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Küste und Kunst

von Dr. Bernd Kregel

Floridas milder Westen

 Der feinsandige Küstentreifen von St. Pete/Clearwater erweist sich als Quelle künstlerischer Inspiration.

Der Betrachter spürt die Kraft des intensiven Abendlichts

Gibt es etwas Faszinierenderes als einen Sonnenuntergang? Wenn der blutrote Feuerball langsam im Meer versinkt und dabei alle Blicke auf sich zieht? Frühere Kulturen übertrafen sich mit mythologischen Erklärungsversuchen. Doch selbst wenn die Vorstellung einer nächtlichen Reise durch die Unterwelt heute nicht mehr geteilt wird, wohnt dem täglichen Verschwinden des glühenden Himmelskörpers hinter dem Horizonts noch immer etwas Magisches inne. Grund genug, um sich wie „Sonnenanbeter“ an geeigneten Aussichtspunkten einzufinden und wortlos dieses kaum zu überbietende Naturschauspiel zu genießen.

Der „Sunset Point“ von Clearwater Beach an Floridas Westküste ist einer jener Orte, der die Menschen jeden Abend in großer Zahl anlockt. Er ist der Endpunkt eines soliden Holzstegs, der über den Sandstrand hinaus bis in den Golf von Mexiko hinein ragt. Am Zielpunkt angekommen, spürt der Betrachter die Kraft des intensiven Abendlichts, das jeden mit seinem flimmernden Glanz verzaubert.

 Höchstmaß an Kreativität

Von diesen Segnungen der Natur profitiert natürlich auch das benachbarte St. Petersburg, kurz St. Pete genannt. Besonders den Künstlern kommt die tägliche Lichtfülle entgegen, die sie zu einem Höchstmaß an Kreativität anregt. In einer Galerie von vierhundert Wandgemälden verleihen sie ihrem Einfallsreichtum Ausdruck. Einer von ihnen ist der Wandmaler Derek. Ihm gelingt es umgehend, mit seinen persönlichen Erklärungen den Kunstwerken Leben einzuhauchen.

Wandmaler Derek vor seinem Werk “Big Business”

Offenbar macht ihm die nicht ganz ausgewogene Altersstruktur der Stadt zu schaffen. Und schon gar nicht mag er sich abfinden mit der spöttischen Charakterisierung St. Petes als „Wartesaal Gottes“. Trotzig hält er in seinem Werk „Weiterhin unterwegs“ dagegen mit dem Motiv einer sportlichen älteren Dame auf einem Skateboard. Gerade so, als könne sie mit ihrer schwungvollen Bewegung manchem jugendlichen Spötter den Schneid abkaufen. Noch emotionaler wird Derek vor seinem eigenen Lieblingswerk. Es ist das großflächige Porträt von Bill Woo, seinem viel zu früh verstorbenen Freund und Lehrer. Darin ehrt er ihn als herausragende Künstlerpersönlichkeit und hält zugleich sein Lebenswerk präsent.

Lupenreine Schönheit

So hat das aufstrebende St. Pete das Potenzial zu einer Kunsthauptstadt Floridas, wobei hochrangige Museen diesen Ruf erweitern und festigen. Aufsehen erregt neuerdings die Sammlung des in Europa nahezu unbekannten Glaskünstlers Dale Chihuly. In abgedunkelten Räumen bringt dieser seine farbenfrohen Kreationen mit Hilfe verborgener Lichtquellen in ihrer lupenreinen Schönheit zur Geltung. Von großflächigen Blütenkompositionen bis hin zu monströs wirkenden Leuchtern aus unzähligen Einzelstücken. In einer Größenordnung, die bei der Installation sogar bauliche Sondermaßnahmen erforderlich macht.

Aus allem, so Dozentin Ruth während des Rundgangs, spricht deutlich die Freude an der ästhetischen Wirkung. Und dazu die Leidenschaft, sich handwerklich den Grenzen des Machbaren anzunähern. Nichts überlässt der Künstler dem Zufall. So verschafft sich Chihuly genügend Spielraum, um wie am Beispiel einer farbenfrohen Kugelcollage seine technische Perfektion auf die Spitze zu treiben.

Künstlerische Weltdeutung

Das Dali Museum in St. Pete als Publikumsmagnet

Künstlerischer Hauptanziehungspunkt von St. Pete jedoch ist das modernistisch gestaltete Dali-Museum. Seiner architektonischen Grundidee ist zu entnehmen, dass das intensive Küstenlicht durch nichts daran gehindert werden soll, sich zu der größten Dali-Ausstellung außerhalb Spaniens Zugang zu verschaffen. Im Unterschied zu den Glasphantasien Chihulys drängt es den Großmeister des Surrealismus, über die ästhetische Wirkung hinaus die den Werken innewohnende Botschaft zu verdeutlichen.

