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Bei Herrn von Ribbeck zu Ribbeck…

Schlösser, Wasser, Fontane, Preußenwiege –  Havelland

Fontane1860

Dichter Theodor Fontane (1820)

Wer an Brandenburg denkt, verbindet es mit Preußen. Wer an Preußen denkt, verknüpft es bestimmt mit dessen wohl bekanntestem Schriftsteller, Theodor Fontane. Wer, wiederum, an Fontane denkt, erinnert sich mit höchster Wahrscheinlichkeit an das Gedicht über den märkischen Baron und Kinderfreund, Herrn von Ribbeck zu Ribbeck im Havelland, in dessen Garten „ein Birnbaum stand. Und kam die goldene Herbsteszeit, dann leuchteten die Birnen weit und breit…“ Jetzt also sind wir „im Havelland“, das zu besuchen und deutlich länger als nur ein paar Stunden zu bleiben, hier nachdrücklich empfohlen sei.

Wie der Name sagt, wird die Landschaft zwischen Oranienburg im Nord- und Postsdam im Südosten, Havelberg im Nord- sowie der „Metropole“ Brandenburg im Südwesten von der Havel geprägt – jenem Fluss, von dem Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mak Brandenburg“ sagt, er gleiche in seinem Fließbogen (von oben betrachtet) einem als Kinderschaukel zwischen zwei Apfelbäumen gespannten Seil. Doch die Havel bleibt in ihrem Verlauf nicht enfach ein Wasser mit klar überschaubaren Ufern. Immer wieder weitet sie sich aus in mitunter unüberschaubare Seen, verbunden durch natürliche Durchflüsse und Kanäle. Sie verblüfft und erfreut den Fremden, der mit dem Ticket für eine Haveltour versehen, am Ende (unbedingt wahrnehmen!) mit einer 5-, 8- oder gar 10-Seen-Tour beglückt wird. Mögen oft auch Straßen- oder  Eisenbahnbrücken das Gewässer überspannen, so zwingen zwischendzurch doch immer wieder altmodische Seilzug-Fähren den eiligen Reisenden zu Warte- und damit erholsamen Ruhepausen.

Ein Fluss, viele Seen-Namen

Seilzugfähre

Seilzugfähre über die Havel

Verwirrend sind für die Touristen nicht so sehr die vielen Seen, die sich wie Perlen auf einer Schnur aufreihen. Es sind vielmehr deren unterschiedliche Namen. Als Beispiel sei nur die Umgebung von Potsdam erwähnt: Schwielowsee, Glindower See, Templiner See, Großer und Kleiner Zernsee… Dabei ist und bleibt es doch immer das gleiche Gewässer! Die Havel nämlich, die – gleichsam wie es ihr beliebt – den märkischen Sand mit einer Wasserfläche bedeckt. Es ist ein Paradies für Wassersportler wie Segler oder Paddler, aber auch für Radfahrer, die auf gut ausgebauten Wegen die flache, ruhige und dennoch vielfältige Landschaft im Wortsinne erfahren.

Das Havelland ist altes Kulturland. Hier ist Geschichte zu Hause, ohne Ende – vor allem natürlich preußische. Gerade zeigte ein Straßenschild auf Fehrbellin. Schulwissen meldet sich: Schlacht bei Fehrbellin 18. 6. 1675, Sieg des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg über die Schweden. Sozusagen die Geburtsstunde der späteren Großmacht Preußen. Aber Preußen war eben nicht nur Militärhistorie, Krieg und Kriegsgeschrei. Zum Großen Kurfürst gehören zum Beispiel neben dem Kriegsplatz Fehrbellin auch die Schlösser Oranienburg oder Caputh. Genauso wie später Friedrich der Große gewiss  in einem Atemzug mit den Schlesischen Kriegen genannt werden muss, aber auch mit Schlössern wie Sancoussi und Rheinsberg (vgl. rantlos: „Unterwegs“), sowie mit Gedanken-, Presse- und Religionsfreiheit.

Der Birnbaum

Birnbaum

Reste des original Ribbeck-Birnbaums

Natürlich ist das Havelland undenkbar ohne den berühmten von Ribbeck. Jenen Gutsbesitzer, der – gemäß dem Fontane-Gedicht – die Kinder jeden Herbst mit saftigen Birnen beglückte. Zu DDR-Zeiten wurde das Poem in den Schulen gar nicht mehr gelehrt, dafür aber im Treppenhaus des Schlosses ein Fresko angebracht, das den alten Ribbeck  als Geizkragen darstellt, der sein Gesinde gnadenlos knebelt. In der kleinen Kirche nebenan finden sich dazu sogar noch entsprechend gereimte Zeilen. Aber es findet sich dort auch noch etwas anderes – nämlich der (irgendwie über die Zeiten hinweg gerettete) Stumpf des originalen, vom Preußendichter besungenen Birnbaums, der 1911 einem Sturm zum Opfer gefallen war.

Wer zählt die Orte, nennt die Namen, die im Land an der Havel aufgesucht werden sollten?! Kloster Lehnin, etwa, die erste zisterziensische Niederlassung in Brandenburg aus dem 12. Jahrhundert mit der mächtigen Backsteinkirche. Seit 1903 – und dies sogar über die Nazi- und DDR-Zeit hinweg – dem Diakonischen Werk gehörend. Oder die Stadt Brandenburg, Geburtsort von Vicco von Bülow („Loriot“). Obwohl Ende des Krieges stark zerstört und danach ordentlich mit Plattenbauten versehen, ist sie mit ihrem restaurierten Altstadtzentrum, dem Dom und der Katharinenkirche unbedingt ein „Muss“. Das gilt nicht zuletzt für das kommende Jahr. 2015 findet nämlich zwischen Brandenburg und der Havelmündungsstadt Havelberg entlang des Flusses erstmals in der 50-jährigen Geschichte der BuGa dieses Ereignis sowohl Stadt als auch Landesgrenzen übergreifend statt. Motto: „Von Dom zu Dom – Das blaue Band der Havel“.

Selber ausprobieren!

bb-havellandHaben die Zeilen Lust gemacht auf mehr? Zum Beispiel auf ein feines Zanderfilet direkt am Wasser in einem gemütlichen Fischrestaurant auf der pittoresken Obstinsel Werder? Oder auf einen musikalischen Leckerbissen bei einem der vielen Schlosskonzerte im Sommer? Oder auf den Besuch einer Handweberei in Geltow? Am besten: Einfach selber kommen, schauen und ausprobieren.

Gisbert Kuhn

Info:

Tourismusverband Havelland e.V.

Schloss Ribbeck

Theodor-Fontane-Straße 10

14641 Nauen OT Ribbeck

Tel: 033237 859030

e-mail: info@havelland-tourismus.de

 

Hotelempfehlung:

Landhaus „Haveltreff“

Weinbergstraße 4

14548 Schwielowsee OT Caputh

Tel: 033209 780

e-mail: info@haveltreff.de


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