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Jogging-Point

Tolerante Schlafmützen

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Fahndungsplakat der Polizei

Die Szenen gleich sich. Ob am Theaterplatz in Bonn-Bad Godesberg, in der Fußgängerzone von Mainz oder in irgendeiner anderen größeren deutschen Stadt – regelmäßig an den Wochenenden stehen wirr-bärtige junge Männer in weißen Kaftanen und weißen Strickkappen an Tischen mit Büchern und bieten als Geschenk den „edlen Koran“ an. Dem Augenschein nach mögen die Meisten vermutlich Zuwanderer-Familien entstammen, nicht wenige jedoch sind offensichtlich „einheimisch“ deutsch. Viele zählen bestimmt noch keine 20 Jahre alt, manche sind wahrscheinlich nicht einmal volljährig. Sie selbst bezeichnen sich als Angehörige der „Salafiya“, einer besonders konservativen und intoleranten islamischen Sekte, deren Angehörige als „Salafisten“ inzwischen schon seit Jahren die Medien und (nicht zuletzt) die Sicherheitsbehörden beschäftigen.

Gegen vier Männer aus dieser ganz und gar unheiligen Truppe hat soeben im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts ein Prozess begonnen. Es handelt sich um den 27-jährigen, in Oldenburg geborenen, Deutschen Marco G. und drei weitere Glaubens-„Brüder“. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Mord vor. Im Zentrum der Anklage steht freilich die Beschuldigung von G., im Dezember 2012 auf dem Bonner Hauptbahnhof eine in einer blauen Reisetasche verborgene Höllenmaschine platziert zu haben. Darüber hinaus soll G., zusammen mit den drei Gesinnungsgenossen, geplant haben, den Vorsitzenden der rechtslastigen Partei „Pro NRW“, Markus Beisicht, in Leverkusen zu töten. Zum Glück explodierte in Bonn die Bombe nicht, und auch in Leverkusen konnte der Mord verhindert werden.

Gleichgültig gegen Religions-Fanatiker

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Die „Scharia-Polizei“ haben Facebook genutzt, um für ihre Tätigkeit zu werben

Erstaunlicherweise scheint in unserer Gesellschaft eine seltsame Gleichgültigkeit gegenüber den sich nicht nur mitten unter uns bewegenden, sondern zudem auch noch äußerst aggressiv auftretenden Glaubensfanatikern zu herrschen. Gewiss, immer wenn es – vor allem vor der eigenen Haustür – zu Gewaltausbrüchen kommt, wie im Mai 2012 im Bonner Stadtteil Lannesdorf, oder zu gesteuerten Prügelszenen etwa nach Protestaktionen wegen irgendwelcher Mohammed-Karikaturen, ist für kurze Zeit im bürgerlichen Lager die Aufregung groß. Und zweifelsfrei sind auch Empörung und Abscheu gegen die islamistischen Mörderbanden des „Islamischen Staats“ (IS) im Irak und in Syrien, aber auch andere der selbsternannten „Gotteskrieger“ (welche unglaubliche Anmaßung!)  echt. Aber die Erkenntnis, dass dies alles in unmittelbarem Zusammenhang zum täglichen Geschehen um uns herum steht, ist ganz offensichtlich nicht sonderlich weit verbreitet, und schon gar nicht gefestigt. Jedenfalls sind die Reaktionen darauf außerordentlich zurückhaltend.

Ein gutes Beispiel dafür war jüngst das provokante Auftreten einiger junger Leute in Wuppertal mit Westen und der Aufschrift „Shariah Police“. Angeblich wollten sie damit „nur“ andere Altersgenossen auf der Straße von ihrer eigenen (salafistischen) Koran-Auslegung für deren künftige („Allah gefällige“) Lebensführung überzeugen. Im Klartext: Nicht „irdische“, also historisch und demokratisch im Rechtsstaat zustande gekommene Gesetze seien bindend, sondern allein der Text des Korans – die „Schariah“. Natürlich kann man das kopfschüttelnd abtun als einen Dummejungenstreich. Und vielleicht hat sogar der eine oder andere „Täter“ das auch so empfunden. Tatsächlich jedoch war die Aktion nicht nur eine geschickt auf Medienwirkung geplante Herausforderung der „Zivilgesellschaft“, sondern ein durchaus ernst gemeinter Test der Initiatoren um den zum Islam übergetretenen einstigen Brandmeister der Mönchengladbacher Feuerwehr, Sven Lau (alias Abu Adam), mit dem Ziel, Stück für Stück die Grenzen dessen auszuloten, was sich dieser Staat und seine Bevölkerung wohl noch alles angeblich im Namen Allahs gefallen lassen werden. In diesem Fall haben die Regierenden in Düsseldorf und Berlin geradezu erstaunlich rasch reagiert und den rechtlichen Knüppel gezeigt. Inwieweit dieser freilich bei Bedarf wirklich angewandt werden würde, muss sich erst noch zeigen.

Wo sind die Wertmaßstäbe?