So in seiner Kolumbus-Darstellung, die Dali selbstbewusst dazu nutzt, um seine eigene Entdeckung Amerikas zu dokumentieren. Ebenso wenig scheut er davor zurück, bei seiner Darstellung des Zweiten Vatikanischen Konzils mit der Heiligen Trinität auf dem gleichen Bild zu erscheinen und dabei so etwas wie eine göttliche Perspektive für sich in Anspruch zu nehmen.

Strand-Eldorado

Im Unterschied zu der Kunstszene von St. Pete steht in Clearwater bei pulverfeinem weißen Sand natürlich das Strandleben im Vordergrund. Von günstigen Positionen aus öffnet sich ein traumhafter Blick über das Strand-Eldorado, an dem sich die Badegäste bereits kurz nach Sonnenaufgang ein Stelldichein geben.

Clearwater Beach mit Sunset Point

Mittags, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat, lädt bei bester Strandatmosphäre Frenchy‘s Rockaway Grill ein zum legendären Snack. Hauptbestandteil ist ein Sandwich mit Grouper-Füllung. Einer Fischart, die ganz in der Nähe aus dem Golf von Mexiko gefischt wird und je nach Wunsch eine spezielle Zubereitung erfährt. Ein pikanter Cocktail des Hauses hebt zusätzlich die ohnehin ausgelassene Stimmung.

Trost und Hoffnung

Nachdenklich dagegen stimmt der Besuch im Clearwater Marine Aquarium, heute die Heimat der Delfindame „Winter“. Als Star der zweiteiligen Filmerzählung „The Dolphin Tale“ mit Morgan Freeman in der Hauptrolle, rührt das Tier stets neu die ihm zufliegenden Herzen. Denn einst verlor Winter durch widrige Umstände ihre Schwanzflosse, und so war nach Einschätzung von David Yates, dem Leiter des Aquariums, guter Rat teuer.

Und doch fand sich eine Lösung. Sie bestand aus einer mit hohem technischen Aufwand angefertigten Gummi-Schwanzflosse, die sich nach längerer Anpassungsphase bestens bewährte. Bis heute bedankt sich Winter bei den kleinen und großen Kindern am Beckenrand mit flinken Sprüngen. Damit verleiht sie auch vielen menschlichen Patienten Hoffnung und Zuversicht. So wie auch der kleinen Zoe, die wegen eines Krebsleidens mit ihren Eltern aus der Schweiz anreiste, um in schweren Stunden Trost und Mitleid von Winter zu erfahren.

Ausgelassene Luftsprünge

Delfin Winter im Clearwater Marine Aquarium

Die Delfin-Begeisterung ist auch auf den Booten anzutreffen, von denen aus Beobachter rund um Clearwater nach den intelligenten Tieren Ausschau halten. Die „Sea Screamer“ als eines von ihnen ist so konstruiert, dass das Wasser beiderseits der Schiffsschraube zu einer sprühenden Gischtwelle aufgewirbelt wird. Sie bietet einer verspielten Delfinherde eine besondere Gelegenheit zu ausgelassenen Luftsprüngen.

Längt hat die Begeisterung auch Besitz ergriffen von europäischen Besuchern, die Florida ohnehin zu einem ihrer Hauptreiseziele jenseits des Atlantiks erklärt haben. Ist dies sogar ein Ansporn für die Gastgeber, auch weiterhin mit den üppigen Pfunden zu wuchern, über die Floridas milder Westen verfügt?

Titelfoto: Wandgemälde von Derek Donnell in St. Pete


Reiseinformationen Florida “St.Pete/Clearwater”:

Anreise
Tampa empfiehlt sich als Zielflughafen für Westflorida. Direktstrecke mit Lufthansa von Frankfurt nach Tampa, www.lufthansa.com; weiter mit Mietauto oder Bus

Einreise
Reiepass, noch mindestens 6 Monate gültig; elektronisches Flugticket ESTA, spätestens 72 Stunden vor Abflug beantragen unter https://esta.cbp.dhs.org;

Reisezeit
Ganzjährig; im Sommer jedoch hohe und feuchtschwüle Temperaturen

Reiseveranstalter
Kostengünstige Reisepakete über FTI, www.fti.de

 Unterkunft
St. Pete: The Vinoy Renaissance Hotel, www.marriott.com/hotels; Clearwater: Opal Sands Resort, www.opalsands.com;

Essen und Trinken
St. Pete: LOCALE Market, www.localegourmetmarket.com; The Mill, www.TheMillsRestaurants.com;
The Cider Press Café, www.ciderpresscafé.com; Clearwater: Marina Cantina, www.MarinaCantina.com;
Frenchy’s Rockaway Grill, www.FrenchysOnline.com;

Auskunft
St. Petersburg/Clearwater Area Convention and Visitors Bureau, c/o Kaus Media Services, Sophienstraße 6, 30159 Hannover, Tel. 0511-8998900, info@kaus.net; www.visitstpeteclearwater.com;




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