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Jogging-Point

Trump: die Zweite – Oder: ein Papst dreht durch

Autor Dietrich Kantel

Hau den Lukas ging auf deutschen Jahrmärkten immer schon gut. In einer Variante schlägt man da mit der Faust auf ein Lederpolster und fühlt sich anschließend bärenstark. Mal wieder richtig Dampf abgelassen. In Politik und Medien heißt der Lukas heute Trump und das Spiel heißt dort: Hau den Trump. Und jeder will den anderen dabei möglichst noch übertrumpfen. Wie auf der Kirmes.

Wer glaubte, die verbale Schnappatmung hätte bereits in den Tagen nach der Wahl des neuen US-Präsidenten einen nicht wiederholbaren Höhepunkt erreicht, sieht sich seit dem Tag seiner Vereidigung eines Besseren belehrt. Kaum hatte Trump seine allseits mit Spannung erwartete Antrittsrede beendet, brach ein Shitstorm ungeahnten Ausmaßes los. Was war geschehen? Hatte der neue Präsident sich zum amerikanischen Diktator erklärt? Oder hatte er die Generalmoblimachung der Streitkräfte verkündet? Hatte er seinen Amtsvorgänger verhaften lassen?

America First

Nein, das nicht. Es war weit schlimmer. Als eine Maxime seiner zukünftigen Politik erklärte Trump, daß für ihn ab sofort und auf allen Gebieten gelte „America First!“ Und das wiederholte er auch noch. Also „America First! America First!“ Solches nicht nur zu denken, sondern es auch noch laut auszusprechen, das war doch einfach unerhört. Fanden sogleich jedenfalls Kommentatoren in einer übergroßen Zahl von Medien und hauten los. Zahlreiche deutsche Politiker plapperten sogleich hinterher. In der anschließenden Hetze wurde wohlweislich der Zusammenhang dieses Teils der Trump-Rede zerrissen und unterdrückt. Der Präsident hatte nämlich ergänzt, daß diese Maxime für seine Politik gelte, so wie er jedem anderen Land ebenso zubillige, seine jeweiligen Interessen voran zu stellen.

Verbale Amokläufe in den Medien

„Verstand aus – Gefühl an“, war jetzt die fast allgemeingültige Parole im deutschen Blätterwald und den Rundfunk- und Fernsehstationen. Das bekannt berüchtigte Boulevardblatt mit den vier Buchstaben titelte nun „Trumps Kampfansage an die Welt“. Das Wort „Kriegserklärung“ hat man sich wohl noch nicht so recht getraut.

Bei SPON (Spiegel Online) wollte man der BILD-Qualität nicht nachstehen. Schon „am Tag danach“ lauteten drei von den ersten fünf Top-Beiträgen des Tages „Bei Trump habe ich Schweißausbrüche“; „Leer. Total leer. Er hat kein Hirn“ und „Sein Finger auf dem Atomkoffer macht mir Angst“.

Sogar die WamS (Welt am Sonntag) machte auf Seite 1 auf: „Trump legt los, die Welt ist schockiert…der neue amerikanische Präsident will spalten…Seine Antrittsrede läßt Schlimmes befürchten.“

Die taz machte es lieber kurz und knackig: „Der Lügenbefehlshaber“.

Siggi Pop und Claudia Roth

Der frühere Bundes-Pop-Beauftragte unter Schröder, der heutige Bundeswirtschaftsminister unter Merkel, wollte bei dem kollektiven Shitstorm nicht zu spät kommen, weil man dann ja bekanntlich vom Leben bestraft wird, und holzte auch kräftig los. Sicher zum Entzücken der deutschen Wirtschaft. Er wertete Trumps Wahl zum Präsidenten als das Ergebnis einer Radikalisierung und machte in Trumps Rede „hochnationalistische Töne“ aus. Einfach nur „national“ reicht ihm natürlich nicht.
Claudia Roth, die GRÜNE Ulknudel, hält den neuen US-Präsidenten ohnehin für „Triebgesteuert und ein Sicherheitsrisiko“. Fast schon staatsfrauig liest es sich da, wenn sie Trump nun kraft ihrer immer staatstragenden Politerfahrung rät, er müsse „endlich die Bedeutung seines Amtes verstehen“.

