seiten die Geschichte einer Familie, die über drei Generationen hinweg auf kuriose Weise der Wissenschaft verfallen ist. Bis ins kleinste Detail malt sie die Spießigkeit eines bildungsfernen Dorfes im hochalpinen österreichischen Hinterland aus. Ihre genaue Beobachtungsgabe, die kauzigen Charaktere und die Situationskomik, aber auch die irrwitzigen Einfälle unterhalten, amüsieren und verschaffen dem Leser einen guten Einblick in das Gesellschaftsbild der Alpenrepublik. Der Roman strotzt von Einfällen und ist äußerst raffiniert geschrieben. Was aber am meisten fasziniert, ist der detailgenaue Blick der jungen Autorin auf ihre Romanfiguren, die sie liebevoll als Menschen und nicht als klischeehafte Stereotypen zu zeichnen versteht.

Die Autorin

Vea Kaiser

Vea Kaiser, geboren 1988, studierte Klassische und Deutsche Philologie in Wien. Ihr Debütroman erschien im Juli 2012 und landete sofort auf Platz eins der ORF-Bestenliste. Zur Zeit wird der Roman ins Tschechische und Niederländische übersetzt. Die Verfilmung ist in Arbeit. Nach ihrer Lesereise in fünf Länder studiert die junge Autorin in Wien Altgriechisch und arbeitet an ihrem zweiten Roman.

 

 Man darf gespannt sein mehr von ihr zu lesen!

Ursa Kaumans

 

 

Vea Kaiser

Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam

Roman

Verlag Kiepenheuer & Witsch

ISBN: 978-3-462-04464-5

496 Seiten, gebunden

19,99 €

 


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