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Fidel C. – Die dunkle Seite

Dietrich

Autor Dietrich Kantel

Fidel Castro, „El Commandante“, „Maximo Leader“  ist tot. Er erreichte ein begnadetes Alter, er, der selber zu den Gnadenlosesten zählte. Von 1959 bis 2008, also knapp 60 Jahre herrschte er nach der von ihm exekutierten Revolution alsbald diktatorisch über den karibischen Inselstaat und seine (heute) 11 Millionen Menschen. De mortuis nil nisi bene – über die Verstorbenen nur Gutes? Schaun wir mal.

Nur Gutes

Nur Gutes! Das ließen sich insbesondere Ewiggestrige, die trotz weltweiten Scheiterns des Kommunismus und seinem kleinen Bruder, dem Sozialismus immer, noch von der Verwirklichung der „guten Sache“ feucht träumen, nicht zweimal sagen.

Eine bessere Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ist möglich. Das war die feste Überzeugung von Fidel Castro. Gestern ist er im Alter von 90 Jahren gestorben. Ich verabschiede mich von ihm mit seinen eigenen Worten: Ein Kämpfer kann sterben – nicht aber seine Ideen.“ So lobpries etwa Sarah Wagenknecht.
Da wollte ihr Gatte nicht hintanstehen oder haben beide in trauter ehelicher Zweisamkeit die ideologische Vereinigung gefunden, vielleicht bei einem Gläschen Roten aus der Toscana?

Ein Kämpfer kann sterben – nicht aber seine Ideen!. Che Guevara und all die anderen, die sich in den Wäldern der Sierra Maestra mit Studenten, Arbeitern und Bauern verbündeten, um den Diktator Batista zu stürzen, wären auch die sozialistischen Revolutionen von Hugo Chavez bis Evo Morales nicht möglich gewesen….Der Kämpfer Fidel ist gestorben, aber seine Ideen leben weiter.“ Soweit Oskar Lafontaine, der mit hohen Pensionen heute Reichbeschenkte.

Christian Ströbele, der Terrorismus erfahrene Jurist war da via Twitter zumindest kürzer: „Fidel Castro und Che erfolgreiche Revolutionäre, viele Jahre Hoffnungsträger unserer Revolution.“

Revolutionär, Sozialist & eine große Stimme der Unabhängigkeit des Südens gegen den reichen Norden, iHasta siempre commandante“ twitterte Katja Kipping, Vorsitzende der SED-Nachfolgeorganisation „Die Linke“.

Im Lager des rot-grünen Mainstreams, die Alt-68er voran, findet man endlos viele Lobhudeleien dieser Art. Und selbst ein Herz-Jesu-Sozialist wie der Präsident der EU-Kommission, Jean Claude Juncker, kann mit versteckter Bewunderung nicht ganz hinter dem Berg halten: „With the death of Fidel Castro, the world has lost a man who was a hero for many.“ A hero, ein Held also?

Brutaler Diktator

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Fidel Castro ©seppspiegl

Die Wirklichkeit ist anders. Aber angesichts des Todes nur Gutes? Nil nisi bene? Kritik verboten? Massenmörder wie Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot oder jetzt auch Fidel und wie sie alle heißen nicht kritisieren dürfen?
Die römische Redewendung wird allseits verkürzt und fehlverstanden verwendet. Der Lateinkundige weiß es aber besser. Bei richtiger Interpretation des Satzes, die grammatikalischen Eigenheiten des Lateinischen berücksichtigend, lautet der Sinngehalt jedoch etwas anderes: Natürlich dürfen Menschenschlächter kritisiert werden. Auch im Tod, auch nach dem Tod. Nur sollte diese Kritik nicht ihrerseits böswillig formuliert werden. Neudeutsch: „Hate Speech“ soll man bitte unterlassen. Nicht mehr, nicht weniger.
Dann soll hier die nüchterne Betrachtungsweise gelten. Und die offenbart die brutale Seite des „Maximo Leader.“

Der 900 Milionen Mann

Bei der revolutionären Machtübernahme des Fidel C. war Kuba ein – relativ – reiches Entwicklungsland. Heute sagt man dazu: Schwellenland. Die landwirtschaftliche Eigenversorgung war gut. Ärzte und Lehrer waren in ausreichender Zahl in Lohn und Brot. Die Zivilgesellschaft war vielfältig, der Durchschnittsbürger im Weltvergleich ordentlich gebildet. In der Tat stürzte Castro den Diktator Batista. Jedoch um den Preis von Zwangskollektivierung, Enteignung, Berufsverbot, Verhaftung, Folter. Kurz: Seine vorgeblich kommunistische Revolution ersetze die eine Diktatur durch eine andere. Nämlich die Seine.

