- Anzeige -

Klein, aber sehr fein

Das Museum Berggruen in Berlin strahlt in neuem Glanz

Museum Bergruen
©Foto: bpk / Nationalgalerie

Neben all den zahlreichen imposanten Museen in Berlin, die tagtäglich große Besucherströme anziehen, nimmt sich das im März 2013 nach zweijähriger Sanierung und Erweiterung wieder eröffnete Museum Berggruen eher klein, aber keineswegs bescheiden aus.

Einzigartige Sammlung der Klassischen Moderne

Im Museum direkt gegenüber dem Schloss Charlottenburg werden unter anderem Werke von Pablo Picasso, Paul Klee und Alberto Giacometti gezeigt. Neben den Picasso-Museen in Paris, Barcelona und Malaga beherbergt das Museum eine der bedeutendsten Picasso-Sammlungen in Europa. Allein von ihm sind mehr als 100 Werke zu sehen, darunter wunderbare Bilder wie „Sitzender Harlekin“ oder ein Porträt seiner Geliebten Dora Maar im gelben Pullover.

Erst Leihgabe, dann Erwerb durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Hans Berggruen hatte seine Sammlung 1996 zunächst als Leihgabe der Stadt Berlin für zehn Jahre überlassen. Im Dezember 2000 kaufte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Sammlung für einen – wie es damals hieß – eher symbolischen Preis von 253 Millionen D-Mark weit unter Marktwert, der geschätzt bei 1,5 Milliarden D-Mark liegt. Anlässlich des 90. Geburtstages von Heinz Berggruen erfolgte 2004 die Umbenennung der Sammlung in “Museum Berggruen”. Nach dem Tod Heinz Berggruens im Jahr 2007 erweiterten seine Erben – u. a. einer der Söhne und Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen, die Sammlung um zahlreiche Leihgaben, sodass eine Erweiterung notwendig wurde.

Gläserner Gang verbindet beide Gebäude

Dafür wurde in den letzten Jahren das benachbarte historische Kommandantenhaus am Spandauer Damm umgebaut und mit einem gläsernen Gang an den Stülerbau angeschlossen. Das Land Berlin hatte das Gebäude zur Verfügung gestellt, und der Bund 7,6 Millionen Euro für den notwendigen Umbau bewilligt.

Der Sammler Heinz Berggruen – eine ungewöhnliche Biografie

Kunstmäzen Heinz Berggruen, 2007 verstorben
©picture alliance

Nach dem Besuch der Ausstellung sollte der Besucher unbedingt den Film über den Sammler Berggruen ansehen. Der Kunstsammler erzählt hier im Alter von 90 Jahren mit wacher Mimik, großer Präsenz und druckreifer Sprache aus seinem Leben.

Man erfährt von der Kindheit des 1914 geborenen Sohns einer jüdischen Familie, die in Wilmersdorf ein gut gehendes Schreibwarengeschäft betrieb. Nach dem Studium für Literatur und Kunstgeschichte in Toulouse kehrte er 1935 wieder nach Berlin zurück, wo die Zeiten für Juden immer unerträglicher wurden. Die Eltern weigerten sich aber das Land zu verlassen, denn sie fühlten sich in Deutschland vollkommen integriert. Der Vater war aus dem ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz zurückgekehrt und man hoffte, dass die Zeiten der Faschisten bald vorüber gehen würden.

Berggruen bekam ein Stipendium an der Berkeley Universität in Amerika, aber die amerikanische Lebensweise blieb ihm immer fremd, obwohl er die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, dort heiratete und mit seiner amerikanischen Frau zwei Kinder bekam.

Trotz des Erfolges als Direktor des San Francisco Museum of Art blieb das Heimweh nach Europa. Im Dezember 1941, als die Amerikaner in den Krieg eintraten, wurde Berggruen als amerikanischer Staatsangehöriger eingezogen und kam als Soldat nach Deutschland zurück. Später gab er die amerikanische Staatsbürgerschaft zurück und nahm wieder die deutsche an, was nach all dem Unrecht, das den Juden angetan worden war, sicher nicht selbstverständlich war und bei den Amerikanern für erhebliche Irritationen sorgte.

Paul Klees „Frau R. auf Reisen im Süden“, 1924
©bpk / Nationalgalerie, Museum Berlin

Nach Kriegsende ging er nach Paris, um seine erste Galerie zu eröffnen. Vor allem die Bilder von Paul Klee hatten es ihm angetan und er begann sie zu sammeln. Mit sicherem Blick erkannte er die Bedeutung und Qualität der Bilder. Persönliche Kontakte zu zahlreichen Kunsthändlern und Sammlern machten seine Galerie sehr erfolgreich. Es gelang ihm, seine Sammlung ständig zu vergrößern, aber auch gewinnbringend zu handeln. Zu seinen bevorzugten Künstlern zählten neben Klee auch und vor allem Picasso, mit dem er persönlich bekannt war.

Hauptweg und Nebenwege – Erinnerungen eines Kunstsammlers

Wer sich etwas ausführlicher mit diesem ungewöhnlichen Leben beschäftigen und viele interessante Geschichten über berühmte Künstler erfahren möchte, dem sei das Buch „Hauptweg und Nebenwege“, Erinnerungen eines Kunstsammlers von Heinz Berggruen empfohlen.

Eine der Künstler-Geschichten über den Maler Picasso sei hier nur kurz zusammengefasst:

Picassos „Sitzender Harlekin“, 1905
©Museum Berggruen/Nationalgalerie

In den dreißiger Jahren hatte Picasso mit Marie-Thérèse zusammengelebt und von ihr wunderbare Porträts angefertigt. Bei der Trennung hatte er ihr viele Bilder überlassen, aber keines der Bilder trug seine Signatur. Als Marie-Thérèse, mittlerweile eine ältere Dame, die in Paris in bescheidenen Verhältnissen lebte, diese Bilder dem Kunsthändler Berggruen zum Verkauf anbot, zögerte er, denn Picasso signierte nur Bilder, die auch verkauft werden sollten. Es war also nicht klar, ob M. T. das Recht hatte, die Bilder zu veräußern.

Also fuhr Berggruen zu Picasso, der sofort bereit war, die Bilder zu signieren. Aber er hatte nicht mit seiner Frau Jacqueline Roque gerechnet. Sie machte ihm vor allen Anwesenden eine peinliche Szene und ihr Hass gegenüber der damaligen Geliebten ihres Mannes kam voll zum Ausbruch. Resigniert und betrübt verzichtete Picasso auf das Signieren der Gemälde und bat den Besuch zu gehen.

„Picasso begleitete uns auf den Vorhof seines Besitzes, gab uns schweigend die Hand und kehrte, leicht gebeugt, ins Haus zurück. Das war das letzte Mal, dass ich (Berggruen) ihn sah. Vier Jahre später starb Picasso, 91 Jahre alt.“

Heinz Berggruen

Hauptwege und Nebenwege

Fischer Taschenbuch Verlag

ISBN 8978-3-596-13853-1

Preis: 9,95 €

Museum Berggruen

Schloßstr. 1

14059 Berlin

Dienstag – Sonntag jeweils von 10 – 18 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise: 10 €, ermäßigt 5 €

Bedingt Rollstuhlgeeignet




--- ANZEIGE ---

Diesen Artkel versenden Diesen Artkel versenden