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Isis-Banden im Irak

Denn natürlich ist staatliche Repression nötig, um dem gespenstigen Treiben im angeblichen Namen des islamischen Gottes im demokratischen Rechtsstaat Einhalt zu gebieten. Aber das ist nur ein Kurieren am Symptom. Die eigentlichen Fragen müssen viel tiefer gehen. Man kann sich doch nicht bloß darüer entsetzen, dass hierzulande junge Männer und Frauen in beängstigend wachsender Zahl den Seelenfängern mit ihren menschenverachtenden „Lehren“ des radikalen Islam verfallen. Und zwar so sehr, dass sie sogar in zutiefst unheilige Kriege ziehen, an den schrecklichsten Morden Gefallen zu finden scheinen und mitunter gar den eigenen Tod suchen. Das sind nicht nur ein paar Irregeleitete, die in der heimischen Gesellschaft angeblich keine Perspektive gefunden haben. Hier wurde schon in den Familien sträflichst die Pflicht verletzt, bereits den Kindern jene Wertmaßstäbe zu vermitteln, auf denen nun einmal unser Leben, unsere Kultur, unser Mit- und Füreinander aufbauen. Das ist keine Frage des regelmäßigen Kirchgangs oder der Zugehörigkeit zu einer der großen christlichen Religionen. Wohl aber des Wissens um die Erungenschaften der Aufklärung und der Humanität für unsere Zivilisation.

Vielleicht ist es ja wirklich noch zu früh, von einem Religionskrieg zu sprechen. Unbestreitbar jedoch ist, dass wir uns der massiven Aggression einer gut organisierten, in sich gefestigten und fanatisierten Gruppierung des Islam ausgesetzt sehen, die für sich nicht weniger als die Weltherrschaft reklamiert und dafür jedes Mittel einzusetzen bereit ist. Und was setzt unsere Gesellschaft dem entgegen? In letzter Konsequenz vielleicht Militär und Waffen. Ganz sicher aber nicht das viel wirksamere „Schwert“ des Geistes und der eigenen inneren Überzeugung. Man frage doch einmal einen gymnasialen Leistungskurs, auf welcher Grundlage denn wohl der Humanismus und seine Errungenschaften basieren, als da sind die Unantastbarkeit der Würde des Menschen (immerhin Artikel 1 unserer Verfassung), die Menschenrechte im Allgemeinen, Gleichheit von Mann und Frau, Freiheit von Rede, Presse, Religion usw, usw, usw… Wahrscheinlich würden nur die Wenigsten zur Antwort geben: Christentum  u n d  Aufklärung, eigene feste innere Überzeugung  u n d  Intellekt.

Smartphones gegen „Heiligen Krieg“?

Pierre Vogel und Abu Bilal Philips | Frankfurt

Der zum sunnitischen Islam konvertierte 32-jährige Pierre Vogel

Nun ist es natürlich jedem einzelnen Menschen unbenommen, möglichst immer schnellstens in den Besitz der jeweils neuesten Handys, Smartphones oder Tablets zu gelangen und daraus vielleicht Glück, Zufriedenheit oder gar Überlegenheit gegenüber seinen Zeitgenossen zu entwickeln. Doch angesichts der Herausforderung und Kampfansage des radikalen Islam an unsere Lebensvorstellungen genügt das weiß Gott nicht, um zu bestehen. Und noch etwas: Ja, wir sind eine liberale Gesellschaft. Das ist schön, und darauf sind wir mit Recht stolz. Und genauso stolz sind wir auf unsere Toleranz. Indes: In den Gründungsjahren der deutschen Nachkriegsrepublik galt, über alle Parteigrenzen hinaus, die verpflichtende Überzeugung, dass nur der starke Staat auch liberal und tolerant sein könne. Mit anderen Worten – keine Freiheit für die Feinde der Freiheit. Ist dieser Schwur in Vergessenheit geraten? Was heute so gern als Toleranz gerühmt wird, ist in Wirklichkeit oft genug nur Schlafmützigkeit, Denkfaulheit und fehlender Mut, sich zu seiner Überzeugung zu bekennen. Obwohl um uns herum die Hütte brennt!

Nun wird solchen Mahnungen gern entgegen gehalten, man dürfe doch um Gottes Willen nicht alle Moslems unter terroristischen Generalverdacht stellen. Mit Verlaub – auf einen solchen Gedanken würde nun wirklich kein auch nur einigermaßen vernünftiger Mensch kommen. So, wie kollektive Schuldzuweisungen, in welcher Form und gegen wen immer gerichtet, dumm und falsch sind. Mit Sicherheit ist die übergroße Mehrheit unserer muslimischen Mitbürger genauso entsetzt über das Treiben der Mörder, Räuber und Vergewaltiger in Nahen Osten und darüber hinaus, die vorgeben, dies im Namen und Auftrag ihres Gottes zu tun. Aber: Wo bleibt eigentlich der hörbare Protest dagegen und gegen die religiös-fanatischen Rattenfänger auf unseren Straßen und Plätzen? Hatte nicht erst unlängst das israelische Vorgehen gegen die radikale Hamas im Gaza-Streifen aus allen Bereichen unserer Gesellschaft Abertausende auf die Straßen getrieben? Wo bleibt jetzt deren Aufschrei angesichts der grausigen Bilder aus Syrien und dem Irak, die täglich über die Medien transportiert werden? Wo ist demonstriert worden gegen jene, die vor wenigen Monaten – wieder „in Allahs Namen“ –  im Norden Nigerias hunderte junger Mädchen entführten und versklavten? Wohl gemerkt – Diese Vorwürfe richten sich keineswegs allein an die Mitbürger muslimischen Glaubens. Sie richten sich an unsere Gsellschaft als Ganzes.

Gisbert Kuhn





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