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Roboter sind nicht abergläubig

hitchbot-reise in Deutschland

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Am 13. Februar 2015 startet Hitchbot seine zehntägige Reise durch Deutschland. Das Startdatum beunruhigt ihn nicht. „Ich glaube, Roboter sind nicht abergläubisch, sondern sehr optimistisch“, sagt Frauke Zeller von der Ryerson Universität in Toronto, die Hitchbot gemeinsam mit David Harris Smith von der McMaster Universität in Hamilton entwickelt hat. In München geht es los und soll es auch enden.

Im vergangenen Sommer gut 6.000 Kilometer durch Kanada getrampte, soll es nun auf Einladung der Wissenssendung Galileo durch Deutschland gehen. Seine Deutschlandreise kann man über Facebook, Twitter, und Instagram verfolgen.

Eimer mit Schwimmwürsten und Telefon

Wer also einen etwas merkwürdigen Tramper in der Größe eines Zweitklässlers am Straßenrand sieht, der könnte ihn auf der Reise „einsammeln und ein Stück mitnehmen.  Allerdings müssen sie ihn dann ins Auto hieven, denn laufen kann  er nicht. Der Roboter kann nur stehen. Seine acht Kilo müssen ins Auto gewuchtet werden. Das einzige animierte Körperteil ist Hitchbots rechter Arm: Den kann er mit ausgestrecktem Daumen heben und senken, um auf sich aufmerksam zu machen.

Dafür kann er mit seinem Gastgeber kommunizieren. Er hat mit seiner „Familie“ fleißig Deutsch gelernt. Der Roboter verfügt über eine Software zur Spracherkennung und -synthese und künstliche Intelligenz. Das soll es ihm erlauben, mit dem Fahrer über die Strecke zu verhandeln und unterwegs etwas Konversation zu treiben. Wikipedia steht ihm auch zur Verfügung. Das Erste, wonach der kleine Roboter fragen wird, ist indes Strom: Die Energiequelle ist der Zigarettenanzünder im Auto. Am Ende der Fahrt wird Hitchbot den Fahrer bitten, ihn wieder sicher am Straßenrand abzusetzen oder auch um eine Übernachtung bitten. Dazu hat er ein GPS-Modul, damit man ihn immer wiederfindet. Über W-lan und Mobilfunk ist er mit dem Internet verbunden.

Roboter – Kunst oder kann das weg?

hitchbot in Deutschland

hitchbot in Deutschland

„Normalerweise bauen wir Roboter, damit sie uns helfen. Hier wollten wir das umdrehen“, sagt Zeller. Und anstatt „Können Menschen Robotern vertrauen?“fragten die Kommunikationswissenschaftler aus Kanada: „Kann ein Roboter den Menschen vertrauen?“ Die Hauptfrage der Forscher: „Wie ist das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, und inwieweit vergessen Menschen, dass sie einen Roboter vor sich haben?“

Das Projekt ist als ein Kunstprojekt konzipiert, das auf Zusammenarbeit setzt. „Wir erwarten, dass der Hitchbot durch seine Gespräche entzückend und vertrauenswürdig genug ist, um sich seine Fahrt durch Deutschland zu sichern.“

Informatiker sehen in ihm ein wertvolles Experiment. „Vom reinen Technologieaspekt ist er vollkommen uninteressant“, sagt Florian Röhrbein, Informatiker an der Technischen Universität München. „Aber er kann beitragen, Ängste abzubauen. Er ist interessant im Sinne eines soziologischen Experiments für die Roboter-Mensch-Beziehung.“ Es gebe viele Vorbehalte, Roboter etwa in der Pflege einzusetzen. Dabei könnten sie das menschliche Personal sehr gut entlasten. Frese sieht auch eine Gefahr in der Vermenschlichung der Maschinen: „Die Frage: Was ist das für eine Beziehung, die man dann zu seinem Computer hat. Akzeptiere ich ihn wie einen Toaster – oder als Ersatz eines Lebenspartners? Das ist auf jeden Fall etwas, worüber man nachdenken muss.“

Lassen Sie ihn am Straßenrand stehen, oder darf er sie kennenlernen? Das muss jeder für sich entscheiden bei diesem interessanten Experiment.

Wer ihm begegnet, der sollte gerne kurz auf rantlos darüber berichten. Einfach über unser Kontaktformular ihre Geschichte mit Hitchbot an uns senden.

Paul Pawlowski
Quelle: Golem.de/Ryerson Universität in Toronto
Fotos: Ryerson Universität in Toronto/hitchbot.me

 

 





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