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Monsieur Claude und seine Töchter

Der neue Film von Philippe de Chauveron

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Claude Verneuil (Christian Clavier) und seine Frau Marie (Chantal Lauby)

Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu? Was haben wir dem lieben Gott nur getan? So der Originaltitel des Films, der den Ausruf des erzfranzösischen Familienvaters wiedergibt, dessen Töchter sein Leben in eine Multikulti-Party verwandelt haben.

Alles fängt mit drei Hochzeiten im Schnelldurchlauf an: jedesmal dürfen sich Claude Verneuil (Christian Clavier) und seine Frau Marie (Chantal Lauby) auf dem Standesamt einfinden, weil die drei älteren Töchter konsequent unkatholische Entscheidungen getroffen haben. Eine hat einen jüdischen Geschäftsmann geheiratet, die nächste einen maghrebinisch-stämmigen Anwalt, die dritte einen chinesischen Banker. Von Claudes bourgeoisem Selbstverständnis ist es ziemlich viel verlangt, keine ätzenden Bemerkungen zu machen, wenn die Familie zusammenkommt, aber mit dieser Schwäche ist er nicht allein.

Alle müssen sich eben mal kurz beleidigen, bevor sie sich dann doch noch anfreunden, und der Regisseur de Chauveron zeigt in seinem neuen Film, dass das nicht nur mit Herkunft und Glauben zu tun hat. Denn jeder, der schon mal eine größere Familie über Weihnachten erduldet hat, weiß, dass die Mechanismen von Eifersucht und Konkurrenz sich immer an den Vorurteilen festmachen, die man gerade zur Verfügung hat.

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Die jüngste Tochter Laure (Elodie Fontan) stellt ihren Eltern ihren Verlobten Charles (Noom Diawara) vor.

Die Schwagerriege hat de Chauveron sehr liebevoll gestaltet. Während die drei Töchter schablonenhaft bleiben, sind ihre Männer recht klar gezeichnet: Rachid (Mehdi Sadoun) ist Anzugträger und irgendwie ganz nett, aber als Jurist leider völlig humorlos; David (Ary Abittan) ist zwar Jude, aber immer pleite und arbeitslos, wenn auch voller Ideen, wie man das ändern könnte; und Chao (Frédéric Chau) ist einfach der immer artige Chinese, dessen Nettigkeit die beiden anderen bloß noch nervt. Ein heftiges Gerangel unter den Schwagern führt dann erst mal zu einer langen Eiszeit auch unter den Schwestern, bis Marie zu Weihnachten Tauwetter verordnet, und eine neue Zusammenkunft für alle organisiert.

Die ganze Hoffnung von Claude und Marie auf eine „normale“ katholische Hochzeit liegt auf ihrer vierten Tochter, bis zu dem Zeitpunkt, wo sie den Mann kennenlernen, den ihre Jüngste heiraten will. Diese hat ihnen nämlich ein Detail verschwiegen, als sie den Eltern von ihrem Auserwählten erzählt hat. In einem Restaurant kommt es zur ersten Begegnung, und Claude und Marie können ihr Entsetzen nicht verbergen, denn der junge Mann ist zwar katholisch, aber er ist auch schwarz. Marie verfällt in eine Depression und Claude reagiert sich am Baumbestand im Garten ab – aber da wissen die beiden noch nicht, dass auch die afrikanische Familie des Schwiegersohns keinen Wert darauf legt, künftig mit ihnen verwandt zu sein.

PlakatDie Situation scheint völlig verfahren, doch dann sind es letztlich die Frauen, die die Familie mit Pragmatismus neu sortieren und wieder zusammenführen. Die beiden Väter tun sich äußerst schwer, sich der neuen Ordnung zu fügen, bevor auch sie auf ihre Weise  zusammenfinden und endlich gibt es das wohlverdiente happy end!

Dem französichen Regisseur ist eine rasante und pointierte Völkerverständigungskomödie gelungen, die so leicht und locker ist wie ein Soufflé und trotzdem scharf und bissig wie eine Chilischote. In Frankreich war der Film mit über neun Millionen Zuschauern bislang der erfolgreichste dieses Jahres. Dank des intelligenten Drehbuchs und einer passgenauen Besetzung ist aus dem heiklen Thema ein idealer Gute-Laune-Film geworden, aus dem der Zuschauer mit einem Lächeln in den kühlen und meist feuchten Sommerabend hinausgeht.

Ursa Kaumans

Frankreich 2014 – Regie: Philippe de Chauveron
Mit: Christian Clavier , Chantal Lauby, Frédéric Chau, Medi Sadoun, Ary Abittan.

Seit Anfang August 2014 in den Kinos




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