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Der berühmte Herr Leibniz.

Eike Christian Hirsch mit einer Biographie, Neuauflage 2016

Eike Christian Hirsch

Der Journalist Eike Christian Hirsch zeichnet in seiner Biographie über Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), nicht etwa den Erfinder des gleichnamigen Kekses, sondern einer ersten Rechenmaschine, der Infinitesimal-Rechnung, Erdenker des Atoms und vielem mehr, das Bild eines weltfremden Universalgelehrten, dessen Ideenreichtum Zeitgenossen gleichermaßen faszinierte wie seine Selbstüberschätzung beunruhigte.

In altmodischem Aufzug drängte sich der unermüdlich Reisende den Fürstenhöfen auf. Die einen nahmen ihn nicht ernst, die andern versprachen viel aber zahlten nicht. Er wollte mit beeindruckendem Überblick die Welt gestalten, die Tücken der Praxis schätzte er gering und überließ sie anderen.

Mehrere Jahrzehnte sammelte Leibniz Archivmaterial zu einer Geschichte der Welfen. Dabei verzettelte er sich einerseits im Detail, andererseits fehlte dem hyperaktiven Workaholic die Konzentration auf eine Sache. Sein Talent, abstrakte Probleme zu theoretischen Lösungen zu bringen und wegweisende Gedanken zu entwickeln, die heute noch gültig sind, wurde so richtig erst ab dem 19. Jahrhundert geschätzt und verstanden.

Leibnitz fehlte allerdings das Gespür für das Machbare und die diplomatischen Finessen des gesellschaftlichen Umgangs, so dass er seine Umgebung brüskierte und in manchen Situationen für einen Hofnarren gehalten wurde. Schlecht organisiert, scheiterte er an der Überfülle von Projekten und blieb lebenslang unbefriedigt, da er auch Publikationen aus Angst vor Konkurrenz vermied.

Der Autor hat nicht den Überblick verloren, obwohl er eine Unmenge Quellen ausgewertet hat und jedem Schritt –mitunter sogar allzu ausführlich- hinterherspürt. Kaum war Leibniz tot, wurde seine Wohnung versiegelt. Deshalb ist sein Nachlass auch noch komplett erhalten, u.a. sind es Abschriften von 15.000 Briefen. Hirschs populärwissenschaftliche Biographie verzichtet auf Fußnoten und wirft ein Schlaglicht auf die adlige Gesellschaft um 1700, den Kosmos eines Außenseiters, der ständig darum kämpfte, dazuzugehören. Eine lohnende, wenn auch nicht leicht konsumierbare Lektüre, die ungezählten Akteure sind mitunter schwer auseinanderzuhalten.

 

 

Rezension von Dr. Aide Rehbaum

Verlag C.H.Beck oHG
2. Auflage der überarbeiteten Neuauflage 2017. 659 S.: mit 60 Abbildungen. Gebunden
ISBN 978-3-406-69816-3
29,95 €   inkl. MwSt.


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