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Urteil gegen die Gier

Gericht schützt Ältere

Wie ein roter Faden ziehen sich viele Formen der Altersdiskriminierung  durch unsere Gesellschaft.

Altersdiskrimi

Wenn Firmen das Wort «dynamisch» in einer Stellenanzeige verwenden, schließen sie nicht automatisch ältere Bewerber aus.

Warum wird man von einem bestimmten Alter an, ohne gefragt zu werden, in Rente geschickt? Warum bekommt man im letzten Drittel des Lebens kaum noch einen Kredit? Warum gibt es so viele Produkte, die weder für Hände, Augen oder Kraft und Beweglichkeit älterer Menschen gemacht sind?

Warum erhalten Frauen ein Sonderparkrecht in Tiefgaragen, ältere Menschen mit ihren Einschränkungen und Gefährdungen aber nicht? Wir thematisieren zwar immer häufiger die älter werdende Gesellschaft. Aber durchgreifende Änderungen schaffen sich nur mühsam einen Weg.

Es gibt aber auch Sonderbehandlungen für Senioren. So kommen Rentner vielfach mit weniger Eintrittsgeld in Museen, Kinos oder Theater, um nur ein Bevorzugungsfeld herauszuheben. Bisher hat daran kaum einer Anstoß genommen. Aber auch hier tummeln sich Gegner von Rentner-Sonderrechten oder Privilegien für ältere Menschen. Jüngere Leute suchen beispielsweise Ansatzpunkte, wie sie solche Sonderrechte unter dem Vorwand von Gleichbehandlung auch für sich ergattern können.

Abgeschmettert

Ein offensichtlich weiteres Betätigungsfeld sind Urlaubsansprüche. Offensichtlich kennt hier die fordernde Maßlosigkeit von Arbeitnehmern keine Grenzen mehr. Sieben Mitarbeiter (zwischen 45 und 56) aus der Produktion des Schuhherstellers Birkenstock haben auf Anpassung ihrer Urlaubsansprüche an die der Kolleginnen und Kollegen ab dem 58-ten Lebensjahr geklagt. Sie sind jetzt vor dem Bundesarbeitsgericht mit ihrer Forderung nach 36 Tagen Urlaub abgeschmettert worden.

Das Gericht hat festgestellt, dass es dem Arbeitgeber freisteht, oberhalb der allgemeinen Urlaubsansprüche eigene und auch altersangepasste Regelungen zu finden. In diesem Fall muss vielleicht auch mal wieder daran erinnert werden, dass der allgemeine gesetzliche Anspruch auf Mindesturlaub 24 Tage beträgt. Im Fall Birkenstock bekommt jeder Mitarbeiter 34 Tage Urlaub! Ist ja wohl nicht so richtig schlecht.

Kritiker der aktuellen Gerichtsentscheidung erinnern gerne an die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes von 2012. Damals hatten die obersten Arbeitsrichter entschieden, dass im öffentlichen Dienst kein durchgängiges System von Urlaubserhöhungen ab dem 30. Lebensjahr aufrecht erhalten werden darf. Es ging vor zwei Jahren aber um Büro- und nicht um Produktionsarbeit! Für die Juristen ein wesentlicher Unterschied.Und sicherlich auch für die betroffenen Menschen.

Bundesarbeitsgericht

Bundesarbeitsgericht in Erfurt

Ärger vermeiden

Entlang solcher Neidgräben im Sozialsystem wachsen auch Gefahren für diejenigen, die solche Jugendvorstöße auf den eigenen Knochen austragen müssen. Denn schon empfehlen Arbeitgeberverbände, Urlaub nach Betriebszugehörigkeit zu vergeben. Der Arbeitgeber erspart sich dann schlicht unnötigen Ärger durch generationsüberbordende Gier. Der einzige Trost, der bei solchen Vorstößen bleibt, ist: Ihr jungen Leute werdet auch mal älter. Und dann werdet ihr vermutlich solche Altersbevorzugungen liebend gerne nutzen wollen. Vermutlich sind sie dann aber aufgrund eigener Gierattacken verschwunden.

So gesehen darf man den Bundesarbeitsrichtern nur Dank sagen für ihren Mut, scheinbar vordergründigen Bevorzugungen, also vermeintlichen Diskriminierungsregelungen das Wort zu reden, weil hier Schwächere geschützt werden müssen. Solche Abläufe erinnern mich sehr an viele Schritte hin zur Gleichberechtigung der Frau. Nicht jeder fortschrittlich erscheinende und vermeintlich gleichmachende Takt erzeugt hinten heraus eine Verbesserung der Lebensverhältnisse. Hier wäre immer wieder ein nachhaltiges Zu-Ende-Denken angesagt. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Manchmal stehen Unterschiede durchaus für mehr  Gerechtigkeit, ohne dass es das egoistische Auge erkennen kann – oder will.

Dieter Buchholtz

 

mehr zu dem Thema:

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    Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat eine sogen. „Späteheklausel“, die als Voraussetzung für die Zahlung einer Witwen- resp. Witwerrente aus der betrieblichen Altersversorgung bestimmt, daß der im übrigen versorgungsberechtigte ehemalige Mitarbeiter seine Ehe vor Vollendung des 60. Lebensjahres geschlossen haben muß, wegen Altersdiskriminierung für unwirksam erklärt.
    Tags: für, altersdiskriminierung, mitarbeiter, bundesarbeitsgericht, nur, so




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