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Irrsinn mit Methode

Prof. Dr. Antje Lann Hornscheidt hat natürlich jedes Recht der Welt, zu forschen. Und zwar, wonach immer es die 49 Jahre alte gebürtige Kielerin auch drängt. Neugier und Wissensdurst sind schließlich zu allen Zeiten der Motor von Erkenntnissen, Fortschritt und Erfindungen gewesen. Nicht umsonst lässt der Dichterfürst Goethe schließlich in seinem „Faust“ sagen: „Zwar weiß ich viel, doch möcht´ ich alles wissen“. Denn Wissen ist Macht, befand schon der britische Philosoph Francis Bacon. Und nicht selten ist es ja auch schon ein Gewinn zu wissen, wo einen der Schuh drückt.

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Prof. Dr. Antje Lann Hornscheidt © Lann Hornscheidt/Archiv

Kein Verlust für die Menschheit

So gesehen sträubt sich die Feder, im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Forschung die platte Frage nach dem „wem nützt es?“ zu Papier zu bringen. Dennoch sei einfach mal die Behauptung in den Raum gestellt, dass es keinen Verlust für die Menschheit bedeuten würde, wenn Lann Horscheidt ihre akademische Wissbegierde irgendwo in einer Studierstube befriedigte und die dabei gewonnenen Erkenntnisse für sich behielte. Oder aber sie würde wenigstens auf eigene Rechnung auf dem Gebiet des ihr noch unergründet Erscheinenden grübeln – natürlich auf die Gefahr hin, dass die von ihr dabei zutage geförderten Erkenntnisschätze niemanden wirklich interessieren.

Doch weit gefehlt! Da gibt es doch tatsächlich an der Humboldt-Universität in Berlin ein „Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien“, an dem Antje Lann Horscheidt „Professorin für Gender Studies und Sprachanalyse“ ist. So steht es jedenfalls auf der Website der Uni. Erstaunlicherweise. Denn schon die weibliche Sprachzuweisung „…in“ bei der Berufsbezeichnung „Professor“ ist nach den als wissenschaftlich fundiert geglaubten Einblicken Lann Horscheits und ihres Teams unerlaubt – zumindest jedenfalls falsch. In deren Lesart müsste es nämlich heißen „Professorx“. So, wie die Studierenden schlicht als „Studierx“ anzureden wären. Natürlich kann auf derart revolutionierende Vokabular-Reformen nicht eine Person allein kommen. Da braucht es schon eine „Arbeitsgemeinschaft Feministisches Sprachhandeln“.

Von der Uni finanziert

Das ist – wie gesagt – nicht einfach eine fröhliche Zusammenkunft von Freundinnen, bei dem unter allgemeinem Gelächter möglicherweise Sprachspiele à la „Drei Chinesen mit dem Kontrabass…“ veranstaltet werden. Nein, der von Humboldt-Universität finanzierte Lehrstuhl mit seiner feministischen Sprach-AG meint es ernst. Die Leute sind tatsächlich davon überzeugt, dass allein schon die traditionelle Anrede als „Herr“ oder „Frau“ von ihrem Wesen her diskriminierend sei. Originalton Hornscheidt in einem Interview: „Ich möchte mich in der Anrede nicht als Mann oder Frau identifiziert sehen. Ich identifiziere mich nicht mit der Zwei-Genderung. Ich kritisiere sie für ihre Normsetzung und die Ausschlüsse, die dadurch geschaffen werden“.

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Lann Hornscheidt: „Ganz viele Menschen identifizieren sich nicht damit, Frau oder Mann zu sein. Das X soll einen Schritt weiter gehen und Geschlechts-Vorstellungen durchkreuzen, auch bildlich.

Zum leichteren Verständnis: Unter Zwei-Genderung versteht die Wissenschaft seit einiger Zeit die geschlechtsspezifische Einteilung in Mann und Frau. Das hat, wie jüngst ein journalistischer Kollege ganz richtig schrieb, lange ziemlich gut funktioniert. Eigentlich in der ganzen Geschichte der Menschheit. Und er hing auch gleich noch einen Vorschlag an – nämlich in der Zeitung einmal eine Serie zu veröffentlichen über Universitäts-Institute, welche die Welt ganz gewiss nicht braucht. Wie Recht der Herr (pardon) Redakteur hat! Auf welcher Faktenbasis gründet denn zum Beispiel die These dex Professorx Hornscheidt, dass Geschlechter reaktionäre Phantasmen seien, „soziale Konstrukte“? Klar gibt es in der Gesellschaft auch Trans- und Intersexuelle“. Aber werden deren Probleme mit einem „x“ gelöst? Oder ist Integration und normales Miteinander nicht vielmehr eine Frage von Toleranz und gegenseitigem Verständnis?

Die unduldsame „Korrektheit“           

Nein, die Sache ist natürlich kompletter Irrsinn. Aber dieser hat durchaus Methode. Wobei die Initiatoren – Chapeau ! – nicht ohne Erfolg zwei Dinge geschickt miteinander verknüpfen. Das eine ist der (nicht selten bis ins Lächerliche reichende) Missionseifer bei der so genannten politischen Korrektheit und der damit einher gehenden Verbiegung und Beschneidung jeglicher lebendiger Sprache. Beispiele dafür können bei Bedarf en masse geliefert werden. Schon das ist ärgerlich. Wirklich empörend jedoch ist, dass sich dafür auch noch bedeutende öffentliche Einrichtungen – wie eben die Berliner Humboldt-Universität – hergeben. Gerade weil unser Land auf Forschung (gewiss nicht nur naturwissenschaftliche und technische) dringend angewiesen ist, kann es sich nicht leisten, dass unter dem Deckmantel von „Freiheit der Wissenschaft“ Steuergelder für absoluten Blödsinn verpulvert werden.

Es wäre ja gar nicht so vieler Zeilen wert, wenn die Gender-Posse in Berlin für sich allein stünde. Dann könnte man vielleicht noch schmunzeln, mit den Achseln zucken und denken, das werde sich bei den Eiferern (korrekter: Eiferex) wahrscheinlich mit zunehmendem Alter auswachsen oder wieder einrenken. Aber dummerweise finden die meisten Narreteien immer wieder Nachahmer und Mitläufer. Das gravierendste Beispiel dafür haben wir hier in „Angemerkt“ schon einmal aufgespießt. Dennoch sei erneut an den Schildbürgerstreich der Uni Leipzig erinnert, die 2013 eine neue Grundordnung des Inhalts beschloss, dass es in der Alma Mater Lipsiae künftig nur noch weibliche Berufsbezeichnungen gebe. Auf Ihr Wohl Herr Professorin!

Spitze oder bekloppt?

Bleibt nur noch die Frage: Sind wir Deutschen damit wieder einmal „Spitze“, also mit der Anpassung und Steuerung gesellschaftlicher Strömungen an und in die „neue Zeit“? Oder sind wir ganz einfach nur bekloppt? Es fällt schwer, die zweite Möglichkeit völlig zu negieren und zu dem Schluss zu kommen, dass es einem Land wohl verdammt gut gehen muss, das sich derartige Probleme leistet.

Gisbert Kuhn

p. s.: Von Richard Wagner stammt der ironische Satz: Deutschsein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen betreiben. Der Journalist, Schriftsteller und Satiriker Kurt Tucholsky hat ihn kurz und unübertrefflich so zugespitzt: „Deutschsein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen übertreiben…“


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