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Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen

Sabine Bode, Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen

Sabine Bode

Dass das Sachbuch einer Journalistin nun schon in der 30. Auflage erscheint, spricht für die Aktualität des Themas. Bode hat viele Traumatisierte interviewt, die im Alter sowohl von ihren verdrängten Erinnerungen eingeholt wurden, oder/und zunächst keine Ursachen für ihre körperlichen Leiden fanden. Das Verdrängen der Vergangenheit hatte Folgen auch für deren Kinder. Die Autorin verknüpft und analysiert die Geschichten mit Zitaten von Psychotherapeuten.

Manche der Betroffenen haben bewusst entschieden, wie z.B. ein Ehepaar, das sich ein einziges Mal einander alle Kriegserlebnisse berichtete, nie wieder darüber zu sprechen. Andere haben ihre Vergangenheit verschüttet unter rastloser Aktivität oder betäubten sie mit Alkohol und Tabletten, weil lange Zeit gesellschaftlich unerwünscht war, auch andere Opfer als die des Holocaust wichtig zu nehmen. „Wenn man den Schmerz des Körpers versteht und übersetzt, kann er aufhören, weh zu tun.“ Garantien gibt es keine, so einfach wünscht man sich den Mechanismus.

Interessant, dass nicht jeder Feld-, Wald– und Wiesenpsychologe den Traumatisierten helfen kann, denn die normale Gesprächstherapie verfestigt das Elend. Das Graben nach den Erlebnissen, die oft nur Bilder, Fragmente von Gerüchen und Geräuschen sind, aber keine Sprache und Geschichte kennen, verstärkt die Flashbacks, liefert aber keinen Ausweg. Da mussten erst Soldaten aus den Balkankriegen zurückkommen, damit sich spezielle Methoden entwickelt haben, um das Posttraumatische Belastungssyndrom zu behandeln.

Das 2004 konzipierte Buch soll eine erste Möglichkeit bieten, den Jüngeren zu helfen, ihre zwischen 1935 und 1945 geborenen Eltern, besser zu verstehen und erhebt nicht den Anspruch, als umfassendes Lehrbuch in die Tiefe zu gehen. Bis dahin gab es keine öffentliche Wahrnehmung dieses Themas. Entsprechend leicht verständlich ist es geschrieben, simplifiziert an manchen Stellen und lässt ein Literaturverzeichnis vermissen. Aber heutzutage sollte fast jeder in der Lage sein, im Internet nach weiterführender Literatur zu suchen.

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

 

 

 

Verlag Klett-Cotta
Mit einem Nachwort von Luise Reddemann
30. Druckaufl. 2016, 304 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94797-7
¢ 9,95





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