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Ewige Jugend

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Regisseur Paolo Sorrentino

Regisseur Paolo Sorrentino („La Grande Bellezza – Die große Schönheit“) wird seinem Ruf als großartiger Geschichtenerzähler einmal mehr gerecht. Diesmal schickt der bekennende Fellini-Fan zwei betagte Künstler in ein Schweizer Luxushotel in den Alpen, um sie dort über das Leben, die Liebe und das Alter philosophieren zu lassen. Das opulente Senioren-Drama verblüfft durch ein Füllhorn famoser Einfälle, geschliffener Dialoge sowie einem exzellenten Ensemble.

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Die alten Freunde Fred (Michael Caine) und Mick (Harvey Keitel)

Die alten Freunde Fred (Michael Caine) und Mick (Harvey Keitel) teilen in den Bergen zwar ihr idyllisches Feriendomizil, ein elegantes Wellnesshotel mit fast schon magischer Ausstrahlung, haben aber was ihr Alterswerk betrifft komplett verschiedene Vorstellungen. Während der berühmte Komponist und Dirigent Fred sich dem süßen Nichtstun hingibt, treibt den geschäftigen Regisseur Mick sein neustes Filmprojekt um. Freds Erholung stört dagegen ein Abgesandter des Buckingham Palace: Ihre Majestät wünschen ein Ständchen zum Geburtstag von ihrem Lieblingskomponisten. Doch Maestro Fred Ballinger (Michael Caine) macht keine Extrawurst für die Royals, sondern genießt lieber seinen Ruhestand. Mit seinem langjährigen Freund Mick (Harvey Keitel) weilt er im Urlaub in einem Luxus-Sanatorium in den Schweizer Alpen. Man plaudert entspannt über Prostata-Probleme und verflossene Liebschaften. Oder die Kinder, deren Ehe gerade in die Brüche ging. Während der betagte Musiker einen endgültigen Schlussstrich unter seine Karriere zog, will sein nicht minder alter Kumpel, der berühmte Regisseur, es noch einmal wissen und plant in der abgeschiedenen Bergwelt ein letztes Werk, dass sein cineastisches Testament werden soll. Umgeben von einem Trüppchen überambitionierter junger Autoren, gefällt sich der Film-Veteran als gockelhafter Kino-Guru. Noch ahnt er nicht, dass sein vermeintlicher Geniestreich in Turbulenzen geraten wird. Denn seine Diva (umwerfend hysterisch: Jane Fonda), die er einst berühmt machte, erweist sich als ziemlich Zicke der undankbaren Art. Seinen Freund Fred plagen derweil andere Sorgen. Die Tochter, aktuell ohnehin etwas hysterisch wegen ihrer drohenden Scheidung, beschuldigt ihn, ein schlechter Vater gewesen zu sein, der nur für die Musik und seine Karriere gelebt hätte. Der Vorwurf sitzt. „Ich habe 227567nie das Leben genügend gelebt“, wird der Künstler später reumütig sagen.

 

Seinem Ruf als fellini-esker Kino-Magier wird Paolo Sorrentino wieder wunderbar gerecht. Sei es, dass der Komponist auf der Alm spontan ein paar Rinder zum Kuhglocken-Konzert dirigiert, eine hübsche Miss Universum sich als verblüffend clever erweist oder ein massiv übergewichtiger Diego Maradona mit übergroßer Karl Marx-Tätowierung auf dem Rücken (gespielt von einem Doppelgänger) lässig Tennisbälle in die Luft kickt. Und dann tritt plötzlich auch noch Adolf Hitler auf, der die Sanatoriumsgäste im Frühstücksraum ebenso verschreckt wie das Kinopublikum – was es mit dieser Einlage auf sich hat, soll freilich nicht verraten sein.

Sepp Spiegl


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