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Congratulations Mrs. Munro!

Eine große Schriftstellerin erhält den Literaturnobelpreis 2013

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Alice Munro

Endlich würdigt die Stockholmer Jury, diesmal ohne den Beigeschmack der moralischen Unterstützung oder des politischen Kalküls, eine nordamerikanische Meisterin der Short Story, die heute 82-jährige Alice Munro. Sie wird geehrt für ihre unvergleichliche Fähigkeit auf 30 Seiten Alltagsgeschehnisse und vordergründig alltägliche Gefühle lakonisch, knapp, klassisch, fast altmeisterlich zu erzählen.
In ihrem jüngsten Erzählband „Zu viel Glück“ hat die kluge, feinfühlige Erzählerin diese Kunst bis zur Vollendung perfektioniert. Ihr Bewunderer, der amerikanische Roman-Autor Jonathan Franzen, der zuletzt den Roman „Freiheit“ schrieb, bemerkte, dass sie auf 30 Seiten schafft, wofür er 800 Seiten braucht und vergleicht sie mit den größten Autoren der Literaturgeschichte. „Mit ihr kann es auf diesem Planeten allenfalls eine Handvoll Schriftsteller aufnehmen“. Munro habe im Bereich der Kurzgeschichte Tschechow übertroffen – „und der war nicht gerade ein Anfänger.“Alice Munro erzählt ihre Kurzgeschichten wie von leichter Hand hingeworfen. Aber dieser Eindruck täuscht. Dahinter steckt beinharte Arbeit, denn nur dadurch entstehen diese klar und psychologisch stimmigen Kompositionen.

 Kurzer Abriss eines langen Lebens

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Alice Munro

Alice Munro wurde 1932 in Ontario, Kanada, geboren und wuchs mit ihren beiden Geschwistern auf einer Silberfuchsfarm zwischen Toronto und Detroit auf. Ihre Eltern hatten für sie das Leben als Farmersfrau vorgesehen. Aber Alice Munro hatte andere Lebenspläne. Dass sie Schriftstellerin werden wolle, sei ihr bereits als Schülerin bewußt gewesen, berichtete sie in einem Interview. Nachdem sie aus Geldmangel ihr Journalismus-Studium abbrechen mußte, heiratete sie, brachte vier Töchter zur Welt, von denen eine nach der Geburt starb, gründete mit ihrem Mann 1963 eine Buchhandlung an der kanadischen Westküste. Als Hausfrau und Mutter begann sie in den fünfziger Jahren zu schreiben und verzeichnete schon erste Erfolge. Nach ihrer Trennung im Jahr 1972 heiratete sie den Geographen G. Fremlin, der 2013 starb. Heute lebt sie in Ontario und in British Columbia.

 Ihr bisheriges Werk

 13 Erzählbände mit Kurzgeschichten und ein Roman sind bislang publiziert. Fast immer geht es um das Leben in der kanadischen Provinz, aus der sie selbst kaum in ihrem Leben herausgekommen ist. Ihre Geschichten sind realitätsnah, abgründig und haben häufig einen offenen Schluß. In Sätzen und Dialogen, die gewöhnlich erscheinen, versteht sie es, das Unheimliche des alltäglichen Lebens sichtbar zu machen.

Zu viel Glück

Alice Munro ” Zu viel Glück “, Zehn Erzählungen
Erscheinungsdatum: 13.05.2013

 Ihr deutscher Verleger Jörg Bong vom S. Fischer-Verlag attestiert ihr in einem Interview am 11.10.2013 bei der Frankfurter Buchmesse Größe, Weisheit, Tiefe und Bescheidenheit von einer einzigartigen Aura. Nachdem der Vorrat an Erzählbänden von Alice Munro schon bald nach Bekanntwerden der Preisverleihung rasch zur Neige gegangen war, hat der S. Fischer-Verlag schnell reagiert und rund 300 000 Exemplare ihrer Bücher nachgedruckt. Auch das neue Buch „Liebes Leben“ soll statt im Frühjahr 2014 bereits am 05.12.2013 erscheinen. Eigentlich hat die 82-jährige Autorin vor, keine Bücher mehr zu schreiben, aber das hat sie wohl schon dreimal zuvor angekündigt. Man darf hoffen, dass es vielleicht doch noch ein weiteres Buch geben wird!

 Kurze Geschichte des Nobelpreises

 Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833 – 1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als „Wiedergutmachung“ vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die „im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben.“ Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet. Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 Kronen auf zehn Millionen Kronen (eine Millionen Euro), wurde aber 2012 wegen der Wirtschaftskrise wieder auf acht Millionen Kronen gesenkt. Höhepunkt ist stets die Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, in Stockholm.

 

 Ursa Kaumans

 




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