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Kein Fleckenwasser für Leoparden

Katrin Okumafi (Pseud.): Kein Fleckenwasser für Leoparden

Mit dem Pseudonym will die Autorin wahrscheinlich ihre Affinität zu Afrika betonen. Der biografische Roman basiert auf einer wahren Geschichte. Der Name stammt aus der Sprache Edo, die um Benin City gesprochen wird, und bezeichnet jemanden, der sich unverständlich verhält. Wir bekommen den Spiegel vorgehalten und sehen unsere Kultur aus dem Blickwinkel des Zugereisten. Afrikanische Lebensfreude reibt sich an deutscher Skepsis und Distanz.

Anfang der Neunziger Jahre bricht der junge nigerianische Betriebswirt Okoro Osazuwa von Lagos mit einem Touristenvisum und der Hoffnung auf, im fremden Land sein Studium fortsetzen zu können. Aus allen Wolken fällt er, als er erfährt, dass er mit seinem Visum nur Asyl beantragen kann.

Auf dem Wege der Integration erlebt er Lustiges, Melancholisches, Empörendes und Anrührendes. Okoro begegnet Sonja und ein Kaleidoskop von Möglichkeiten eröffnet sich. Als weltoffen und tolerant schätzt sich die Akademikerin ein und stößt trotzdem immer wieder auf eigene, nie hinterfragte Vorurteile. Sie heiraten, er lernt Deutsch, wohnt in Karlsruhe, zieht um ins weltoffenere Bonn.

Je besser er Deutsch spricht, umso besser versteht er die Beleidigungen, eckt mit seiner anscheinend unverbesserlichen Lebensfreude an. Obwohl er die deutsche Staatsangehörigkeit erlangt, auf die er alle Hoffnung setzte, bleibt er auf dem Arbeitsmarkt ganz unten in der Hackordnung. Ein Studium kann er nicht finanzieren. Nach der Wende sind es ostdeutsche Kollegen, später russische und türkische, die ihn schikanieren. Die Wirtschaftslage tut ihr Übriges, sein Selbstwertgefühl zu unterminieren.

Mehr und mehr bewegt er sich in der Freizeit unter Asylbewerbern, denn im Vergleich zu denen hat er es geschafft und wird beneidet. Dadurch gerät er in andere Schwierigkeiten. Alle Träume scheinen erfüllt, als er nach langem Behördenkrieg einem Kind aus Nigeria ein Zuhause bieten darf.

Aus der Gegenüberstellung von Okoros erlittener Realität und Sonjas Reflexion in Tagebuchnotizen ergibt sich das Spannungsfeld einer binationalen Beziehung, in der alle Register der behördlich erwünschten Integration gezogen werden.

Die Autorin beweist intime Kenntnisse bei der Schilderung der Besuche in Afrika, wo Sonja sogar ein Hexengericht besucht, der Mentalität und durch die eingestreuten und im Glossar erläuterten Sätze der regionalen Sprache. Seine Betrachtungen sind malerisch emotional, ihre werfen stichwortartig Schlaglichter. Der Roman, der 2009 als Print und 2013 als Ebook herauskam, ist ein empfehlenswertes Lehrstück über Integration, also ein immer noch brandaktuelles Thema.

Sepp Spiegl

 

Dr.phil. Aide Rehbaum, seit 2004 ist die Archäologin/Historikerin selbständige Autorin und Illustratorin u.a. von Firmenfestschriften, Auftragsbiografien und Romanbiografien. Langjährige Wissenschaftsjournalistin für die historische Wochenendbeilage der Gießener Allgemeinen. Spezielles Interesse an Themen im Schnittpunkt von Kulturen: Deutsche im Ausland insb. Afrika, Deutsche auf der Flucht, Ausländer in Deutschland, Migrantenschicksale.

Seit 2006 Dozentin für Kreatives Schreiben an der VHS Bonn, leitet private Schreibgruppen, coacht Doktorarbeiten bzw. Menschen, die ihre Lebensgeschichte selbst schreiben wollen. Redakteurin beim Senioren-Medienforum, Sendungen für den Bürgerfunk.

komplette Publikationsliste: http://www.kreativ-schreibstudio.de/pub.htm

 

Produktinformation

  • Taschenbuch: 328 Seiten
  • Verlag: Greifenverlag zu Rudolstadt & Berlin; Auflage: 1 (16. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3869394048
  • ISBN-13: 978-3869394046
  • EUR 19,90




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