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Kinotipp: Am Hang

Valerie (Martina Gedeck) und Felix (Henry Hübchen)

Valerie (Martina Gedeck) und Felix (Henry Hübchen) in einem glücklichen Moment.

An manchen Stellen erinnert dieser Film an Claude Chabrols psychologische Thriller. Sie spinnen Fäden, die vermeintlich nicht zusammen gehören. Oft skurrile Gestalten finden in den Handlungen häufig doch zu einem überraschenden Ende.  Dafür hat der Schweizer Regisseur Markus Imboden die Richtigen gefunden. Henry Hübchen, den wir mit Krauskopf, Knorrigkeit und trotzdem hellwach kennen. Ob er den überforderten Kulturenwanderer oder ewig unter Alkohol stehenden Medienstar mimt, er füllt den Raum. Als Felix reist er seiner Frau hinterher, die sich aus seinem Leben verabschiedet hat.

Martina Gedeck spielt eigentlich eine Doppelrolle. Sie ist die abhanden gekommene Ehefrau Valerie. Aber auch die verheiratete Geliebte des jungen Scheidungsanwaltes Thomas, der von Max Simonischek gespielt wird.

Männergespräche

H.Hübchen und M. Simonischek

Jurist Thomas (Max Simonischek, l.) mit dem Cellisten Felix in der Hotelbar.

Beide Männer begegnen sich zufällig im Restaurant mit Alpenpanorama. Kommen im Gespräch auf ihre Frauen. Der eine, der seiner Bettina hinterher trauert, und der andere, der von seiner verheirateten Geliebten Valerie schwärmt.  Langsam kriecht es hervor, sie reden von derselben Frau. Es kommt zu keinem Duell, sondern – eben im Sinne Chabrols – zu einer besonderen Wende in der Beziehung der beiden Männer.

Man kann dem Film vorwerfen, zwischendurch den Faden verloren zu haben. Er wird dann aber doch wieder sehr präzise aufgenommen. Ob diese Kulisse nur dem Schweizer Regisseur zu verdanken ist, kann ich nicht beurteilen. Sie hat jedenfalls etwas Verdichtendes. Etwas denkt man an den Zauberberg. Auch sieht man sich mitunter in diese Zeit versetzt. Allerdings holen einen die neuzeitlichen Dialoge ganz schnell wieder in die Gegenwart.

Scheinwelt?

Jurist Thomas (Max Simonischek)

Thomas in der Hotelbar.

Ob es eine Bürgerwelt ist, die mancher Kritiker nicht (mehr) für real hält, ist für mich unerheblich. Gerade dieses Flair mit der Auswahl der Location lässt den Inhalt des Filmes leben. Ein Business-Wellness-Tempel mit einer sinnsuchenden Ehefrau auf der Flucht und einem ernsthaft wankenden Ehemann würde dem Roman, der dem ganzen zu Grunde liegt, nicht gerecht.

Eine Beziehungs-Tragikkomödie muss nicht immer aus oder in egomanischen Ergüssen gespeist werden. Und nicht um jeden Preis dem Zeitgeist der dynamischen Krisenbewältigung frönen. Es geht auch mit menschlichen Gestalten.

Paul Pawlowski

Fotos: Arsenalfilm

Filmplakat "Am Hang"

Filmplakat “Am Hang”

 

Am Hang, Deutschland, Schweiz 2013
Kinostart: 28.11.2013
91 Min., FSK ab 12
von Markus Imboden,
mit Martina Gedeck, Henry Hübchen, Maximilian Simonischek

 

 

 

 

 

Der Trailer:

 




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