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Deutschlands „grünes Herz“

Anregung für alle, die Thüringen noch nicht kennen

Ulrich Metzner

Bis in die Mitte der 50-er Jahre des vorigen Jahrhunderts stand über dem Portal zum Hauptbahnhof in Eisenach in großen Buchstaben zu lesen: „Thüringen, das grüne Herz Deutschlands“. Irgendwann einmal in jener Zeit jedoch verschwand der nationale Bezug – genauso wie der von Johannes R. Becher verfasste Text der DDR-Nationalhymne nicht mehr gesungen werden durfte: „Deutschland, einig Vaterland“. Für die damals noch in Pankow residierenden DDR-Machthaber um Walter Ulbricht war dies eine von vielen Maßnahmen, mit denen sie hofften, jeden Gedanken der Menschen an eine möglicherweise verbliebene Zusammengehörigkeit im geteilten Land auszumerzen.

Das gehört, zum Glück, seit mehr als einem Vierteljahrhundert der Geschichte an. Was vorher vierzig Jahre lang zumindest den Deutschen im Westen nahezu versperrt war, ist seitdem wieder für jedermann offen. Und gerade der „Freistaat Thüringen“ ist für den neugierigen, mit offenen Augen Reisenden ein wahres Schatzkästlein mit einer Fülle von faszinierenden Kleinodien – großen und offenen ebenso wie kleinen und eher verborgenen, kulturellen und architektonischen. „Freistaat Thüringen“? Ja, selbstverständlich! Denn, zusätzlich zu den vielen (aus seiner wechselvollen Historie her rührenden) Eigentümlichkeiten kann das von Bayern, Hessen, Sachsen-Anhalt und Sachsen eingegrenzte Bundesland auf ein „Alleinstellungsmerkmal“ verweisen: Wenn auch nur ganz kurz vor Bayern war Thüringen das erste Land, das sich mit dem Titel „Freistaat“ schmückte. Das war 1919, nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und dem verlorenen 1. Weltkrieg.

Ein schönes Lese- und Fahrtenbuch

Natürlich ist das nur eine Facette aus der vielfältigen alten, jüngeren und jungen Geschichte dieses über lange Zeiten in zahlreiche (bis hin zu Mini-)Herrschaften aufgesplitterten Gebiets. Wer Lust auf Thüringen hat und das Land der Wartburg und des Kyffhäusers, des von Liedern und Erzählungen begleiteten ältesten deutschen Fernwanderwegs „Rennsteig“ und der majestätisch klingenden Silbermann-Orgel in der Schlosskirche der „Skat“-Stadt Altenburg noch nicht kennt – der sollte unbedingt nach dem Buch greifen „Thüringen – faszinierendes Kleinod im Herzen Deutschlands“. Es ist ein Lese- und Fahrtenbuch gleichermaßen. Der Autor Ulrich Metzner, ein gelernter Journalist, hat in leicht lesbarer Sprache und dennoch außerordentlich informativ ein regelrechtes Kaleidoskop geschaffen. Es umfasst die Überlieferung vom Sängerwettstreit auf der (mittlerweile zum Unesco-Weltkulturerbe erklärten) Wartburg oberhalb von Eisenach ebenso wie die Mythen um die Heilige Elisabeth.

Der Leser kann sich ferner (höchst aktuell im jetzigen Lutherjahr) vom Autor auf den Spuren des Reformators wie auch seines späteren, erbitterten Widersachers Thomas Münzer führen lassen. Doch es steht ihm ebenso frei, literarisch einzutauchen in Thüringens kulinarische Verführungen mit (besonders gut!) Bratwurst auf dem Marktplatz von Weimar oder Kartoffelklößen und Rouladen. Den Natur- und Weinfreund, wiederum, mögen das Saaletal mit den darüber thronenden Dornburger Schlössern und der Unstruth-Wein in und um das Winzer-Zentrum Freyburg besonders anziehen. Und muss man Weimar und Erfurt erwähnen? Weimar mit Goethe und Schiller? Aber auch mit dem Konzentrationslager Buchenwald. Oder soll man die in (wahrscheinlich nie zuvor gekannter) Schönheit erstandene Landeshauptstadt Erfurt herausheben – das „Thüringische Rom“ mit seinen 240 Brücken und 22 Kirchtürmen in der Altstadt?

Wer zählt die Häupter…?

Ist es ein Zufall, das einem ausgerechnet Friedrich Schillers Ballade „Die Kraniche des Ibikus“ mit „Wer zählt die Häupter, nennt die Namen“ in den Sinn kommt, wenn sozusagen das Heer der großen Geister vorbei marschiert, die untrennbar mit Thüringen verbunden sind? Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller wurden bereits erwähnt. Die genialen Maler Lucas Cranach (Vater und Sohn) können nicht genannt werden, ohne zugleich an Martin Luther oder den Humanisten Erasmus von Rotterdam zu erinnern. Schließlich die Komponisten mit der ganzen Bach-Familie, dazu Franz Liszt, Johannes Brahms und Richard Wagner. Dazu Schriftsteller wie der Aufklärer Christoph Martin Wieland oder Philosophen wie Johann Gottfried Herder und viele mehr. Und nicht zu vergessen auch der philosophische Spötter und Satiriker Joachim (Kuddeldaddeldu) Ringelnatz. Fast scheint es, als habe dieses kleine Stückchen Erde mitten in Deutschland eine geradezu magnetische Wirkung ausgeübt.

Das zu beschreiben, ist dem Autor Ulrich Metzner vorzüglich gelungen. Man merkt, dass ihm Land und Leute Freude bereitet haben.

Gisbert Kuhn

 

Ulrich Metzner

„Thüringen. Faszinierendes Kleinod im Herzen Deutschlands“

Verlag Anton Pustet, Salzburg

192 Seiten

Format 17 x 24 cm

Hardcover

Durchgehend farbig bebildert

25,– Euro

ISBN 978-3-7025-0864-7              




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