- Anzeige -
Jogging-Point

Zwischen Malle und Mond

Mehr Geld für den Urlaub

Autor Dieter Buchholtz

Ab in den Urlaub. Millionen erholungshungriger Bürgerinnen und Bürger machen sich jetzt oder in den nächsten Wochen auf in den zumeist verdienten Urlaub. Apropos verdienen. Immerhin knapp 20 Prozent der Deutschen können sich selbst eine Woche Urlaub nicht leisten. Wer wollte nicht auch diesem benachteiligten Teil der Bevölkerung das so herrliche Abchillen in schönen Landschaften und außergewöhnlichem Ambiente gönnen.

Aber dennoch ist auch bei solchen saisonbedingten Meldungen ein bisschen Relativieren angesagt. Denn die von Eurostat erhobenen Zahlen verdeutlichen auch, dass sich die Lage an der Holiday-Front in den letzten Jahren in Deutschland nennenswert verbessert hat. Während sich 2006 immerhin 34,7 Prozent diesen einwöchigen Urlaub „Mal weg von zu Hause“ nicht leisten konnten, sind es jetzt exakt nur noch 19,2 Prozent. Das ist gut – auch im europäischen Vergleich. Aber jedem Einzelnen ist zu gönnen, wenn sich noch mehr Erholungssuchende diesen einwöchigen Kernurlaub leisten könnten.

Dieser bundesdeutsche Freizeit-Aufschwung hinterlässt – wen wundert es – auch Spuren im Detail. So wollen die Bundesbürger in diesem Jahr etwa bis zu 1500 Euro pro Person für das touristische Entspannen im Haupturlaub ausgeben. Das sind bei einem Dreipersonenhaushalt immerhin 400 Euro mehr als noch vor zwei Jahren.

Türkei und Ägypten in touristischer Flaute

Bei der Urlaubszielsuche sind viele auch wählerischer geworden. Sie wollen sich in Sicherheit erholen. Für zuvor begehrte Länder wie beispielsweise Ägypten oder die Türkei ist touristische Flaute angesagt. Stürmischen Andrang dagegen erlebt gegenwärtig die Baleareninsel Mallorca. Aktueller Zwischenstand: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres stieg die Zahl der Passagiere auf dem Flughafen von Palma um 6,7 Prozent auf 7,7 MillionenPassagiere im Vergleich zum selben Zeitraum im letzten Jahr.

Gleichzeitig wehrt sich die Malle-Insel tapfer und kämpft mit deutlichen Qualitätsverbesserungen gegen eine unkontrollierte Vermassung. Mit einer Luxusoffensive wollen die Mallorquiner weg vom Ballermann-Image. Zweifelsfrei ergeben sich damit deutlich mehr Chancen, dass sich Lebensältere und Zahlungskräftige weiter oder sogar zunehmend hier wohl fühlen. Man kann allen Inselbegeisterten nur wünschen, dass den Spaniern dieser schwierige Balanceakt auch gelingt.

Und ab mit der Moonbox

Denn ein urlaubsbedingtes Ausweichen auf den Mond – utopisch und für die meisten Zeitgenossen wohl in vielerlei Hinsicht auch undenkbar. Und dennoch! Ein Aspekt aus den Urlaubsritualen scheint sich in zwei Jahren auf dem Mond zu verwirklichen. Wir alle kennen das stundenlange Suchen nach dem richtigen Reisesouvenir – für die eigene Wohnung, für Verwandte oder Freunde! Genau das soll ab 2019 in Richtung Mond möglich werden.

DHL will zusammen mit der US-Firma Astrobotic Moonboxen auf den Erdsatelliten schießen. Die Landefähre Pelegrine soll es richten. Die kleinste Kapsel mit 1,27 Zentimeter Länge, 0,32 Zentimeter Breite und 2,54 Zentimeter Höhe soll dann 460 Dollar kosten, wenn man sie mit persönlichen Souvenirs bestücken will. Vielleicht ab zweigen wir die anfangs genannten 400 Euro dennoch mehr für den erdgebundenen Urlaub ab und schicken eine Haarlocke der oder des Liebsten, eine Fotopostkarte aus dem Urlaubsort als Beweise für spätere Generationen in den Orbit, was wir so alles auf dem blauen Planeten getrieben haben.

