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Wie geht´s denn so?

Rentnerleben im Spiegel des Datenreports

KritikMeckern erleben wir oft als medialen Treffer. Altersarmut ist ein solch guter oder auch schlechter politischer Zankapfel. Ähnlich dem Klimawandel – so die stromlinien-geformte öffentliche Meinung – kommen böse Rentenzeiten auf uns zu. Leiden wir heute schon auf Vorrat? Sind wir zu pauschal, zu undifferenziert?

Untersuchungen belegen, dass wir offensichtlich ein Volk von Pauschal-Meckerern sind. Wir fühlen uns deutlich unglücklicher als andere Gesellschaften. Obwohl wir zu den reichsten Nationen der Welt gehören. Wir sind erkennbar Weltmeister im Leiden – tatsächlich oder eingebildet, das verschwimmt zuweilen. Der deutsche Mundwinkel hängt eben lieber nach unten. Pessimismus als mehrheitsfähiges Lebensgefühl – zumindest nach außen. Deshalb kommt auf die Frage, wie es denn so gehe, sehr selten: „Sehr gut“; eher schon: „Na, ja…“

Alarm durch Armutsrisiko

In diese Stimmung passt auch der am 26. November 2013 veröffentlichte „Datenreport 2013“. Die auf die Rentner bezogenen Botschaften lauteten in der Presse u.a. und wie ich meine, etwas einseitig herausgestellt: Das Armutsrisiko der 55- bis 64-Jährigen ist deutlich gestiegen. Der OECD-Rentenbericht sekundierte: Bei den älteren Bürgern stieg das Armutsrisiko innerhalb von vier Jahren von 17,7 auf 20,5 Prozent. Neurentner der unteren Einkommensschichten haben seit 20 Jahren immer weniger Rente zu Verfügung. Und für diejenigen, die in ihrem gesamten Leben nicht  voll durchgearbeitet haben, wird es immer schwieriger, mit der Rente auszukommen. Das ist zweifelsfrei alarmierend.

Um es klar zu sagen: Jeder, der in derart beschriebene Renten-Armutsfallen tappt, hat Anspruch darauf, dass die Politik sich dieser Problematik annimmt. Insbesondere die deutsche Politik muss sich deshalb einfach inGalerie-01 anderen Ländern umsehen, die in ihrem Rentensystem Umverteilungssysteme für das Alter eingebaut haben. Hierzulande gilt dagegen weiterhin: Die Rentenhöhe ist von den Versicherungsjahren und der geleisteten Beitragshöhe abhängig. Und der größte Teil der heutigen Rentner hat nach diesem Prinzip gearbeitet, gespart, also hausgehalten. Sie ernten jetzt ein Stück ihrer Lebensleistung, die oftmals auch Verzicht bedeutet hat.

Ein weiteres Wahrnehmungsbild

Wie ist denn nun die Lebenssituation der älteren Bürger in unserem Land im Spiegel der Zahlen? Im Datenreport 2013 werde ich in Kapitel 7.5 fündig. Ein Beispiel: Das ausgabefähige Nettoeinkommen für Pensionärshaushalte in Westdeutschland betrug 2008 immerhin 4.388 €, für Rentner 2.245 €. Auf Personen bezogen waren es im Westen 2.752 €, im Osten 1.971 €.

Zwischen 80 und 90 Prozent der ausgabefähigen Einkommen flossen – so der Report – in den privaten Konsum. Hiervon wurde mehr als die Hälfte für die Grundbedürfnisse Wohnen, Ernährung und Bekleidung ausgegeben. Das deckt sich in etwa mit dem Verhalten auch der noch arbeitenden Bevölkerung. Und wie  bewerten die Befragten selbst ihren derzeitigen Lebensstandard? Das Lebensgefühl – je nach Zugehörigkeit zu den Gruppen Pensionär, Rentner in West- bzw. Ostdeutschland, allein oder in Partnerhaushalten lebend – schwankt zwischen einem guten „mittel“ und „gut“. Statistisch wird hier in großer Zahl also gar nicht gemeckert. Da passen ganz offensichtlich Wahrnehmungsbilder nicht so richtig zusammen.

Deutliche Mehrheit erfüllt sich Bedürfnisse

Galerie-04Setzen wir noch eins drauf und fragen ganz konkret: Haben Sie genug Geld, um Ihre Bedürfnisse erfüllen zu können? Bei Rentnern und Pensionären in Ost und West liegt der Wert „überwiegend/völlig“ zwischen 47 und 79 Prozent. Das würde ich mal als einen relativ hohen Anteil ansehen. Denn auch die Antwort, dass man „halbwegs“ zurechtkomme – mit Schwankungen je nach Gruppenzugehörigkeit – zwischen 22 und 43 Prozent konterkariert diesen Befund nicht wirklich nachhaltig.

Wie ist es nun genau mit dem Meckern, mit dem Pauschalisieren, mit dem Differenzieren? Für alles gibt es immer wieder die passenden Zahlen. Statistik eben. Wenn ich aber den linken Zeigefinger in heißes Wasser halte und den rechten in eiskaltes, dann wird mir bekanntlich statistisch gemessen mittel-warm. In der Theorie also erträglich. In der Lebenswirklichkeit aber ist das eine Katastrophe.

Zahlen sind für das eine Wahrnehmungslager goldrichtig und werden für das andere aber auch gerne uminterpretiert. Auf jeden Fall sollten wir uns einen klaren Blick für die heutige Situation der Rentner- und Pensionärsmehrheit nicht vernebeln. Es ist dabei klar zu benennen, wo die Rentenrisiken für die Zukunft stecken. Altersarmut in Gegenwart und Zukunft ist und bleibt ein äußerst wichtiges Thema. Alterszufriedenheiten und-fähigkeiten aufgrund persönlich erbrachter Lebensleistungen aber ebenso.

Dass jeder im Alter auf vielen Ebenen die Rechnungen für das Vorleben erhält, ist ein alter Hut. Aber erinnern darf man zwischendurch daran! Oder?

Dieter Buchholtz





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