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„All is lost“ mit Robert Redford

Ein faszinierendes Einmann-Stück um Leben und Tod

Seit Tagen kämpft der Mann um sein Schiff, um sein Leben gegen die Natur, die keine Spur von Anteilnahme zeigt und gegen den Sturm, der sich einfach nicht legen will. Jetzt liegt er erschöpft in all-is-lost-2seinem Rettungsfloß, einem winzigen Stück Plastik inmitten des endlosen Ozeans. Nur ein Kanister mit Trinkwasser konnte er retten und nun will er sich endlich einen Schluck holen. Aber das Salzwasser hat die letzte Ration verseucht. Nie kam ihm beim Anblick seines sinkenden Schiffes ein Wort über seine Lippen. Aber jetzt lehnt er sich zurück und schreit mit der Kraft der Verzweiflung: „Ffuuuck!“ Es bleibt eines der wenigen Worte, die Robert Redford in seiner größten Rolle seit Jahrzehnten sagen wird

Nur ein paar berührende Sätze aus dem Off werden dem Einmann-Drama vorangestellt: der Abschiedsbrief, den der einsame Segler schreibt. Wem er Lebewohl sagt, wird nicht ganz klar; seiner Familie vielleicht oder Freunden, wenn er denn welche hatte. Auf jeden Fall dem Leben und der Welt. Denn darum geht es in diesem Kammerspiel: Was bleibt übrig vom Leben, wenn wir alles verlieren, von dem wir glaubten, dass es uns ausmacht? Wir besinnen uns auf den Tod, den wir so sorgfältig aus unserem Leben ausschließen, aber der doch auf uns alle wartet. Der Film ist in seinem trockenen Realismus faszinierend. Der Zuschauer wird vergeblich nach einer Überhöhung suchen. Die Tiefe und Dichte des Films entsteht allein aus ruhigem, konzentrierten Beobachten. Was in der Figur vorgeht, muss das Publikum erahnen. Wir werden nicht erfahren, ob der Mann vor der Verantwortung oder vor den Wunden, die das Leben schlug, davon segelt. Das häufigste Wort in seinem Abschiedsbrief jedenfalls ist „Verzeihung“. Und dennoch kämpft der alte Mann mit unglaublichem Willen nun um sein Leben. Aber wenn der Tod kommt, wird er bereit sein.

Robert Redford – ein ganz großer Schauspieler

all-is-lost-20Für Robert Redford ist diese Rolle ein Geschenk. Trotz seiner zahlreichen großen Erfolge, etwa 1984 in „Jenseits von Afrika“ und 1998 „Der Pferdeflüsterer“, hatte er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Hollywood rasch satt hatte. Wegen seines guten Aussehens wurde er immer wieder in romantischen oder Heldenrollen besetzt. Er zog sich in die Berge von Utah zurück, wo er ein ganzes Skigebiet kaufte und widmete sich u. a. dem Umweltschutz.

Das Angebot zum Neustart kam von dem Regisseur J. C. Chander. Dieser erkannte, dass nur Robert Redford die anspruchsvolle Rolle spielen könnte. all-is-lost-posterDer 77jährige, der das nur 30 Seiten umfassende Drehbuch schnell gelesen hatte, sagte zu, obwohl die Arbeit eine ungeheure körperliche Herausforderung für ihn darstellte. Endlich konnte er wieder „purer“ Schauspieler sein. Er leiht dem Mann ohne Namen sein verwittertes, aber immer noch schönes Gesicht und eine magnetische Ausstrahlung, wie sie nur eine mehr als 40jährige Erfahrung möglich macht.

Ob der Kampf wirklich verloren ist, wie der Titel sagt, bleibt offen. Vielleicht geht es ja auch einfach nur um den Kampf, auf den es wirklich ankommt.

Ein sehr sehenswerter Film voller Leben!

Filmstart: 9. Januar 2014

Ursa Kaumans

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    Tags: film, will, schauspieler, seiner, regisseur, leben, seinem, is, lost, robert


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