Umlernen im Fahrstuhl

Der Gruß von der Erde auf den Mond geht natürlich nur mit einer Rakete. So mancher Fahrstuhl fördert seine Passagiere in ähnlicher Weise und in Sekunden zig Stockwerke hoch. Nicht aber mit einem Treibsatz, sondern altvertraut mit Seil und Motor. Auch hier werden wir wohl bald umlernen müssen. „Multi“ nennt ThyssenKrupp sein elektromagnetisches Aufzugssystem, das Kabinen vertikal und horizontal bewegen kann. In einem Schacht können dann auch mehrere Kabinen unterwegs sein. Also wird vermutlich bald mit dem alten eher unflexiblen System Schicht im Schacht sein.

Es heißt also bei unendlich vielen Themen in dieser Gesellschaft immer wieder vom Gewohnten, vom Alten, vom vermeintlich Bewährten Abschied zu nehmen. So hat es viele Jahre gebraucht, bis wir gelernt haben, den Demographiefaktor wahrzunehmen. Die daraus abzuleitende Botschaft: Wir werden immer älter und der Anteil der Älteren in unserer Gesellschaft wächst unaufhörlich. Das bleibt nicht falsch.

Umdenken an immer neuen Schnittstellen

Aber die Statistik-Forscher sagen nun, dass unsere Bevölkerung ab 2043 wieder jünger wird. Wie denn das? Um hier Aussagen machen zu können, teilen die Wissenschaftler die Gesellschaft in eine jüngere und eine ältere Hälfte ein. An der Schnittstelle beider gleichen Teile liegt das Medianalter. Und dies wird 2043 bei 46,5 Jahren liegen.

Die Prognose sagt, dass das Medianalter dann bis 2098 auf 40,1 Jahre sinkt. Dieser in 26 Jahren erreichte statistische Wendepunkt hat unter anderem auch seinen Grund darin, dass die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1960er Jahren sterben und damit aus der Statistik fallen. Anhand solcher Überlegungen und Zukunftsberechnungen wird – unabhängig von ihrer Verlässlichkeit – deutlich, wie schwer es ist, Zukunft vorauszusehen.

Nehmen wir ein weiteres Beispiel. Man hat lange Jahre immer wieder belegt und prognostiziert, dass die Älteren unter uns immer früher beginnend und deutlich häufiger schlechte Jobchancen haben. Ganz offensichtlich hat es hinter den Negativ-Schlagzeilen ein Umdenken bei deutschen Unternehmen gegeben. Die älteren Arbeitnehmer werden immer stärker als Bereicherung und weniger als Belastung wahrgenommen. Zahlen belegen das. So haben 2003 nur 39 Prozent der 55- bis 64-Jährigen einen Job gehabt, 2015 sind es immerhin schon 66 Prozent. Mit anderen Worten: Hier bewegt sich was. Alte Grenzen weichen einer neuen Flexibilität. Das ist gut so, denn nichts ist schlimmer als Stillstand und damit einhergehende Verkrustung.

Statistiken auch mal anders lesen

Natürlich höre ich auch Gegenstimmen, die beispielsweise mit Recht darauf hinweisen, dass so manch ein älterer Bürger einfach nicht mehr kann, dass er schlicht früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden muss… All das ist richtig und bedarf unserer gesellschaftlichen Begleitung und Unterstützung.

Aber es muss eben auch erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass es nicht wenige Seniorinnen und Senioren gibt, die gerne – vielleicht mit weniger Stunden – länger arbeiten wollen. Hierzu bedarf es schlicht flexibler Regelungen. Diese müssen gefunden werden, wenn wir heute durch das Statistische Bundesamt feststellen können, dass 2017 geborene Jungen bis zu 90 Jahre und Mädchen bis zu 93 Jahre alt werden. Und 100 Jahre zurück: Da hatten Jungen im Durchschnitt eine Lebenserwartung von 55 und Mädchen von 62 Jahren. Allein durch diese Zahlen wird deutlich, dass sich im letzten Drittel unseres Lebens einiges an Rahmenbedingungen ändern oder anpassen muss.

Aso rein in den neuen Aufzug. Auch mal eine Karte zum Mond schicken. Nicht integraler Teil einer Altersverkrustung werden. Statistiken mal anders lesen – ohne Schere im Kopf. Arbeit vielleicht auch eher mal positiv sehen oder sogar erleben…

Es müsste zu schaffen sein!

Dieter Buchholtz


Diesen Artkel versenden Diesen Artkel versenden