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Separatisten, die Retter

Sealand

Fürstentum Sealand

Kennen Sie das Fürstentum Sealand..?  Wohl eines der skurrilsten Beispiele für Separatismus des 20. Jahrhunderts in Europa. Die Briten verließen 1956 ihr einstiges Bollwerk aus dem 2. Weltkrieges vor der Themsemündung. Eine Plattform, wie wir sie von den Ölförderplattformen im Meer kennen. Betreiber von Piratensendern schlugen sich zuerst um dieses „Eiland“, damals außerhalb der britischen Hoheitsgewässer. Inzwischen sollen 160.000 Hongkong-Chinesen einen Pass dieses Fürstentums besitzen , den sie angeblich für 5.000 Dollar vom einstigen Besitzer, der damit nichts zu tun haben will, gekauft haben.

Jetzt gehört dieser gestaltete Metallhaufen vor der Themsemündung einem Deutschen, was er aber gar nicht sein will. In Trebbin – im Exil also – regiert der Premierminister Johannes W.F. Seiger über sein „Fürstentum“.

Was ist das eigentlich – Separatismus? Da will eine Gruppe Leute aus einem Land nicht mehr zu diesem Land gehören. Ein eignes aufmachen, einen eigenen Staat gründen. Das ginge auch in Deutschland, falls etwa Bayern, Ostfriesland, Oer-Erkenschwick oder Berlin auf eine solche Idee kommen würden. Regelungen dazu gibt es in Deutschland nicht. Eine Abspaltung wird daher weder erlaubt noch explizit verboten.  Nur gewaltsame Ausbrüche, oder deren Ankündigung und Vorbereitung, könnte man unter „Hochverrat“ (§§ 81–83a StGB) ahnden.

Terror und Krieg durch IRA, ETA und Co.

Derzeit erleben wir diese Bestrebungen, aus bestehenden Verbünden auszubrechen, an allen Ecken der Erdkugel. In Europa hatten wir aktuell die Schotten und haben die Basken, die sich für eine Separierung stark machen. In unserem Nachbarland Belgien schwelt der Konflikt zwischen Wallonen und FlamenSüdtirol will auch nicht so wirklich italienisch sein.

Nordirland und IRA sind wohl Allen noch ein Begriff. Der Ausbruchsversuch von Slowenien und Kroatien  1991 aus dem Verbund Jugoslawien, endete in grausamen Kriegen. Kriege mitten in Europa. An dieser Stelle möchte ich die Rolle der NATO, Deutschlands und der EU in diesem Konflikt nicht betrachten. Ebenso wenig in Sachen Ukraine.

ETA

Militante ETA-Mitglieder bei einer Pressekonferenz

Allen gemein ist, dass es eine Unzufriedenheit mit der „Zentralmacht“ gibt. Dieses aus ganz unterschiedlichen Gründen. Religiöse, ethnische oder auch wirtschaftliche Ursachen sind hier die Triebfedern. Wenn man aber genau hinschaut, sind es emotionelle Motive. Da wurde Politik gemacht, wurden nicht selten willkürlich Grenzen und Bedingungen geändert, weil man es konnte, die Macht hatte. Die Katalanen verloren ihre Macht 1714 an die spanische Krone, Franco verbot jedwede Regionalität – selbst die eigene Sprache. 1978 wurden den Katalanen weitreichende Autonomierechte verfassungsgemäß zugestanden. Sie haben eine eigene Polizei, dürfen sich aber nicht Nation nennen. Die alte Wunde bleibt, die Identität hat Brüche.

Ich kenne noch die Straßensperren an der Küstenstrasse nördlich Barcelonas durch die Guardia Civil mit Nagelkissen und Maschinengewehren. Die Euskadi Ta Askatasuna ( ETA) hat jahrelang für Terror und Tod gesorgt. Erst im Februar 2014 begann die Entwaffnung dieser Gruppe. Jetzt stehen neben dem Identitätskonflikt der Katalanen, knallharte wirtschaftliche Interessen hinter dieser Bewegung. Man will den Rest Spaniens nicht mehr finanzieren. Aber auch dahinter steht Emotion und sonst nichts. Wir, die reichen Katalanen, sollen die anderen durchfüttern!

Schizophrene Weltsicht als Nährboden für Separatisten

Kommt uns das bekannt vor? Die Diskussion um den Soli und den Länderfinanzausgleich , den das Ex-Emfänger- und Agrarbundesland Bayern lostrat? Das stellt nichts anderes dar, als eine Verfechtung von separatistischen Ideen. Rational wissen die Bayern genau, dass sie Jahrzehnte Mittel als armes Agrarland kassiert haben. Die letzten Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen bringen ähnliches zu Tage. Eine neue politische Organisation sammelte über 10 Prozent der Stimmen ein. Diese neue Partei entstand nicht durch extreme Spinner oder Berufsnörgler, sondern eher aus dem Lager der Konservativen. Diese wissen genau was sie tun. Sie sammeln von links bis rechts die Leute auf, die sich durch die aktuelle Politik nicht mitgenommen fühlen.

