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Schlappe 117 Millionen

von Dietrich Kantel

Autor Dietrich Kantel

Die Reformationsfeiern zu 500 Jahre Lutherthesen sind vorbei. Jetzt kommt Klima. Nämlich COP 23, die Weltklimakonferenz in Bonn. Eigentlich war Fidschi an der Reihe. Die Fidschiinseln liegen jedoch zum Teil nur 50 Zentimeter über dem Meeresspiegel. Angesichts der Masse von 25.000 erwarteten Klimapilgern plus Reisegepäck plus Flugzeuge, sagte Fidschi schnell „Klima, nein Danke – wir sinken“. Außerdem haben wir weder Kohle noch Moos. Es gilt: Ohne Moos nix los. Deutschland hat viel Kohle und viel Moos. Da lassen wir uns doch wohl nicht lumpen ?

Kein anderes Land der 197 Klimavertragsstaaten erklärte sich bereit, dem pazifischen Inselstaat aus der Fidschi-Patsche zu helfen. Da ließ die deutsche Bundesregierung unter solidarisch-kollusivem Zusammenwirken von Damals-Noch-Wirtschaftsminister Gabriel (SPD), Damals-Noch-Außenminister Steinmeier (SPD) und Immer-Noch-Umweltministerin Hendricks (SPD) sich nicht lumpen und die Auch-Immer-Noch-Bundeskanzlerin Merkel (CDU) schlug die Raute drüber: Die erneute Durchführung der Weltklimakonferenz auf deutschem Boden nach nur 15 Jahren sei alternativlos. Denn von deutschem Boden solle nach inzwischen verfestigter Staatsräson nur noch Gutes ausgehen. Und außer nur noch gut, sind wir auch immer die Besten. Damit war die Sache grundsätzlich gelaufen.

Die Ministerin und die Standortfrage

Jetzt ging es noch um die Frage, welche deutsche Stadt mit diesem Mega-Event beglückt werden sollte. Das war nicht ganz so einfach zu entscheiden. Die echt geilen Sachen finden naturgemäß immer in Berlin statt, z.B. Obama. München hatte den G-7 und hat außerdem immer das Oktoberfest. Hamburg hatte den G-20 mit Randale bedingter internationaler Medienresonanz und Köln hatte Sylvester, auch mit internationalem Publikum und scharfen Events auf der Domplatte.

Die zündende Idee muss wohl der Bundesumweltministerin gekommen sein. Erster Amtssitz in Bonn, wo sie regelmäßig jedoch abwesend ist, weil sie ständig zwischen Berlin (Nebenamtssitz) und Kleve (der Lebenspartnerin geschuldet) pendelt. Da meldete sich ihr schlechtes Gewissen: Bonn muss es wieder machen! Nach 1999 und 2001 einfach nochmal. Auch wenn keine andere Stadt auf der Welt – Buenos Aires (3 Millionen Einwohner) ausgenommen – sich jemals noch einmal um die Ausrichtung bemüht hat (Bonn: 320.000 Einwohner). Bonn muss es machen.

Das passt doch auch terminlich gut, mag die Ministerin vom Niederrhein weiter resümiert haben: COP 23, zwei Wochen vom 6. bis 20. November 2017 – da ist doch auch in Bonn am 11.11. um 11 Uhr 11 die Eröffnung der neuen Fastelovensession. Bei 320.000 Jecken vor Ort kommt es dann auf ein paar tausend internationale Narren mehr doch auch nicht mehr an…

Bonn – Berlin Nebenstelle

So kam es, dass der alten Stadt Bonn, heute Nebenstelle der Hauptstadt Berlin (Autokennzeichen BN – „Berlin Nebenstelle“) die zweifelhafte Ehre zuteil wird, zwei Wochen lang 25.000, zu 95 Prozent selbsternannte Klimaretter zu beherbergen, zu unterhalten und zu verköstigen. 25.000 Klimapilger (Aufruf im Bonner General-Anzeiger, Zitat: „Es werden noch Betten für Klimapilger gesucht“), die sich hobbymäßig mit der Weltrettung befassen und gar nicht oft genug CO2-trächtig um den Erdball düsen können, um ihren Glauben vom menschengemachten Klimawandel zu missionieren.

Das Ganze ist nicht ganz billig. Zwei riesengroße, landschaftsfressende Zelt-Konferenz-Städte wurden im Naherholungsgebiet der Bonner Bürger, dem Rheinauenpark errichtet. Weite Areale sind für die Bürger seit Monaten gesperrt und bleiben es auch noch Wochen nach der Konferenz. Der Weihnachts- oder Neujahrsspaziergang mit der Familie muss dann auswärts stattfinden. Die künstlichen Kleinstädte werden mit bösem Heizöl geheizt. Das ist den Bundesveranstaltern offenbar peinlich. Dafür würden jedoch „klimaneutrale Ausgleichsinvestitionen“ geleistet, so der verantwortliche Staatssekretär eindrücklich. Später natürlich. Aber ganz, ganz sicher. Welcher Art diese seien und was die kosten, erläuterte er nicht. Geld ist ja da in Deutschland…

Ist nicht zu hinterfragen: Wären ohne diese Aufwendungen für diese Mammutveranstaltung Ausgleichsmaßnahmen gar nicht erst erforderlich ?

117 Millionen Euro

Billig ist das Ganze für den deutschen Steuerzahler nicht. Prinzip: Watt nix kost´, is nix. 117 Millionen Euro gibt allein das Auswärtige Amt. Mindestens. Für 25.000 akkreditierte Event-Teilnehmer, wenn sie einmal in Bonn gelandet sind, ist es jedoch billiger, als Bonner Bürger sich das jemals erträumen können:

Die Klimapilger fahren 14 Tage lang kostenlos mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln in und um Bonn, Klimakonferenz veranlasst, privat, auf Party, egal. Derweil die Bonner und die Menschen aus den umliegenden Gemeinden die in ganz Deutschland höchsten Ticketpreise im ÖPNV latzen müssen. Auch wenn sie einfach nur zur Arbeit fahren müssen…

 




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