Alberne Fernsehkorrespondenten: Denk Schlechtes

Weitgehend Vernunft frei gerierte sich auch der ein oder andere Fernsehkorrespondent. In Ermangelung politischer Kompetenz ging es da während der Übertragung der Vereidigung Trumps im wahrsten Sinne des Wortes in die Klamottenkiste.
Nach dem Motto „Herr Lehrer, ich weiß was“, schwadronierte der eine über das Outfit, in dem Hillary Clinton zur Feier erschien. Ganz in Weiß, bemerkte er da. Das sei ein letzter Tritt der Unterlegenen gegen das Schienbein des neuen Präsidenten, hähähä…. Denn: Weiß sei die textile Kampffarbe der Aktivistinnen der amerikanischen Feminismusbewegung. So, so. Witzig war es dann zu beobachten, als die Töchter des Präsidenten auf dem Balkon des Capitols erschienen: Beide ganz in Weiß.
Dann rückte im Festprogramm noch der in den USA beliebte Mormonenchor ins Bild. Etwa einhundert Sängerinnen und Sänger. Alle in Weiß…

Und da war auch noch der Korrespondent des anderen Senders. Ebenso politisch unbeleckt, dafür aber sicher in der Welt der Mode. Um die Kleidung der neuen First Lady ging es. Diese, das dürfte kaum jemand bestreiten, trat allerdings äußerst chique auf, in strahlendes Blau gekleidet. Schnitt und Farbe seien natürlich geklaut, wußte er und es sei von dem US-Modeschöpfer Ralph Lauren. Zuvor hatte derselbe Kommentator noch darauf hingewiesen, daß alle US-Modefürsten die neue First Lady natürlich boykottiert hätten. Geklaut: ja, nämlich bei Jackie Kennedy. So, so: von Ralph Lauren und geklaut von Jackie. Kleines Problem: Ralph Lauren gab es damals noch gar nicht….

Prinzip: Irgendwo müssen doch noch Schlechtigkeiten verfügbar sein…

Hitler und der Papst

Insgesamt halten sich dieser Tage nüchterne Analytiker sehr im Hintergrund, was bedauerlich ist. Prägend sind zur Zeit hysterische Glaubensbekenntnisse. Den Vogel der Irrationalität haben aber zwei Vertreter aus sehr unterschiedlichen Branchen abgeschossen. Und bei Ihnen mußte Adolf Hitler ins Spiel kommen. Drunter ging´s offenbar nicht.

Der eine arbeitet beim Bonner General Anzeiger, einer, zu Zeiten der Bonner Republik und noch einige Zeit danach, recht angesehenen Tageszeitung. Er rezensierte das neue Trump-Buch „The Art of The Deal“. Daß Trump offensichtlich nicht selber an seinem Notebook in die Tastatur griff und Ghostwritern diktierte: geschenkt und üblich, gerade bei Politikern. Doch dann der Vergleich des Rezensenten: Zum Vergleich zu diesem Buch müsse man Hitlers „Mein Kampf“ heranziehen. Und: das Buch von Trump sei jedenfalls, Ghostwritern sei Dank, professioneller verfaßt. Als Grund für den Vergleich gerade dieser beiden Bücher ergoß sich besagter Rezensent: Beide Autoren seien ja schließlich politische Quereinsteiger gewesen !

Der andere Schützenkönig ist Papst. Und zwar der amtierende Papst, nicht sein Vorgänger, der sich im freiwilligen Ruhestand befindet. Ohne Trump persönlich zu nennen, verkündete dieser amtierende Papst jetzt ins Off: Hitler sei auch vom Volk gewählt worden und habe dieses Volk dann zerstört! Das ist mutig gesprochen, Herr Papst. Aber wer hat ihnen denn diesen Mist souffliert? Sie sollten den Typen auswechseln. Der wußte offensichtlich nicht, daß besagter Hitler niemals durch demokratische Wahlen von der Mehrheit der Deutschen an die Macht gekommen ist. Oder, sehr geehrter Herr Papst: Hätten Sie das nicht eventuell selber wissen können? Sie sind doch unfehlbahr.

Dietrich Kantel





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