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Jogging-Point

Herren Alter Schule

In Zeiten, wo Traumschiffe in die Insolvenz gehen, es den Anschein hat, dass eine ganze Generation um den Globus schippert, da sollte man sich diesen Mikrokosmos in Bruttoregistertonnen doch mal ansehen. Der Film von Stefan Bergmann schaut sich in der Welt der älteren Kreuzfahrer um. Deswegen trifft der Titel doppelt: Die Herren sind vielleicht wirklich die letzten Gigolos der „MS Deutschland“, wenn sich kein Investor findet.

Eigentlich habe ich fast immer Bauchweh, wenn es um einem Film geht, der das Prädikat „besonders wertvoll“ erlangt. Oft genug war es eine Produktion, die wohlfeil gefördert, sich um die Selbstbeweihräucherung des Kulturelfenbeinturm verdient gemacht hat. Oder dieser Preis entsprach mehr dem Hobby einer Jury oder einer Gesellschaftslobby, die ein manchmal schon absurdes Thema auf der Leinwand sehen wollte. Richtige Kleinode findet man in dieser Auswahl aber auch regelmäßig.

Hosts – Dienstleister der Herzen

Filmausschnitt "Die letzten Gigolos"

„Die letzten Gigolos“
Foto: Neue Visionen

Hier dürfte es sich um ein solches Kleinod handeln. Dokumentation einer ganzen Generation von Herzen und Seelen, die sich eine Nische schaffen. Die Tanzherren der alten Schule auf Kreuzfahrtschiffen versüßen aufgeschlossenen Damen ab 60 ihren Urlaub. In entspannter Atmosphäre bereisen sie als Dienstleister (so genannte Hosts) von Reedereien der Luxusdampfern die Welt. Sympathisch und offen sprechen die Senioren über ihr sehr bewegtes, teilweise mit größeren Härten belegtes Leben, über ihre Sehnsüchte, über das Alter, den Sex und den Wunsch, auf dem Traumschiff Momente des Glücks zu erleben.

Zusammen mit dem Frankfurter Peter Nemela (74) begibt sich der Regisseur Stephan Bergmann auf die Spuren derer, die als Gentlemen auf dem Schiff ihre Träume verwirklichen wollen. Doch taugt das Kreuzfahrtschiff nur begrenzt als Spielwiese für ihre Sehnsucht nach einem besseren Leben. So liegt es an den Kavalieren selbst, mit Glück und Talent ihrem Traum etwas näher zu kommen. »Die letzten Gigolos« erzählt von charmanten Herren, die ihre Sehnsüchte auf Kreuzfahrtschiffen zu verwirklichen hoffen und von denen, die niemals aufgeben werden, sie zu suchen.

Einsam in Glanz und Gloria

Einsam an Bord

„Die letzten Gigolos“
Foto: Neue Visionen

Dem Regisseur gelingt es, die Personen auf angenehme Weise zu portraitieren. Auch wenn es amüsante Beobachtungen gibt, stellt er seine Protagonisten nie aus, sondern beweist großes Einfühlungsvermögen gerade auch bei rührenden, tragischen oder komischen Momenten. Die Würde des Einzelnen wird hier besonders betont. Die hervorragende Kamera gibt den Glanz der Tanzszene wieder, zeigt aufwändige Roben und schöne elegante tänzerische Darbietungen. Interessant ist auch, wie sie das Leben an Board auf ästhetisch ansprechende Weise einfängt, gleichzeitig auch den riesigen Geschäftsbetrieb von der chemischen Reinigung über teure Geschäftszeilen bis zu den Heerscharen an Personal im Restaurantbetrieb zeigt.

Eine wunderbar gestaltete Dokumentation, die sehr facettenreiche Einblicke in die Welt eines wahren Traumschiffes gewährt.

Der Trailer:

Filmplakat "Die letzten Gigolos"

 

 

Gattung: Dokumentarfilm
Regie:Stephan Bergmann
Drehbuch:Stephan Bergmann
Kamera:Janis Mazuch
Schnitt:Gesa Marten; Martin Kayser-Landwehr
Musik:The Embassadors; Tilo Busch
Länge:91 Minuten
Kinostart:29.01.2015
Verleih:Neue Visionen
Produktion:MADE IN GERMANY Filmproduktion GmbH, ZDF;
FSK:0
Förderer:FFA; BKM; Filmstiftung NRW; DFFF

 

Paul Pawlowski/pp


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