Emotionen

Emotionale Prozesse laufen auf unterschiedlichen Ebenen ab

Ja, ich verwende das böse Wort „fühlen“! Unsere angeblich so sachliche und rationale Welt funktioniert besonders im Wirtschaftssystem rein emotionell. Marketing macht nichts anderes, als Gefühle zu bedienen. So werden Läden eingerichtet, mit Sound-Design das Geräusch einer zufallenden Autotüre gestylt. Apple und Facebook sind die Paradebeispiele für das Bedienen von Emotionen.  Politik glaubte in den letzten Jahrzehnten, Ideologie und eine rationale Herangehensweise schaftften neue Wirklichkeiten. Die Ergebnisse sind zum Teil verheerend. Einige Beispiele sind die sogenannte Emanzipation, Gendermainstream,  Euro, Zuwanderung, Hartz IV,  EU-Erweiterung…. Und so weiter!

Diese Methode, Emotionen abzuspalten, führt einer Unzufriedenheit, die sich irgendwann Luft macht. In einer „Konsens-bis-zur-Selbstverleugnung“-Gesellschaft ist es eher unwahrscheinlich, dass jemand Bomben baut. In anderen Ländern und Kulturen, die mit  Emotion und auch Aggression anders umgehen, passiert es schneller, dass auch mit harten Bandagen gekämpft wird. Wir belasten lieber das Gesundheitssystem mit burn-out und anderen Erscheinungen körperlich und psychisch lebensfeindlicher Veränderungen. Die wir aber tunlichst nicht einem emotionellen Defizit zuordnen, sondern nach biologischen und chemischen Reaktionen suchen und diese dann per Pharmazie gewinnbringend dämpfen.

Diese schizophrene Vorgehensweise, Emotionen in Teilen des Lebens abzuspalten, hat ihre Auswirkungen. Ich weiß, dass es sich eher um dissoziative Identitätsstörung (DIS) oder multiple Persönlichkeitsstörung (MPS)  handelt und mit gespaltener Persönlichkeit eine unzureichende Interpretation von Schizophrenie ausgedrückt wird. Meine Verwendung hier ist eher volkstümlich. Ersatzemotionen wie soziale Netzwerke, Tier als Partnerersatz, exzessive Betätigungen im Sport, aber auch die Achtsamkeitswelle sind Ausdrücke von der Suche, dem Zugang zum „Fühlen“!

Gerechtigkeit als Zukunftsbild

Ob eine politische Gruppierung wie die AfD in Deutschland nur ein Ventil zum „Druck ablassen“ in unserer Gesellschaft ist, wird sich weisen. Jedenfalls hat sich diese Abspaltung genau die gefühlten Themen aufgegriffen, die die rationale, ideologische Block-Politik zwar kennt, aber ignoriert.

Europaparteitag der AfD in Erfurt

AfD-Chef Bernd Lucke

Wenn die Separatisten es nur schafften, die bestehenden Verhältnisse in Richtung Gerechtigkeit zu verändern, dann hätten sie ja duchaus eine zukunftsweisende Aufgabe. Gerechtigkeit und Recht sind bekanntlich bei Weitem nicht das Gleiche. Große Konzerne und Institutionen haben inzwischen einen Selbstzweck, der mit der Gestaltung eines gedeihlichen Zusammenlebens nicht immer übereinstimmt. Nicht kontrollierbar und undurchschaubar. Das macht natürlicherweise Angst. Die Einen lähmt es, Andere wehren sich.

Es stellt sich nur die Frage, wer steckt hinter den Bewegungen der Separierung? Neue Demagogen, die nur die Gunst der Stunde nutzen wollen, um ihr Machtsüppchen zu kochen? Dieses zeigt sich oft leider erst hinterher. Dafür ist die Ukraine ein aktuelles beschämendes Beispiel.

Alte Strukturen reichen nicht mehr, oder haben sich überlebt. Neues ist nicht immer sichtbar. Wir leben in einem interessanten Zeitalter. Vieles wird neu entstehen. Auch Irrwege werden dabei sein. Wir können es gestalten. Regionalisierung, Gerechtigkeit und Teilhabe, auch an politischen Prozessen, wird zukünftig auf der Agenda stehen. Das wird bestehende Rahmen sprengen, sprengen müssen. Demokratie muss in vielen Teilen neu gedacht werden.

Das Hauptargument vieler Stimmberechtigten im schottischen Votum gegen die Abspaltung war die Angst. Angst vor Neuem, Angst vor Unsicherheit und Angst vor Verlust. Angst kann schützen, ist aber auch gelegentlich ein schlechter Ratgeber. Den Separatisten muss man zu Gute halten, sie sind mutig und stehen  für ihre Idee ein. Ich schaue mir mutig die Separatistenführer an, ob die mich nur als willigen Transporteur für den alten Wein in neuen Schläuchen wollen….

Paul Pawlowski




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