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Filmtipp “LunchBox”

Romanze in der Millionenstadt Mumbai

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Zufällig gelangt Ilas Lunchbox zu Saajan (Irrfan Khan)
© AKFPL

Ein außergewöhnlich gelungenes Beispiel einer indisch-deutschen Koproduktion ist der Liebesfilm „Lunchbox“, das Debüt von Ritesh Batra, der auch das Drehbuch verfasst hat. Dieser leise Film ist das genaue Gegenteil eines typisch bunten und lauten Bollywood-Films, in dem die Darsteller ständig in Tanz und Gesang ausbrechen.

Damit der arbeitende indische Ehemann auch während seiner Mittagspause im Büro nicht auf das Essen seiner Frau verzichten muss, hat sich in Mumbai ein einzigartiger Lieferservice entwickelt. Die Dabbawallas holen das in Lunchboxen verpackte frisch zubereitete Essen am späten Vormittag ab und transportieren die Boxen über mehrere Zwischenstationen per Fahrrad und mit der Bahn direkt auf den Bürotisch. Es ist ein wahnwitziges Meisterwerk der Logistik: Täglich liefern über 4.500 Kuriere rund 200.000 Lunchpakete in Mumbai aus. Die Zuverlässigkeit liegt, trotz des chronischen Verkehrschaos, bei unglaublichen 99,9 Prozent. Statistisch gesehen geht nur einer von 6 Millionen Essensbehältern verloren. Genau dieser winzige Fehler im System wird zum Auslöser einer märchenhaften charmanten Lovestory.

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Mit ihren Kochkünsten möchte Ila (Nimrat Kaur) ihrer Ehe mehr Würze verleihen
© AKFPL

Ila möchte ihrer Ehe wieder mehr Würze verleihen. Mit ihren Kochkünsten will sie ihren Mann zurück gewinnen. Doch die ganz besondere Lunchbox landet irrtümlich bei Saajan, einem älteren Büroangestellten, der kurz vor dem Ende seines Berufslebens steht. Das köstliche Menü lässt ihn Gefühle für die ahnungslose Köchin entwickeln. Seine Komplimente, auf Zettelchen ins Rückgabe-Geschirr gelegt, spornen die vernachlässigte Ehefrau zu noch raffinierteren Gerichten an, und so entwickelt sich langsam eine Beziehung zwischen den beiden einsamen Großstadtseelen.

Ganz wunderbar ist die nuancenreiche Darstellung von Irrfan Khan („Slumdog Millionär“, „Darjeeling Limited“). Zunächst erscheint er als abgestumpfter Büromensch, der sich seit dem Tod seiner Frau völlig isoliert hat. Doch mit jeder neuen Lunchbox und jeder darin enthaltenen Nachricht taut er ein wenig mehr auf und entdeckt zunehmend seine verschütteten Gefühle. Seine Entwicklung deutet der Schauspieler in kleinsten Gesten an, etwa wenn er eine Box nach der anderen öffnet und den köstlichen Duft ihres Inhalts inhaliert.

LUNCHBOXAuf seinen Bahnfahrten zur Arbeit wird Saajan bewusst, dass es schon lange keine Sitzplätze mehr gibt, aber nicht nur das: Im Gegensatz zu seiner verstorbenen Frau bekommt er noch nicht einmal mehr ein horizontales Grab, sondern wird auch nach dem Tod stehen müssen. Solche Anekdoten zeigen, wie schwer es für die Bewohner von Mumbai ist, ihren Platz im Leben – und sogar im Tod – zu finden. Der Regisseur Ritesh Batra zeigt seine Heimatstadt Mumbai als brodelnde, multikulturelle Metropole, überlaufen und chaotisch: Aber trotzdem ein Ort für eine leise, berührende und poetische Romanze

Kein Wunder: dieser Film war der Geheimtipp auf dem Filmfestival von Cannes 2013.

LunchBox
Regie: Ritesh Batra
105 Min. D/Ind
Filmstart: 21. November 2013

Ursa Kaumans




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