Bereits 2006 taxierte das Wirtschaftsmagazin FORBES das Privatvermögen Castros auf 900 Millionen US-Dollar. Derweil kommt der Durchschnittskubaner auch heute noch finanziell kaum über die Runden. Die Schattenwirtschaft blüht.

Menschenrechtsverletzungen

Republikflucht stellte der Leader unter Strafe. Wir Deutsche wissen was das heißt. Der Flüchtende, wurde er (auf dem Meer) erwischt, wurde verhaftet, eingesperrt, auch gefoltert. Trotzdem verließen über die Jahre geschätzte 20 Prozent der Bevölkerung den Fidelen Inselstaat. Nicht nur die Wirtschaft war unter dem kommunistischen Regime ruiniert. Ohne die sowjetischen Subventionen der 60er bis 80er Jahre wäre das Kuba Castros vollends zusammengebrochen und ohne die Ölkontingente zu Super-Sonderpreisen aus dem befreundeten Venezuela des Bruders im Geiste, Hugo Chavez ,in den beiden anschließenden Dekaden ebenso.

Bis in die späten 70er Jahre ließ der solidarische Commandante Homosexuelle, Langhaarige, HIV-Infizierte und andere wegen „gesellschaftlichen Abweichlertums“ in Arbeitslagern oder Gefängnissen internieren. Berichtet wird auch, daß auch heute noch – der Leader trat 2008 von allen Staatsämtern zurück und sein junger Bruder Raul, fünf Jahre jünger als Fidel, übernahm – Kirchenbesucher verprügelt werden.

Die unzähligen Einzelschicksale von willkürlich Inhaftierten, die natürlich immer Feinde der Revolution, des Staates, Konterrevolutionäre waren und zum Teil jahre- und sogar jahrzehntelang gefoltert wurden, können hier gar nicht geschildert werden.

Internacionalistas – Staatssöldner in Afrika

Ein anderes dunkles Kapitel auf Castros Kerbholz ist sein militärisches Engagement in Angola während der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Zum Wohlgefallen des großen sozialistischen Bruders Sowjetunion und um seinen Staatshaushalt aufzubessern, entsandte Castro zwangsweise kubanische Soldaten nach Angola. Dort galt es das von Moskau (Breschnew) etablierte kommunistische Regime des Agustino Neto und anschließend des seit 1979 heute noch herrschenden Eduardo dos Santos zu festigen. Das Kalkül war sehr cool: Bis zu 50.000 kubanische Soldaten, zu 90 Prozent Wehrpflichtige, wurden nach Angola zwangsverschifft. Sie stützten die kommunistische MPLA, die sonst gegen die westlich orientierten Rebellen FNLA und UNITA unterzugehen drohte.

Der Deal: Angola zahlt aus seinen Erdöl- und Diamanteneinnahmen die Ausrüstung, die Versorgung und den Sold der kubanischen Soldaten. Darüberhinaus hatte Angola je Mann und Monat 1.500 US-$ in die kubanische Staatskasse zu zahlen (Frage: nur in die Staatskasse?). Man rechne: 1.500 x 50.000 x 12. Macht im Jahr 900 Millionen US-$. Das Engagement dauerte von 1975 bis 1989…

Hunderttausende Angolaner verloren in diesem Krieg ihr Leben. Tausende kubanische Wehrpflichtige kehrten niemals in ihr Heimatland zurück.

Cuba Libre

De mortuis nil nisi bene?“
Wenn ein Schlimmer gegangen ist, ist es Zeit zu sagen, daß es gut ist, daß er endlich gegangen ist. Er möge in einem Frieden ruhen, den er anderen zeitlebens nicht gewährte. Und möge der Maximo Leader Gnade finden vor einer noch höheren Instanz. – Und nicht nur vor Wagenknecht, Lafontaine, Ströbele und Co.

Und vielleicht hat Kuba und haben die Kubaner nach nunmehr zwei Diktaturen die Chance auf Freiheit.

Dietrich Kantel


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