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Helga Hammer: Durch alle Zeiten

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Der Stoff dieses Romans basiert auf der Biografie einer Freundin der Autorin. Im Nachwort bezeichnet sie einen Großteil als fiktiv. Welcher Teil das ist, wird nicht offengelegt. Der Klappentext verspricht eine lebendige, klare und tief bewegende Geschichte.

Helga Hammer

Das Leben der Protagonistin Elisabeth könnte kaum haarsträubender ausgedacht sein. Elisabeth, eine Frau, die „mit allen Mitteln versucht, dem Leben Glück abzutrotzen“, wird 1940 in ein armes gefühlskaltes Elternhaus geboren, aus dem sie flieht, sobald es geht. Theoretisch könnte ihr der erste Freund ein besseres Leben bieten, aber Niklas, dem Sohn aus gutem Hause, ist die Tochter eines Holzfällers nur ein Abenteuer wert.

Ehrgeiz und ungezügelte Leidenschaft sind die Handlungsmotive, die sich von einem Desaster ins nächste durch das ganze Buch ziehen. Mit Abschluss der Haushaltsschule geht die junge Österreicherin 1957 als Kindermädchen nach England. Als sie zur Beerdigung der Mutter nach Österreich zurückkehrt, ist sie schwanger von ihrem Arbeitgeber.

Um nicht als uneheliche Mutter gebrandmarkt zu werden, heiratet sie schnellstens den Nachtwächter Martin. Die Vernunftehe befriedigt sie nur kurze Zeit, denn auch er ist arm. Erst als er sie beim Ehebruch ertappt, erfährt er, dass auch das zweite Kind nicht von ihm ist. Weil Elisabeth meint, eine Geschiedene mit zwei Kindern habe keine Wahl, erhört sie den um sie werbenden Bauern Josef, der sich nach der Heirat als brutaler Säufer entpuppt.

Die Autorin erzählt die Geschichte in zwei kontinuierlich wechselnden, in sich chronologischen Handlungssträngen. Der eine beginnt mit Elisabeths dritter Geburt und reicht bis in die Gegenwart, der andere startet in Elisabeths Kindheit. Durch das Hin- und Herspringen bricht ein einheitlicher Spannungsbogen, das unbegreifliche Verhalten entwickelt dennoch einen Sog.

Die Protagonistin weckt weder Mitleid noch Bewunderung, denn ihr schweres Leben vor der Kulisse der archaischen Bergwelt ist weitgehend selbst eingebrockt. Die Rebellion der Heldin gegen gesellschaftliche Zwänge bleibt halbherzig. Als Drehbuchvorlage für eine Alpensoap ist der Stoff vorstellbar.

 

       Ullstein-Verlag

  • Deutschsprachige Literatur
  • Hardcover
  • Hardcover mit Schutzumschlag
  • 272 Seiten
  • ISBN-13 9783961010080
  • Erscheint: 13.10.2017

 

 

 




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